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Schulentwicklungsplan Frankfurt Streit über Unterricht für Kinder mit Behinderung

Der neue Schulentwicklungsplan sieht in Frankfurt einen Ausbau der Förderschulen oder spezielle Klassen vor.

Schulen
Frankfurt braucht noch mehr Schulen, das ist Konsens im Römer. Foto: Michael Schick

Drei neue Schulen sollen im kommenden Jahr in Frankfurt eröffnen. Das steht im neuen Schulentwicklungsplan, den der Magistrat am Freitag beschlossen hat. Diskussionen gibt es über den Umgang mit geistig behinderten Kindern. Die Stadt will entweder Kooperationsklassen an Grundschulen aufbauen, in denen die Jungen und Mädchen betreut werden, oder die Förderschulen erweitern. In der Koalition gab es über diese Frage Streit.

Zuletzt habe es einen „Anstieg im Bereich der Förderschulkinder mit der Diagnose ,geistige Entwicklung’“ gegeben, teilte das Bildungsdezernat mit. Warum das so ist, wollen das hessische Kultusministerium und die Goethe-Universität in einem gemeinsamen Projekt untersuchen. Von dem Ergebnis hängt ab, wie mit den Kindern weiter verfahren wird.

Eine Option wäre die Einrichtung von Kooperationsklassen, die in einer neuen Verordnung des Landes vorgesehen sind. Diese würden in einem ersten Schritt an den fünf Grundschulen eingerichtet, die in den nächsten Jahren eröffnen sollen. In den Klassen lernen maximal zehn geistig behinderte Kinder gemeinsam und werden von einem Förderschullehrer betreut. Für Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) liegen die Vorteile dieser Lösung auf der Hand. „Die Kinder müssten nicht durch die Stadt zu Förderschulen gefahren werden, sondern könnten in ihrem Kiez zur Schule gehen“, sagte ihre Referentin Jetta Lüdecke. Ob die Kinder auch in reguläre Klassen gehen können, entscheide der Förderausschuss, der aus Lehrern, Eltern und dem Staatlichen Schulamt besteht, vor jedem Schuljahr, sagte Lüdecke.

Doch die CDU drängt auf einen Ausbau der Förderschulen. Nach FR-Informationen schlug sie in den Koalitionsgesprächen über den Schulentwicklungsplan den Bau einer neuen Förderschule vor. Damit scheiterten die Christdemokraten aber am Widerstand von SPD und Grünen. Sie setzen weiterhin auf Inklusion.

Als Kompromiss einigte sich die Koalition darauf, dass zwar keine neue Förderschulen gebaut werden. Als Alternative zu den Kooperationsklassen soll aber der Ausbau der bestehenden Standorte in Nied, in der Nordweststadt und am Dornbusch geprüft werden. „Förderschulen bleiben für die CDU-Fraktion ein wichtiger Baustein im Bildungssystem“, stellten die Christdemokraten am Freitag klar.

Keinen Streit gab es über die Standorte der neuen Schulen, die im fortgeschriebenen Entwicklungsplan festgehalten sind. Die Einrichtungen, die im Sommer 2019 eröffnen sollen, entstehen voraussichtlich alle in den Stadtteilen nördlich der City. Für die geplante dritte Grundschule am Riedberg hat die Stadt bereits ein Grundstück hergerichtet. Im Norden Frankfurts soll zudem eine sechszügige integrierte Gesamtschule errichtet werden, außerdem ist der Bau eines sechszügigen Gymnasiums in der „Bildungsregion Mitte-Nord“ vorgesehen. Diese umfasst Stadtteile wie Dornbusch oder Eschersheim. Für die beiden weiterführenden Schulen seien mögliche Grundstücke gefunden, die Verhandlungen darüber liefen, sagte Lüdecke. Bis 2023 sollen dann fünf weitere Schulen gebaut werden. Auch über diese Pläne bestand in der Koalition schon lange Konsens.

Die Realschulen sollen – wenn räumlich möglich – erweitert werden, heißt es überdies in dem Plan. In den Klassen 7 und 8 kämen viele Jugendliche auf die Schulen, die sich zunächst auf dem Gymnasium versucht hatten.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan von Wangenheim, lobte Weber dafür, „dass sie tatsächlich anpackt“. Er habe aber Sorge, ob die Pläne schnell umgesetzt werden können. Das städtische Amt für Immobilien, das die Grundstücke suchen und in hohem Tempo bebauen muss, „scheint noch nicht richtig arbeitsfähig“. Über Förderschulen solle „ergebnisoffen neu diskutiert werden“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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