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Schulen in Frankfurt Rappen gegen Zwangsheirat

220 Frankfurter Schüler diskutieren über den Dokumentarfilm „Sonita“, die wahre Geschichte der ersten Rapperin Afghanistans. In Frankfurt ist sie nicht dabei, dafür aber die iranische Regisseurin Rokhsareh Ghaemmaghami.

Die iranische Filmemacherin Rokhsareh Ghaemmaghami diskutiert mit Frankfurter Schülern. Foto: Andreas Arnold

„Ich muss flüstern, denn über den Verkauf von Mädchen darf man nicht reden“, rappt Sonita. Das zierliche afghanische Teenie-Mädchen trägt ein weißes Brautkleid, ihre Lippe blutet, auf der Stirn hat sie einen Barcode gemalt. „Dass ich’s tue, ist gegen die Scharia.“

Ihr Musikvideo „Brides for sale“ („Bräute zum Verkauf“) ist Teil des preisgekrönten Dokumentarfilms „Sonita“ der iranischen Regisseurin Rokhsareh Ghaemmaghami. 2016 gewann sie auf dem Sundance-Filmfestival den großen Preis der Jury sowie den Publikumspreis. An diesem Dienstagmorgen sitzt die Regisseurin mit 220 Frankfurter Schülern im Teenie-Alter im Cinema am Roßmarkt. Die Schüler applaudieren, jubeln, nutzen sogar Trillerpfeifen, um ihre Begeisterung für die erste Rapperin Afghanistans auszudrücken. Die Extra-Schulvorstellung hat die AG Mädchen und Politik in Kooperation mit dem Frauenreferat und dem Verein Junularo – Raum für Jugend organisiert. Die Schüler und Schülerinnen verfolgen gebannt auf der Leinwand die wahre Geschichte von Sonita. Das afghanische Mädchen lebt als Flüchtling im Iran, ihre Mutter will sie nach Afghanistan zurückholen. Um sie für 9000 Dollar zu verheiraten. Aber Sonita will Rapperin werden.

Dabei ist Rappen für Frauen im Iran verboten. In einer Szene klebt Sonita ihr Gesicht über das von Popstar Rihanna: „Ich will, dass mir irgendwann mal so viele Menschen zujubeln.“ Ihre Brüder zerstören bei einem Streit ihr Justin-Bieber-Poster. In solchen Konfliktszenen kichern ein paar Schülerinnen.

Nicht, weil sie es so lustig finden. „Es erinnert sie wahrscheinlich an ihre Konflikte mit ihren Brüdern und das ist ihre Art dies zu überspielen“, sagt Barbara Weichler, Mitglied der AG Mädchenpolitik. Sie ist es auch, die den Schülern sagt, dass eine Frankfurter Berufsschülerin, die an diesem Tag nicht zwischen ihren Klassenkameraden sitzt, mit ihrer Familie in ihr Herkunftsland Afghanistan abgeschoben werden soll. Dagegen wollen ihre Mitschüler demonstrieren.

Als eine Frau ins Publikum fragt: „Was würdet ihr machen, wenn man euch zwangsverheiraten würdet?“ antworten alle: „Wegrennen.“ Viele wollen wissen, ob Sonita, die durch ihr Musikvideo ein Musikstipendium an einer US-Highschool bekommen hat, nun von ihrer Familie akzeptiert wird. Die Regisseurin sagt: „Sie hat einen guten Kontakt zur Mutter. Sie finanziert die Familie. Seitdem sagen ihre Brüder nichts mehr.“ 45.000 Dollar hat Sonita als Filmpreis gewonnen. Sie ist mittlerweile 21. „Ist sie noch Single?“, will ein Schüler wissen. „Ist sie“, sagt die Regisseurin. Alle lachen.

Ghaemmaghamis Film ist nun für die Independent Spirit Awards nominiert, Preise für Hollywood-unabhängige Filmproduktionen. „Da jetzt Trump Präsident ist, darf ich nicht einreisen“, sagt die Iranerin. „Das ist ironisch, wenn man bedenkt, dass in meinem Film die USA die Rettung für Sonita waren. Mein nächster Film wird über den Trump-Wahnsinn sein.“ Sonita will Jura mit dem Schwerpunkt Menschenrechte studieren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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