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Schulen in Frankfurt Jüdisches Leben erfahren

Grundschüler in Frankfurt nehmen an einer Projektwoche im Museum Judengasse teil, damit sie das Judentum als Teil der Stadt und der Stadtgeschichte kennenlernen.

Schulen in Frankfurt
Noah und Jaron, beide neun Jahre alt, stehen vor einem Chanukka-Leuchter. Foto: Christoph Boeckheler

Die Viertklässler haben Klemmbretter, Papier und Bleistifte in ihren Händen, während sie eigenständig das Museum Judengasse erkunden. Manche Schülerinnen und Schüler aus der 4a der Uhlandschule sind in Kleingruppen auf Entdeckungstour, andere sehen sich die Ausstellung lieber alleine an. Einer davon ist Aryan; er sucht Informationen zu den jüdischen Speisegesetzen, auf Hebräisch Kaschrut genannt. „Was ist denn koscher?“, fragt er sich.

Dass Grundschulklassen im Museum Judengasse zu Gast sind, ist eigentlich eher ungewöhnlich. „Es gibt leider immer noch Vorbehalte von Grundschullehrkräften, hierherzukommen“, sagt Sophie Schmidt vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums. Dabei sei der unbelastete Zugang zum Judentum äußerst wertvoll: „Die Kinder können das Judentum als Teil der Stadt und der Stadtgeschichte kennenlernen, unabhängig vom Nationalsozialismus“, führt Schmidt weiter aus.

Deswegen hat sie zusammen mit der Schauspielerin Verena Specht-Ronique eine neuartige Projektwoche für Grundschulklassen organisiert, finanziert vom Jüdischen Museum. Die Kinder lernen in den ersten drei Tagen auf selbstständigen Erkundungstouren und interaktiv geführten Rundgängen zunächst etwas über das Leben in der historischen Judengasse. Anschließend setzen sie ihre Erfahrungen in eigenen Szenen beim Darstellenden Spiel um.

Ist das Pilotprojekt erfolgreich, möchte das Jüdische Museum die Projektwoche regelmäßig anbieten – neben den zweistündigen Workshops, die das Museum bereits seit längerer Zeit regulär durchführt.

In der Zwischenzeit konnte Aryan mehr über koscheres Essen herausfinden. Er weiß jetzt, dass es unterschiedliches Geschirr für fleischiges und milchiges Essen gibt. Insbesondere die Unterschiede zwischen den Religionen findet Aryan interessant: „Museum klingt erst mal langweilig, aber wenn man selbst reingeht und die Sachen anfasst, macht das Spaß, und man kann viel Neues lernen.“ Auch Max findet sein Thema „spannend“. Er informiert sich mit einem Audioguide über Süßkind Stern, einen einflussreichen Bewohner der Frankfurter Judengasse im 17. Jahrhundert.

Insgesamt machen alle 20 Schülerinnen und Schüler der 4a einen interessierten Eindruck, denn im Museum ist es erstaunlich ruhig. Nicht alltäglich, sagt Sophie Schmidt. Zumal die 4a eine Inklusionsklasse mit sechs Inklusionskindern ist. Nach über zwei Stunden bleibt noch Zeit für ein kurzes Abschlussgespräch.

„Ich finde es schön, dass wir einfach so durchs Museum laufen konnten“, sagt ein Kind. Ein anderes freut sich, endlich einmal den alten jüdischen Friedhof gesehen zu haben: „Ich wollte schon immer wissen, was hinter der Mauer ist.“ Am Donnerstag wird die Projektwoche fortgesetzt, dann aber in den Räumen der Uhlandschule.

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