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Schulen in Frankfurt Eltern klagen über ausfallenden Nachmittagsunterricht

Seit sieben Monaten ist für Viktor-Frankl-Schüler in Frankfurt ab 13 Uhr Schulschluss. Dies ist eine Belastung für die Eltern. Zwei neue Stellen können an der Förderschule nicht besetzt werden.

Die Eltern an der Viktor-Frankl-Schule sind verzweifelt. „Wir können nicht mehr“, sagt Schulelternbeirätin Janet Sabri. Seit sieben Monaten gibt es an der Förderschule keinen Nachmittagsunterricht mehr. Um 13 Uhr ist Schulschluss, und die zum Teil schwerst- und mehrfachbehinderten Kinder müssen nach Hause. „Doch wir Eltern müssen ja arbeiten“, sagt Sabri. Mit Babysittern und Omas und Opas überbrücken sie nun seit Monaten die Nachmittage. „Wenn es um ein Gymnasium gehen würde, an dem der Nachmittagsunterricht so lange ausfällt, dann wäre der Aufschrei groß“, sagt Sabri. „Dann hätte das Staatliche Schulamt schon längst was getan.“

Nach den Sommerferien hat die Schulleiterin den Nachmittagsunterricht an der Schule für körperlich und motorisch behinderte Kinder ausgesetzt. Auslöser war ein Zwischenfall, bei dem ein Kind hatte reanimiert werden müssen. Daraus zog die Schulleiterin Konsequenzen: Sie nahm alle personellen Resourcen aus dem Nachmittag heraus und steckte sie in den Vormittag, damit zu dieser Tageszeit die Beschulung und Betreuung der Kinder gesichert ist, auch bei Notfällen.

Für die Eltern eine nachvollziehbare Reaktion. Auch sie sehen die Sicherheit der Kinder gefährdet, weil es zu wenig Personal gebe, um die Schüler gut zu betreuen. „Die Schülerschaft hat sich sehr verändert“, sagt Sabri. Durch die Inklusion seien nun die leichter behinderten Schüler an den Regelschulen. „Jetzt sind in den Klassen nur noch schwerst- und mehrfachbehinderte Kinder“, sagt Sabri. Schüler, die nicht sprechen, nicht laufen, nicht sehen, nicht hören können, die nicht alleine essen können und immer wieder Krampfanfälle haben – „da ist an Unterricht nicht zu denken.“ Früher sei das gegangen, als nicht alle acht Kinder in der Klasse so pflegebdürftig gewesen seien. Jetzt sei mehr Personal nötig. „Denn die Schüler können lernen – es ist aber sehr aufwendig.“

Für das Staatliche Schulamt ist zumindest formal genügend Personal vorhanden. Aber man habe durchaus erkannt, dass die Viktor-Frankl-Schule eine „besondere Schülerklientel“ habe, sagt Amtsleiter Wolfgang Kreher. Deswegen habe man im vergangenen Schulhalbjahr zwei Erzieherstellen zur Unterstützung geschaffen. Aber diese Möglichkeit habe „nicht gefruchtet“. Grund: Niemand wollte die Stellen haben.

Für Schulelternbeirätin Sabri nicht verwunderlich. „Die Stellen sind auf ein Jahr befristet“, sagt sie. Erzieher würden aber gerade händeringend gesucht. „Sie können sich die Stellen aussuchen – warum sollten sie eine befristete nehmen?“ So blieben die Stellen unbesetzt, „sie helfen also nicht“, sagt Sabri.

Die Stadt Frankfurt will nun einspringen. Die Koalition beantragt, im Haushalt 30 000 Euro für die Einrichtung einer pädagogischen Nachmittagsbetreuung bereitzustellen. Das Geld würde es fürs Schuljahr 2018/2019 geben. Im Staatlichen Schulamt begrüßt das Kreher durchaus. Man sei aber schon dabei, andere Möglichkeiten der Unterstützung zu suchen. Am Freitag besuche das Amt die Schule. „Wir schauen, ob in anderen Bereichen zusätzliche Stellen helfen könnten.“ Doch auch beispielsweise Förderlehrer seien schwer zu bekommen. Und unbefristete Stellen könne er nicht vergeben. „Wir gucken aber, dass wir nach den Ferien eine Lösung hinbekommen.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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