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Schulen in Frankfurt 600 unerfüllt Schulwünsche in Frankfurt

600 Kinder besuchen in Frankfurt im kommenden Schuljahr nicht ihre Wunschschule - ein neuer Rekord. Fassungslosgkeit herrscht bei den Schülern und Eltern. Und es fließen Tränen.

Schulen in Frankfurt
Viel zu wissen, ist schön. Das Wissen um die Zuweisung an nicht gewünschte Schulen aber macht die Schüler und ihre Eltern nicht glücklich. Foto: Felix Kästle (dpa)

Es war dann doch ein Schock für die Mutter im Nordend. Ja, es war klar, dass es passieren kann. Dass die Tochter keinen Platz an der Wunschschule bekommt. Hat ja in den vergangenen Jahren immer rund zehn Prozent der Viertklässler getroffen. Doch als der Bescheid kam, fiel die 45-Jährige dennoch aus allen Wolken: Mit der Elisabethenschule hat es nicht geklappt, mit der Zweitwunschschule auch nicht. Nun soll die Tochter aufs neue Gymnasium am Römerhof gehen. „Das will ich nicht, der Weg ist für eine Zehnjährige viel zu weit“, sagt die Mutter. Denn bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln müsste die Tochter mehrmals umsteigen. 

Seit einer Woche trudeln nun nach und nach die Zu- und Absagen der weiterführenden Schulen bei den Eltern ein. Rund 600 Kinder haben in diesem Jahr keinen Platz an der Wunschschule bekommen, 361 von ihnen im Gymnasialbereich. In der Klasse sei es für die Kinder schlimm, die an ihren Wunschschulen abgewiesen wurden, erzählt ein Zehnjähriger. „Das Mädchen bei uns in der Klasse hat dann geweint.“ Weil die Freundinnen gemeinsam auf die gewünschte Schule gehen dürfen, es selbst aber eine andere Schule besuchen soll. Zugewiesen wurde im Gymnasialbereich an die neuen Schulen. Adorno-Gymnasium, Gymnasium Nord, Gymnasium Römerhof. Darüber hinaus werden Kinder an Kooperative Gesamtschulen geschickt. 

Auch wenn es mit 600 Kindern so viele wie noch nie mit einer Zuweisung getroffen hat – im vergangenen Jahr waren es 544 –, ist der Aufschrei laut Stadtelternbeirat nicht ganz so groß. Bisher hätten rund 30 Eltern angerufen, sagt Silke Deselaers vom Stadtelternbeirat. Aber die Eltern seien über das Prozedere besser informiert als früher, zum Beispiel durch das Infoblatt des Stadtelternbeirats. 

„Trotzdem ist die Situation nicht prickelnd“, sagt Deselaers. „Es sind ja 600 Kinder, die nicht dahin gehen können, wo sie hin wollten.“ Zudem moniert sie den Versand der Bescheide. Sie werden über einen Postdienstleister verschickt, brauchen zum Teil länger als eine Woche, um anzukommen. „Das macht die Kinder mürbe.“

Bei der Hotline des Staatlichen Schulamts gehen derweil zahlreiche Anrufe von Eltern ein. „Deren große Sorge ist in der Regel der lange Schulweg“, sagt Evelin Spyra, die stellvertretende Amtsleiterin. Da müssen Kinder beispielsweise von Fechenheim zum Adorno-Gymnasium in Höchst fahren. Dessen Schulleiter Mathias Koepsell führt derzeit viele Gespräche mit Eltern. Sechs Parallelklassen eröffnet die Schule erstmals im Sommer, 125 der 180 Kindern wurden nach FR-Informationen zugewiesen. 

„Aber viele Eltern gehen nach dem Gespräch beruhigt wieder raus“, sagt Koepsell. Denn den Transport plane man mit ihnen gemeinsam. Klassen würden nach Fahrtwegen gebildet, und derzeit gebe es bereits drei Schulbuslinien. Zudem wird für viele Kinder der Weg nur noch ein Jahr lang weit sein: 2019 zieht die Schule in ein Provisorium auf dem Campus Westend. „Doch viele Eltern sind unsicher, ob das klappt“, sagt Deselaers. Deshalb wollte Koepsell mit einem Baustellenschild auf dem Campus Westend ein Signal setzen, „denn der Umzug kommt“. Er durfte es aus rechtlichen Gründen nicht. 

Wie viele Kinder am Ende wirklich am Adorno ankommen, weiß Koepsell nicht. Ein paar werden nicht abspringen, aber er hat „massenweise Anfragen“ von Eltern, die anderen Schulen zugewiesen wurden. „Wenn es mit der gewünschten Schule nicht geklappt hat, dann werden wir plötzlich interessant.“ Allerdings ist seine Schule nun voll, und eine Warteliste führt er nicht. 
Zuweisungen hat es auch am seit 2016 bestehenden Gymnasium Nord gegeben. Erstmals wird ein Jahrgang achtzügig sein. Mit 240 Schülern – etwa 200 haben die Schule auch gewählt. Im vorigen Jahr hatte es nur rund 60 Anmeldungen gegeben. „Die Steigerung ist enorm“, sagt Deselaers. „Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht genügend Schulen dort sind, wo sie gebraucht werden.“ In der Stadt werde weiterhin ein Mangel verwaltet, und 2019 seien wieder mehr Schüler im Übergang. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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