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Schulen Endlich ein Plan

Heute Abend entscheidet das Stadtparlament über die schulische Zukunft Frankfurts. Das Bildungsdezernat legt seinen neuen Plan für die Bildungslandschaft der Stadt vor. Zehn neue Schulen sollen gegründet werden.

Raumnot in der Elisabethenschule: Spanischunterricht bei Ina Simon. Foto: Monika Müller

Er stand schon in der Kritik, bevor er überhaupt ein einziges Wort enthielt, der neue Schulentwicklungsplan (SEP). Und genau das kritisierten Eltern, Lehrer, Schüler, Opposition: Da war kein Plan. Jahrelang forderten sie einen SEP, der langfristig festlegt, welche Schulformen in welcher Größenordnung benötigt werden. Der jüngste Plan für Frankfurt mit seinen rasant wachsenden Schülerzahlen stammt von 2007 – und das Schulgesetz empfiehlt eine Überprüfung und – „soweit es erforderlich ist“ – Fortschreibung nach fünf Jahren.

Dass der neue Plan überfällig ist, wird die Opposition nicht müde zu betonen. Am heutigen Donnerstag soll der Schulentwicklungsplan in der Stadtverordnetenversammlung beraten und verabschiedet werden. Aber dass etwa Gymnasialplätze fehlen, das hätte möglicherweise mit einem früheren SEP vermieden werden können, meinen die Sozialdemokraten. Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) sagte aber immer wieder, sie wolle einen SEP nicht schnell vorlegen, sondern gründlich diskutieren.

Einmalig in Deutschland

Und so kam es dann auch. Sorge initiierte ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren. – etwas, das es so für einen Schulentwicklungsplan in Deutschland noch nicht gegeben hat. Statt ein paar Menschen in Amtsstuben diskutierten Hunderte Lehrer, Schüler, Eltern, Politiker und Vertreter von Ämtern, Verbänden und freien Trägern in „Werkstätten“ über die Zukunft der Schullandschaft. Die Ergebnisse ließ ein externes Institut in den SEP-Entwurf einfließen. Im März lag Sorges ausgereifter Plan dann vor, wenn auch später als von ihr angekündigt.

Beim ersten Blick in das 470 Seiten starke Werk freuten sich alle Beteiligten auch – erstmal. Sie fanden vieles wieder, was sie diskutiert hatten. Ideen, wie Bildungsqualität und Bildungschancen verbessert werden können. Beispielsweise, wie der Übergang an eine weiterführende Schule besser gelingen kann, damit die Schüler von Anfang an in den für sie passenden Bildungsgang kommen und Bildungsabstiege vermieden werden.

Doch dann ist da noch die klassische Aufgabe des SEP: Schulplanung. Welche Schulen sollen geschlossen, welche umgewandelt werden? Was für neue Schulen braucht die Stadt? Bereits ohne den neuen SEP wurden ein neues Gymnasium in Nied und eine Oberstufe im Gallus beschlossen. Nach dem neuen Plan werden nun die Hauptschulen abgewickelt, zehn neue Schulen sind vorgesehen. „So viele neue Schulen hat es noch nie in einem SEP gegeben“, freut sich Sorge.

Aber für viele sind es nicht genug. Der Stadtelternbeirat warnt vor „dramatischen Kapazitätsengpässen“. Bei der steigenden Kinderzahl würde es nicht nur am Gymnasium eng werden, sondern auch in anderen Schulformen. Von den Fraktionen in Ortsbeiräten und im Römer hagelt es ebenfalls Kritik, kommt ein Antrag zur Verbesserung nach dem anderen: eine weitere Oberstufe für den Norden, eine für Fechenheim, eine für die geplante IGS Süd. Und immer wieder wird die Frage gestellt, wie das eigentlich finanziert werden soll – und wo diese Schulen stehen sollen. Denn Auskunft über Standorte der meisten Schulen gibt der SEP nicht.

„Lernen in der Lärmhölle“

Das reichte Sorge erst Ende vergangener Woche nach. Zum Teil. Und die Opposition hakte sogleich nach. Die SPD Niederrad moniert den vorläufigen Standort der neuen Kooperativen Gesamtschule in Niederrad: Das Grundstück liege innerhalb der Lärmschutzzone 2 des Flughafens, in der keine Schulen gebaut werden dürften. Den Schülern drohe „Lernen in der Lärmhölle“.

Bei der Finanzierung verweist Sorge stets darauf, dass es zwar Hunderte Millionen Euro kosten werde, aber „wir müssen diese Plätze anbieten und daher Geld im Haushalt zur Verfügung stellen“. Es werde überlegt, wie die Planungs- und Bauabläufe optimiert werden können. Um zumindest Zeit zu sparen, sollen einige Schulen in Holzmodulbauweise errichtet werden.

Der SEP wird die Entwicklung der nächsten fünf Jahre in der Frankfurter Schullandschaft bestimmen. Vorausgesetzt die Stadtverordneten beschließen ihn heute Abend und das Kultusministerium genehmigt ihn dann.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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