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Schulbaumesse in Frankfurt Schule der Zukunft

Frontalunterricht und Flure gelten auf der ersten Frankfurter Schulbaumesse als überholt. In der Jahrhunderthalle ist stattdessen die Rede von Clustern, Lernlandschaften und Rückzugsräumen.

Schulbaumesse
Schallschluckender Filz – auf der Messe in der Jahrhunderthalle werden Produkte für den Schulbau präsentiert. Foto: Rolf Oeser

Es geht auch irgendwie um Abschied. Zumindest spricht Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Mittwoch bei der Eröffnung der ersten Frankfurter Schulbaumesse in der Jahrhunderthalle davon. Vom „Abschied von Flurschulen“. Denn der moderne Schulbau rückt ab von der traditionellen Schule mit langen Fluren, von denen rechts und links Klassenzimmer abgehen. Sagt auch Peter Bitsch, Vizepräsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. „Frontalunterricht und Flure sind nicht mehr zeitgemäß.“ Die Gesellschaft habe sich geändert, die pädagogischen Konzepte gewandelt, da gebe es auch einen neuen Anspruch an die Architektur.

Wie das Zusammenspiel von Architektur und Pädagogik aussehen kann, darüber wird unter anderem auf der Schulbaumesse noch bis zum heutigen Donnerstagabend gesprochen. Es gibt Vorträge und Diskussionen, wie die Schule der Zukunft aussehen kann. Architekten, Pädagogen, Fachplaner, Eltern und Vertreter von Behörden sind gekommen und hören von Schülern, die sich ihr Wissen alleine oder in Teams aneignen. Von Clustern, Lernlandschaften und Rückzugsräumen. „Es ist ein anders organisiertes Lernen“, sagt Schulbauberater Egon Tegge. Lehrer würden das Lernen begleiten und moderieren. „Das setzt andere Räumlichkeiten und Möblierungen voraus.“

In offenen Lernlandschaften können Schüler etwa zum gleichen Zeitpunkt verschiedene Sachen machen, in ihrem eigenen Tempo beim Lernen vorankommen. „Die Kinder sitzen auf dem Tisch, liegen auf dem Boden, und die Lehrkräfte gehen herum und sind für sie da“, beschreibt es Tegge für ein Gymnasium in Oettingen, für das ein Industriebau entkernt wurde und wo nun vier Klassen auf einer Ebene in einer solchen Lernlandschaft arbeiten.

Spielgeräte auf Schuldächern

Mit derartigen neuen Konzepten in alten Baustrukturen zu arbeiten hält Monika Ripperger vom Frankfurter Stadtschulamt für schwierig. Die akustische Situation sei in solchen Gebäuden ungeeignet, es gebe keine Teamräume. Einige Schulen in Frankfurt machten sich aber mit offenen Konzepten in schlechten Räumen auf den Weg. „Da ist es eine große Chance, dass wir in Frankfurt an die 20 neue Schulen bauen müssen.“ Wobei die Stadt nicht Lernlandschaften als Zukunftsmodell für jede Schule sieht. „Es kommt immer auf das Konzept der Schulen an.“

Und klar, auf so einer Messe gibt es auch Anbieter. 60 Aussteller präsentieren Produkte, die beim Bauen von Schulen von Interesse sind. Es geht um Akustikdecken, Bodenbeläge aus Kautschuk oder Mineralien, um eine Freispülautomatik für Toiletten, Waschbecken und Duschen. Oder eben um die Möblierung von Lernlandschaften. „Die Schulen wollen ihre Räume flexibel haben“, sagt Dirk Poller von der Firma Project. Polsterecken, Trennwände, mobile Schranksysteme, Schülerarbeitsplätze. Liegelandschaften – „aber alles kann weggefahren werden“.

Es geht nicht nur um Innenräume. Die Berliner Seilfabrik bietet Spielgeräte an, die auf Dächern installiert werden können. Auf Schulen etwa. „Das wird immer mehr kommen“, sagt Reimont Schmidt. Grund und Boden sei in den Städten kaum mehr da. „Aber auf dem Dach, da gibt es noch ungenutzte Fläche.“

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