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Schützentag in Frankfurt Rund 6000 Teilnehmer bei Festumzug

Der festliche Umzug mit rund 6000 Schützen war der Höhepunkt des Deutschen Schützentags in Frankfurt.

60. Deutscher Schützentag
Der zehnjährige Justus (2.v.r.) steht in Frankfurt am Ende des Festumzugs beim 60. Deutschen Schützentag mit den Schützen der Kurhessischen Bürgergarde aus Kirchhain auf dem Römerberg. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Als sich der Festumzug in Bewegung setzt, ertönen Trommelwirbel und Blasmusik. Ein Raunen geht durch die Menge von Schaulustigen, die sich am Samstagmittag um den Opernplatz versammelt hat. Bis zum Römerberg marschieren 170 Schützenvereine und 22 Musikgruppen aus ganz Deutschland – zwar ohne Waffen, dafür aber in traditioneller Tracht.

Bei Sonnenschein stehen unzählige Menschen auf den Straßen in der Innenstadt Spalier. Ein älterer Mann klatscht und winkt aufgeregt, ein anderer lehnt mit ungläubiger Miene gegen sein Fahrrad. „Was machen die denn hier?“, fragt eine Frau. „Das steht doch da oben auf dem Schild“, erwidert ihre Begleiterin und fuchtelt mit dem Arm: „60. Deutscher Schützentag“.

Tatsächlich hängt ein entsprechendes Banner an der Braubachstraße. Dahinter, auf dem Römerberg, treffen immer mehr Schützen ein. „Für unsere Außendarstellung ist das wichtig“, sagt der Landessportleiter des gastgebenden Hessischen Schützenverbands, Otmar Martin, „denn unser Sport wird nicht überall gerne gesehen.“ Daher freue er sich, dass das Fernsehen vor Ort ist.

Der Hessische Rundfunk überträgt den Umzug nämlich live. Auf der Bühne vor dem Römer kommentiert der Moderator den feierlichen Einzug der Gruppen. „So, wen haben wir hier?“, fragt er fast ein bisschen zu interessiert. „Die Nummer 22: den Musikverein Untertheres. Schön, dass ihr dabei seid!“ Untertheres ist ein Ortsteil der unterfränkischen Gemeinde Theres im Landkreis Haßberge.

Es ist sicher nicht die kleinste vertretene Provinz. Aus allen 20 Landesverbänden sind Schützen am Wochenende nach Frankfurt gekommen. Die Anzahl der Verbände gibt Aufschluss über die Tradition des Schützenwesens, denn die 16 Länder der Bundesrepublik entstanden erst später. Es ist auch der Grund, dass eine Frau aus dem Südbadischen Sportschützenverband neue Bundesschützenkönigin werden konnte. Aber dazu später mehr.

Ortswechsel. Freitagabend in der Paulskirche: Beim Festakt zum 60. Deutschen Schützentag erklärt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dass gerade die Schützen eine ganz besondere Beziehung zur Paulskirche und zur Geburtsstunde der deutschen Demokratie pflegten. So hätten sie im 19. Jahrhundert großen Anteil an der freiheitlich-liberalen Nationalbewegung gehabt. „Die Bürgerwehren haben die Parlamentarier während der Frankfurter Nationalversammlung 1848 beim Einzug in die Paulskirche beschützt“, sagt das Stadtoberhaupt.

Ein paar Stunden später: Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften zelebriert auf dem Römerberg den Großen Zapfenstreich – es ist die offizielle Eröffnung des Schützentags. Beleuchtet von Fackeln überbringt eine traditionell gekleidete Ehrenkompanie einen musikalischen Gruß. Den Zapfenstreich gibt es nur zu großen Ehrentagen, zuletzt 2001 in Wiesbaden.

Zurück beim Festumzug. Die Gepflogenheiten des Schützenwesens sind bei weitem nicht allen Frankfurtern bekannt. Ob es daran liegt, dass Frankfurt ohnehin nicht zu den hessischen Hochburgen zählt? Jedenfalls will eine Festbesucherin gesehen haben, wie manche Schaulustige die vorbeiziehenden Schützen mit einem inbrünstigen „Helau!“ begrüßt haben. Zugegeben: Manche Trachten gleichen eher Narrenkostümen. Trotzdem grüßt man die Schützen mit einem dreifachen „Gut Schuss“ – selbst wenn sie ihre Waffen gar nicht bei sich tragen.

Nachdem alle Schützen auf dem Römerberg eingetroffen sind, kommt es zur symbolischen Bannerübergabe. Immer zwei Jahre lang bewahrt der Ausrichter des Deutschen Schützentags das Bundesbanner des Deutschen Schützenbunds auf. Und so übergibt der Sportstaatsrat der zuletzt gastgebenden Freien Hansestadt Hamburg, Christoph Holstein, das Banner an OB Feldmann. In zwei Jahren reicht er – oder ein Auserwählter – es an die Stadt Wernigerode in Sachsen-Anhalt weiter, wo im April 2019 der 61. Schützentag stattfinden wird.

Tradition, Brauchtum und Spitzensport

Noch mal ein Blick zurück: Das Bundesbanner wurde erstmals 1862 auf dem Roßmarkt seiner Bestimmung übergeben. Damals fand dort mit 8000 Teilnehmern das erste Bundesschießen als Vorläufer des Schützentags statt. „Das ist eine Demonstration des deutschen Schützenwesens“, ruft der auf dem Schützentag neu gewählte Bundespräsident Hans-Heinrich von Schönfels ins Mikrofon.

Der Schützenbund, so erklärt er, lege großen Wert darauf, den Spagat hinzubekommen zwischen Tradition, Brauchtum und Spitzensport.

In der Öffentlichkeit rückt selbst dieser Spitzensport nur alle vier Jahre in den Fokus, wenn die Sportschützen traditionell die ersten Medaillen bei Olympischen Sommerspielen für Deutschland holen. Etwa Christian Reitz. 2016 gewann er bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Gold mit der Schnellfeuerpistole. Für das Geburtstagskind, das am Samstag 30 Jahre alt wurde, stimmt der ganze Römerberg „Happy Birthday“ an.

Geschossen wurde nicht nur in Rio, sondern auch am Samstagmorgen im Landesleistungszentrum des Hessischen Schützenverbands in Schwanheim. Dort ermittelten die Schützen ihre Bundessieger mit dem Luftgewehr auf zehn Meter entfernte Scheiben. Und so kommt nach der Bannerübergabe die Proklamation der neuen Titelträger (siebe nebenstehender Text).

Zum Schluss rückt auf dem Römerberg dann wieder die Tradition in den Fokus. Die Blaskapelle des Hessischen Schützenverbands stimmt die deutsche Nationalhymne an. Und Tausende Schützen singen inbrünstig mit: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“.

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