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Schülerprojekt Unerhörte Falschmeldungen

Nordend-Schüler der IGS entdecken das Medium Radio für einen Wettbewerb wieder.

Schüler produzieren heiße News in Ton. Foto: Andreas Arnold

Und nun… die Nachrichten: Israel und Palästina vereinigen sich zu Paläsrael. Karl-Theodor zu Guttenberg kommt als Barbiepuppe in die Läden. Das Bumbum-Virus, das den Körper zum Explodieren bringt, findet sich in den Produkten einer Fastfood-Kette. Ein Meteorit rast auf die Erde zu.

Das ist natürlich alles nicht wahr. Hat der Leser sicher gemerkt. Doch diese „Nachrichten“ sind Teil eines Radiobeitrags von Zehntklässlern der IGS Nordend. Sie haben sich diese Falschmeldungen beim Projekt der Stiftung Zuhören „Hessen hören – so klingt meine Welt!“ ausgedacht. Dabei können Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren ihre Lebenswelt akustisch darstellen.

In ganz Hessen basteln Jugendliche derzeit an fünfminütigen Radiobeiträgen. Drei Tage haben sie dafür Zeit, beim Hessentag in Oberursel im Juni werden die Ergebnisse präsentiert. „Überall ist Web 2.0 ein großes Thema“, sagt Medienpädagogin Alia Pagin, die die Nordend-Schüler bei deren Beitrag unterstützt. „Aber Radio geht dabei immer mehr unter.“ Höchstens noch für Musik werde es angestellt, schließlich würden alle Medien immer visueller werden. „Es wird sich gar nicht mehr bemüht, ein Bild im Kopf entstehen zu lassen.“

Bei dem Projekt, das unter anderem in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk durchgeführt wird, sollen die Jugendlichen wieder an Radio als Informations- und Unterhaltungsmedium herangeführt werden. Weshalb sie Beiträge über ihre eigene Interessen erstellen sollen. Ob es dabei um soziale Netzwerke, Mobbing oder Liebe geht, bleibt den Schülern überlassen. „Die Erfahrung, das selber zu schreiben, zu sprechen und zu schneiden“, sagt Pagin, „lässt sie das Medium später anders nutzen.“

In der IGS entscheiden sich zwölf Jugendliche für das Thema Weltuntergang. Die Idee dazu hatte David Siebenlist. Der 16-Jährige hat zwei Filme über die US-Radiosendung gesehen, in der ein Hörspiel über den Angriff Außerirdischer in den 30er Jahren Massenpanik auslöste. Er findet es cool, dass man im Radio „anderen einen Schrecken einjagen konnte. Das wollen wir nun auch tun.“

Eine Nachrichtensendung wollen die Jugendlichen persiflieren, in der unter anderem ein Meteoritenangriff gemeldet wird – der sich zum Schluss als Fettfleck auf einem Teleskop herausstellt. Doch zunächst müssen sich die Schüler erstmal im Nachrichtenschreiben beweisen.

Gar nicht so einfach, finden Hanna Möbus und Xenia Ratnayake. Die beiden 15-Jährigen basteln an einem Text über zu Guttenberg, der seine Flitterwochen in Kabul verbringt – ein Seitenhieb auf die Talkshow mit dem Verteidigungsminister aus Afghanistan im Dezember. „Da saß er da wie ein Hollywoodstar: gegelte Haare, chillig, Sonnenbrille“, empört sich Xenia. „Und das in einem Gebiet, in dem Soldaten sterben.“

Deshalb bekommt der Minister in der Nachrichten-Satire sein Fett reichlich weg. Doch beim Probe-Lesen läuft es dann für alle Schüler nicht wirklich rund. „Ihr müsst noch an eurer Betonung arbeiten, ihr nuschelt zu viel“, kritisiert Pagin. Ist eben nicht so einfach, einen Radiobeitrag ganz alleine zu stemmen. Das merken jetzt alle. Doch Übung macht den Meister. Und nun… das Wetter.

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