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Schirn in Franfurt Nachts durch die Ausstellung

Ronald Kammer, Technischer Direktor der Frankfurter Schirn, spricht über die Anfänge der Kunsthalle.

Museen in Frankfurt
Er ist seit Anbeginn dabei: Ronald Kammer. Foto: Christoph Boeckheler

Alles beginnt mit einer Anzeige in der Frankfurter Rundschau. Es muss im Oktober 1985 gewesen sein. Die neue Kunsthalle Schirn, die in der Altstadt von Frankfurt am Main bald eröffnet werden soll, sucht einen Technischen Direktor. Ronald Kammer beschließt, sich zu melden. Eigentlich ist der gebürtige Frankfurter ja Heizungsbaumeister. Aber er besitzt ein besonderes Faible für die Kunst. 

Kammer wird angestellt. In seinem kleinen Büro, bei einer Tasse Kaffee, versucht der heute 63-Jährige die Aufbruchstimmung zu beschreiben, die seinerzeit in der Stadt geherrscht habe. „Der Zeitgeist hieß damals ,Kultur für alle‘, das kam von Kulturdezernent Hoffmann.“ Die Kunsthalle Schirn gehörte zudem zu einer neu gegründeten städtischen Kulturgesellschaft, in die auch das Theater am Turm (TAT) und das geplante Künstlerhaus Mousonturm eingegliedert werden. 

„Diese Selbstständigkeit hat mich gereizt“, sagt Kammer unumwunden. Niemand redet dem kleinen Gründungs-Team der Schirn rein. Nach der Eröffnung am 28. Februar 1986 legen sie los. „Wir haben fünf Jahre gebraucht, bis wir eine gewisse Routine hatten.“ Bald ist klar, dass der Direktor, der Schweizer Kunsthistoriker Christoph Vitali, auf eigenes Profil setzt. „Schon die erste Ausstellung war ein großer Erfolg.“ Unter dem Titel „Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert“ werden Werke versammelt von Pablo Picasso bis Edvard Munch, von Fernand Léger bis Robert Wilson. 

Und Ronald, genannt „Ronny“ Kammer, ist der Mann, der das alles technisch ermöglicht. Bis heute hat diese Arbeit für ihn nichts an Faszination eingebüßt. „Das Schöne daran ist, so selbstverständlich mit der Kunst zu leben.“ Manchmal streift er nachts, wenn alle längst gegangen sind, durch die Ausstellungen. „Ich kann ja jederzeit durch, immer“, lacht er. 

Kammer selbst liebt den Maler Paul Klee sehr, der mit seinen unzähligen, oft sehr kleinformatigen Bildern eine ganz eigene Welt geschaffen hat, „in gewisser Weise auch sehr deutsch“. Als „besonders anstrengend“ empfand er die Retrospektive des US-Videokünstlers Bill Viola, weil nur wenig Zeit für den Aufbau einer komplexen Ausstellung geblieben sei. Anfangs, mit Christoph Vitali, habe es noch „viele Inszenierungen“ von Kunst gegeben, mit dem jungen Direktor Max Hollein ab 2001 „nur noch Teil-Inszenierungen“. 

Kammer hat gute Arbeitsbedingungen bis heute verteidigt. Er kann in der Kunsthalle noch immer „schreinern und schlossern“ lassen. 

Wenn es ernst wird mit dem Aufbau einer Ausstellung, besteht das Team aus maximal 20 Mitgliedern, mehr schade nur. Er erinnert sich noch, dass er in den ersten Jahren nach der Eröffnung stets „völlig platt“ war. „Aber ich kam immer durch.“  

Männer wie „Ronny“ Kammer sind die stillen Helden der Kulturstadt Frankfurt. Anfang Oktober muss der Technische Leiter des Hauses seine geliebte Arbeit loslassen, der Ruhestand wartet. Schwer vorzustellen. 

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