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„Schauspielhaus-Gespräche“ Zurück zum Haus von 1902

Im „Frankfurter Hof“ beginnen die ersten „Schauspielhaus-Gespräche“. Eingeladen hat die „Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt“.

Schauspielhaus
So sah es damals aus: das Schauspielhaus Frankfurt rund um das Jahr 1910. Foto: Ursula Seitz/Institut für Stadtgeschichte

Das Publikum im gut gefüllten Salon 15 des „Frankfurter Hofs“ wirkt im kristalllüsternen Dämmerlicht, das von grünen Vorhängen geschluckt wird, ein wenig wie FDP-Kreisparteitag in der Satanisten-Loge. Das täuscht. Hier beginnen am späten Sonntagnachmittag die ersten „Schauspielhaus-Gespräche im Frankfurter Hof“. Eingeladen hat die „Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt“.

Bei der, so erläutert Constantin Graf von Plettenberg, handele es sich um eine Art Großbürgerinitiative aus „Bankern, Rechtsanwälten, Marketing-Fachleuten“ und so, die sich erst vor Kurzem gegründet habe. Ihr Ziel: Wenn die marode „Theaterdoppelanlage“ am sogenannten Willy-Brandt-Platz ohnehin für teuer Geld saniert oder neu gebaut werden müsse, warum dann nicht gleich den guten alten Seeling-Bau, die Neorenaissance-Perle von 1902, rekonstruieren? Und das pottscheußliche 63er-Glas-und Beton-Monster abreißen?

Neulich sei er mal gefragt worden, ob diese Idee nicht „rückwärtsgewandt“ sei, sagt der Graf. „Rückwärtsgewandt?“ Dann sei auch ein Beethoven-Klavierkonzert rückwärtsgewandt. Oder eine Dürer-Ausstellung. Der Graf demonstriert in einer Dia-Show, wie’s früher einmal war, erklärt Mies van der Rohe für tot und übergibt unter dem Applaus des Publikums das Wort an „den Berliner Schloss-Initiator“ Wilhelm von Boddien.

„Wir müssen es mit Krämerseelen aufnehmen“, das ist für von Boddien klar. Der Initiator des „Fördervereins Berliner Schloss“, weiß, dass am Main noch ein steiniger Weg vor der Aktionsgemeinschaft liegen könnte. Das alte Schauspielhaus sei „ein in der Bevölkerung noch unterzubringendes Objekt“, wenn auch nicht zur Gänze, denn die finanziellen Aspekte sollten vorerst besser „im Hintergrund in kleinen Zirkeln“ diskutiert werden, wo man von sowas was verstehe. Von Boddien warnt vor Beckmessern, die lieber „Kitas, Wohnungen und Suppenküchen“ für das schöne Geld bauen wollten. Aber „eine Suppenküche ist kein Leuchtturm“, mahnt von Boddien, also kein kultureller, vielleicht ein kulinarischer. Aber kulturelle Leuchttürme täten not.

Wie aber bringt man den Leuchtturm in der Bevölkerung unter? Erstens, sagt von Boddien, müsse man am hässlichen aktuellen Schauspielhaus ein Poster mit dem schönen alten aufhängen. Aber maßstabsgetreu, „sonst reicht das Abstraktionsvermögen nicht aus“. Was Ähnliches habe in Berlin auch funktioniert. Zweitens: „In der Politik fegt man die Treppe von oben nach unten.“ Was auf Frankfodderisch wohl heißt: Der Pförtner im Römer ist ein guter Freund, der OB ein besserer. Drittens: Nicht die Spendenbereitschaft des Plebs verachten. Auch wenn es nach seiner Erfahrung im Spendengeschäft so laufe „wie bei der Einkommensteuer: 20 Prozent zahlen 80 Prozent der Aufwendungen, 80 Prozent 20.“

Aber einst habe ihm in Berlin mal ein bettelarmes Großmütterchen 50 Euro gespendet, und da habe er geheult wie ein Schlosshund.

Die Gespräche werden fortgesetzt.

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