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Sauberes Frankfurt Trotz Pöbeleien für Sauberkeit sorgen

Iris Leibkutsch macht Bockenheim sauberer. An ihrer Seite ist Border-Terrierin Motte. Doch nicht jeder findet das Engagement der Frau ehrenwert.

Müll
Mancher Zeitgenosse lässt seinen Müll einfach liegen. (Symbolfoto) Foto: Rolf Oeser

Für Iris Leibkutsch ist der Gang mit Hündin Motte mehr als nur Gassi gehen. Die 51 Jahre alte Frau aus Frankfurt Bockenheim ist Sauberkeitspatin der Frankfurter Entsorgungsgesellschaft FES und verbindet die Zeit im Freien mit ihrer Border-Terrier-Dame auch gleichzeitig mit ihrem ehrenamtlichen Engagement. Mit Handschuhen, Greifzange und Plastiktüte sorgt Leibkutsch für etwas mehr Reinlichkeit auf einem Grünstreifen an der Zeppelinallee.

„Es ist traurig, wie viele Menschen ihren Müll einfach unbedacht wegwerfen“, sagt die 51-Jährige. Die Grünanlage in Bockenheim erstreckt sich rund um den Spielplatz an der Zeppelinstraße. Besonders an den Parkbänken sammelt sich der Unrat. „Obwohl die Mülleimer direkt daneben stehen, werfen die Leute ihren Müll einfach auf den Boden“, erzählt Leibkutsch und schüttelt den Kopf.

Wenn sie mit Motte dann vorbeikommt und den zurückgelassenen Müll der anderen einsammelt, werde sie oftmals dumm angeschaut. „Ich habe dann immer das Bedürfnis mich erklären zu müssen.“ Dabei sei ihre Arbeit und die der anderen rund 170 Paten unerlässlich, um das Erscheinungsbild von Frankfurt aufzuwerten, so die FES. Doch manchmal wirkt es, wie ein nie enden wollender Kampf.

Ein besonderer Dorn im blaugrauen Auge von Iris Leibkutsch sind die Hundehaufen auf dem Grünstreifen. „Das ärgert mich am meisten, weil ich ja auch Hundebesitzerin bin.“ Manchmal gebe sie den Leuten dann eine Tüte, damit sie die Tretminen selbst entsorgen, aber nur wenige zeigen sich einsichtig, geschweige denn lernfähig. Unterkriegen lassen will sich die Inneneinrichterin davon aber nicht. Seit mehr als sechs Jahren ist sie bereits als Sauberkeitspatin unterwegs. „Man muss ein bisschen was tun, sonst wird es nicht besser.“

Leibkutsch: Junge Leute fallen negativ auf

Dass die Bockenheimerin überhaupt zur Patin wurde, verdankt Frankfurt dem Oskar. Im Magazin der FES mit dem Namen „Oskar“ las sie von der Aktion und meldete sich freiwillig. Als Starter-Set gab es Handschuhe, den Müllgreifer und Plastiksäcke. Aber was war die eigentliche Intention? „Ich wollte gern etwas Freiwilliges tun. Außerdem hat mich der Müll dort immer so geärgert“, erzählt die 51-Jährige. Und so macht sie sich zweimal pro Woche für 20 Minuten mit Motte auf den Weg zur Grünanlage an der Zeppelinstraße. Vorrangig Bierflaschen, Zigarettenschachteln, Kippen und Verpackung findet sie dann auf dem Boden. Und eben die vielen zurückgelassenen Hundehaufen, die Leibkutsch so sehr ärgern.

„Besonders junge Leute fallen negativ auf“, berichtet sie. Immer wieder sitzen die Heranwachsenden auf oder rund um den Spielplatz. „Ich habe nichts dagegen, dass sie dort sitzen. Aber müssen sie ihre Zigaretten dann dort hinwerfen?“ Und weil Iris Leibkutsch nicht der Typ Frau ist, der still vorbei geht, spreche sie die Jugendlichen darauf an. Sehr oft werde sie dann angepöbelt. Die Leute hätten kein Verständnis für ihre Einwände. Würden lieber Sprüche klopfen, statt sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. „Leider versuche ich die Leute immer zu erziehen“, sagt sie und weiß um die oftmals vergebene Mühe. Doch aufgeben werde sie niemals, auch nicht das wöchentliche Sammeln.

Wenn sie ihre Runde mit Motte beendet hat, ist in der Regel eine ganze Plastiktüte zusammengekommen. Den Inhalt entsorgt sie im Mülleimer, die Tüte am liebsten separat. „Es gibt Gegenden, wo es ganz schlimm ist“, relativiert die Inneneinrichterin. Bockenheim ginge da noch. Gerade in Gesprächen mit anderen Sauberkeitspaten bekommt sie einen Eindruck von den Ausmaßen der Verschmutzung. „Es gibt einige Paten, die haben am Ende mehrere Säcke voll.“ So schlimm soll es in der Grünanlage an der Zeppelinstraße nie werden. Deswegen dreht Leibkutsch weiter ihre Runden, allen Pöbeleien und Blicken zum Trotz. „Ich nenne es manchmal gerne ,meinen Park‘“, sagt sie und lächelt.

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