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Salafisten in Frankfurt Pierre Vogel predigt im Einkaufszentrum

Die salafistische Szene sorgt auch in Frankfurt immer wieder für Aufsehen. Erst am vergangenen Wochenende kommt es wegen eines geplanten Szene-Treffens zu einem größeren Polizeieinsatz. Auch Salafistenprediger Pierre Vogel wird mal wieder in der Stadt gesichtet.

Salafist Pierre Vogel (Mitte) während eines Auftritts in Frankfurt im Jahr 2011. Foto: dpa

Der junge Mann reckt seinen Zeigefinger in die Luft, ernst blickt er in die Kamera. „Pierre Vogel ist ein Mensch, der die Wahrheit ausspricht“, sagt er. „Und die Leute fürchten so was, weil die Leute wollen das hören, was in den Medien zusammengesetzt wird.“ Hinter ihm, mit einem feixenden Grinsen, steht Pierre Vogel selbst. Später wird der Salafistenprediger den Arm um den Jugendlichen und seinen Kumpel legen, ihnen empfehlen, sich auf den Pfad der Tugend und des Gebets zu begeben. „Der, der von Sünden zurückkehrt, ist wie derjenige, der keine Sünde gemacht hat“, sagt Vogel. „Wir machen alle Fehler, vielleicht seid ihr bei Allah besser als ich.“

Die Szene im Einkaufszentrum MyZeil, die in einem Video auf Vogels Facebook-Seite zu sehen ist, hat sich am vergangenen Wochenende abgespielt. Allem Anschein nach war der Salafist, der im Rheinland lebt, aber enge Kontakte ins Rhein-Main-Gebiet unterhält, mal wieder in Frankfurt unterwegs. Und wie das Video zeigt, hat er sich dabei erneut in seiner Lieblingsrolle inszeniert: Als Kümmerer und islamischer Straßensozialarbeiter, der Jugendlichen aus prekären Verhältnissen dabei hilft, ein gottgefälliges Leben zu führen.

Es ist schon eine Weile her, dass derartige Aktionen von Salafisten öffentliches Aufsehen in Frankfurt erregt haben. Doch am vergangenen Wochenende, als Pierre Vogel sich auf der Zeil filmen ließ, sorgte die Szene mal wieder für einen größeren Polizeieinsatz: Die Beamten fuhren am Rebstockgelände auf, weil sich dort eine Gruppe von Szeneanhängern zum Grillen treffen wollte. Mehr als 30 Männer im Alter zwischen 15 und 39 Jahren, alle aus dem Rhein-Main-Gebiet und viele von ihnen einschlägig bekannt, bekamen Platzverweise. Mehrere Handys wurden beschlagnahmt, weil sich darauf strafbare Inhalte fanden.

Obwohl solche Treffen unter freiem Himmel, bei denen nach dem Essen Predigten gehalten werden, eher harmlos wirken, sind sie den Sicherheitsbehörden ein Dorn im Auge: Sie befürchten, dass junge Leute auf solchen Treffen gezielt radikalisiert werden. Auch wenn Prediger wie Pierre Vogel sich öffentlich von jeder Gewaltanwendung distanzieren, soll in der Vergangenheit auf ähnlichen Veranstaltungen sogar für den bewaffneten Kampf geworben worden sein. Vor knapp zwei Jahren herrschte in Hessen große Aufregung, weil eine Reihe junger Männer aus der Region nach Syrien gegangen war, um sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen – sie alle waren vorher in die salafistische Szene verstrickt. Und die Ausreisen in Kriegsgebiete gibt es weiterhin.

Weniger Koranverteiler

Die bekannteste salafistische Gruppierung in Frankfurt, die Koran-Verteilaktion „Lies“, ist in den letzten Monaten weniger aktiv gewesen. Eine Zeitlang stand die Gruppe um den Frankfurter Bilal G. fast jede Woche auf der Zeil, um deutsche Übersetzungen des Koran zu verschenken und für ihre fundamentalistische Auslegung des Islam zu werben.

Die Häufigkeit der Auftritte von „Lies“ seien „in der Tendenz stark gesunken“, wie ein Sprecher des Ordnungsamts der Frankfurter Rundschau bestätigte. Die Stadtpolizei behalte die Aktivitäten der Gruppe dennoch im Auge. Bilal G., früher Teil einer Jugendbande aus Sossenheim, ist sowieso weiter im Dienst seiner Sache unterwegs: Immer wieder tritt er als Unterstützer des Kölner Predigers Ibrahim Abou-Nagie auf, der die „Lies“-Aktion erfunden hat. Außerdem dreht G. Videos, in denen er sich mit Szeneangehörigen darüber unterhält, wie sie zu dem gefunden haben, was G. „die Wahrheit“ nennt – zur salafistischen Spielart des Islam.

Bei der Frankfurter Polizei, die zur Beobachtung der Szene eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet hat, heißt es, die Sicherheitslage sei „gleichbleibend angespannt“. Dass die Propaganda-aktionen der „Lies“-Gruppe abgenommen hätten, sei auf erhöhten Fahndungsdruck zurückzuführen, zumal Zusammenhänge „zwischen den ‚Lies‘-Koranverteilaktionen und der Ausreise in den kriegerischen Dschihad“ nachgewiesen werden könnten. Ansonsten setzte man weiter vor allem auf Prävention.

Ein anderer junger Mann, der schon länger mit seiner Nähe zur salafistischen Szene kokettiert, dürfte unterdessen bald reichlich Diskussionen auslösen: Im Juni erscheint „AKpella“, das neue Album des Frankfurter Rappers Sadiq. Die erste Single-Auskopplung heißt „Charlie Hebdo“, wie das französische Satiremagazin, in dessen Redaktion Terroristen im vergangenen Jahr zwölf Mitarbeiter ermordet hatten. Sadiq rappt in dem Song: „Komm’ mit der AK, Al-Qaida Slang / Schieße für Gaza, Guantanamo, Mali / Ich baller mit Arabern / Pariser renn’.“ Nicht dass Provokation, Überspitzungen und Gewaltverherrlichung im Gangsta-Rap ungewöhnlich wären. Aber Bezugnahmen auf Terroranschläge ist man selbst dort nicht gewöhnt. Auf dem Portal „rap.de“ heißt es bereits, Sadiq habe mit den weltoffenen Werten von HipHop „nichts mehr zu tun“.

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