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Sadiq Zadran in Frankfurt Umstrittener Rapper am Grill

Wegen seines Songs über das Charlie Hebdo-Massaker und seiner Kontakte zu Salafisten gehört Sadiq Zadran zu den umstrittensten Musikern des Landes. Nun will er einen Imbiss in Bockenheim eröffnen.

Hier entsteht der neue Imbiss. Peter Jülich. Foto: peter-juelich.com

Im Innern des kleinen Imbiss-Lokals auf der Leipziger Straße sind die Umbauarbeiten im vollen Gange. Über dem kleinen Anbau, direkt neben der West-Apotheke prangt noch der alte Name: #SNDWCH. Im Schaufenster allerdings wird eine Neueröffnung angekündigt und der neue Name steht schon fest: „Free’s Bude“. Was dort nicht steht, ist der Name des neuen Inhabers: Sadiq Zadran – ein umstrittener Frankfurter Rap-Musiker mit Kontakten in die salafistische Szene.

Zuletzt hatte Sadiq Zadran im März 2016 mit der Veröffentlichung eines Musikvideos mit dem Titel „Charlie Hebdo“ für Empörung gesorgt. Darin wurde der Anschlag auf das französische Satire-Magazin im Januar 2015 nachgestellt, in dessen Verlauf und Nachgang islamistische Terroristen insgesamt 17 Menschen ermordeten. Der Text der Single nahm eindeutig Bezug auf den Anschlag: „Ziel auf den Zeichner, zerstör die Karikatur, verbrenne die Blätter der Charlie Cartoons. Durchlöcher die Bullen am Pariser Turm, scharfe Kanonen“. Das Lied landete auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und darf nicht mehr frei verkauft und beworben werden. Zadran selbst bezeichnet das Lied als „Satire.“

Umstritten war der Musiker mit afghanischem Migrationshintergrund bereits vor dieser Veröffentlichung wegen seiner Kontakte in die salafistische Szene. 2013 trat er zusammen mit Deutschlands bekanntestem Salafisten-Prediger Pierre Vogel in einem Youtube-Video auf, nachdem dieser ihn und zwei weitere Rapper aus dem Rhein-Main-Gebiet zuvor öffentlich zu einem Treffen eingeladen hatte. Vogel, so erklärte es der Prediger seinerzeit selbst, wolle mit ihnen reden, weil sie einen großen Einfluss auf Jugendliche hätten.

Die Gewerbeimmobilie auf der Leipziger Straße, in der Zadran seinen Imbiss eröffnen möchte, hat selbst eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis Anfang 2016 war dort ein türkischer Schnellimbiss untergebracht. Dann zog ein Sandwich-Grillhaus ein, dem Namen und Logo nach ein Ableger des Restaurants Andalus-Grillhaus im Gallus.

Dieses war im November 2015 in die Schlagzeilen geraten, weil es aufgrund von Hygienemängeln vom Ordnungsamt geschlossen wurde. Zeitgleich ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen einen Angestellten, der Geld für den sogenannten Islamischen Staat gesammelt haben soll. Das Verfahren ist laut Auskunft der Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen.

Sicherheitsbehörden schätzten das mittlerweile geschlossene Andalus als einen Treffpunkt der salafistischen Szene ein. Zu den Besuchern zählte unter anderem Bilal Gümüs, Organisator der Koranverteil-Aktion „Lies“ im Rhein-Main-Gebiet, gegen den ebenfalls wegen seiner Kontakte zu Dschihadisten ermittelt wird. Zuletzt hatte Gümüs, nachdem er sich mit der Begründer der Lies-Aktion, Ibrahim Abou-Nagie, überworfen hatte, mit Pierre Vogel die Aktion „We love Muhammed“ gestartet, bei der nun anstatt des Korans Biografien des Propheten Mohammed verteilt werden. Pierre Vogel hat sich inzwischen vom IS distanziert.

Gümüs wiederum ist ein enger persönlicher Freund von Sadiq Zadran. Auch das Andalus-Grillhaus im Gallus hatte der Rapper in den sozialen Netzwerken beworben. Nun übernimmt er dessen einstige Filiale, die in der Zwischenzeit noch einmal den Namen gewechselt hatte. Möglicherweise ist das auch eine Reaktion darauf, dass sich die schon für Mitte 2016 angekündigte Veröffentlichung seines neuen Albums immer wieder verschiebt und Einnahmen ausbleiben. Der neue Name „Free’s Bude“ ist eine Anspielung auf Zadrans vollen Künstlernamen „Sadiq Free“.

Zadran betont im Gespräch mit der FR, dass er kein Anhänger des IS oder anderer Terrororganisationen sei. Er gehöre auch nicht zum Umfeld von Pierre Vogel, „Ich bin für Gerechtigkeit.“ Dies zeige sich unter anderem in seinem Engagement für Kinder in Kriegsgebieten. Weiter wolle er nicht, dass sein Imbiss mit Politik vermischt werde. „Es ist ein Laden für jedermann“, so Zadran.

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