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Sachsenhausen Gästezimmer statt Büros

Aus der ehemaligen Ladenzeile an der Mailänder Straße ist ein Livinghotel geworden. Auch ein Tegut-Markt ist eingezogen, für die Bewohner der Siedlung Sonnenhügel ein Plus.

29.11.2016 07:39
Jöran Harders
Das Livinghotel bietet seinen Gästen Skyline-Blick. Foto: christoph boeckheler*

Im Ladenzentrum an der Mailänder Straße 8 gab es zuletzt ein eher tristes Ambiente und leerstehende Geschäfte. Ladenbesitzer und Stadtteilpolitiker sprachen von einem langsamen Sterben des Zentrums. Mit einem völlig neuen Konzept ist das Gebäude jetzt wiedereröffnet worden. Der Eigentümer Derag Livinghotels hat das Haus komplett umgebaut und aufgestockt. Anstelle von Büros ist in den oberen Stockwerken nun ein Hotel mit 104 Zimmern untergebracht.

Die Ladenpassage, die nach dem Umbau etwa die halbe Fläche des Erdgeschosses einnimmt, wurde komplett an das Handelsunternehmen Tegut vermietet, das dort einen Supermarkt betreibt. In der anderen Hälfte des Erdgeschosses ist die Lobby des Livinghotels, dessen Konzept vor allem Gäste ansprechen soll, die für einen längeren Aufenthalt nach Frankfurt kommen. Speziell für diese Zielgruppe sind 54 der Zimmer nicht als klassische Hotelzimmer, sondern als so genannte Serviced Apartments eingerichtet, in denen die Bewohner auch selbst kochen können.

„In der Regel bleiben unsere Langzeit-Gäste für einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu sechs Monaten in unseren Hotels“, sagt Hoteldirektorin Sabine Sinn. Das Familienunternehmen Derag Livinghotels betreibt 16 Hotels in acht Städten nach diesem Modell. In Frankfurt ist die Filiale in Sachsenhausen das zweite Haus des Unternehmens. Das benachbarte Leonardo-Hotel mit seinen rund 430 Zimmern betrachtet Sinn nicht als Konkurrenz. „Wir sprechen eine andere Zielgruppe an“, sagt Sinn.

Neue Wege sei man bei der Suche nach Mitarbeitern für die Hotel-Filiale gegangen. „In der Branche gibt es einen Mangel an Fachkräften. Daher haben wir ganz gezielt auch nach Quereinsteigern gesucht“, erläutert Sinn. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur wurde ein Speed-Casting ausgerichtet, um offene Stellen zu besetzen. „Aufgrund der Vermittlung durch die Arbeitsagentur konnten wir zwei Mitarbeiter einstellen, die sich als Host um unsere Gäste kümmern“, beschreibt Sabine Sinn den Erfolg der Zusammenarbeit.

Hosts ersetzen im Livinghotel die Rezeptionisten, sind aber nicht nur fürs Ein- und Auschecken verantwortlich. „Die Hosts begleiten unsere Gäste von der Begrüßung bis aufs Zimmer und kümmern sich in dieser Zeit um sie – egal ob sie direkt dorthin wollen oder ob sie vorher noch etwas essen oder einen Kaffee trinken möchten“, erklärt Sinn.

Wohlfühlen im Wohnzimmer

Neu ist laut Sabine Sinn auch die Idee des Living Rooms. Statt eines separaten Empfangs und voneinander abgetrennter Bereiche verschmelzen im Living Room Lobby, Lounge, Bar und eine offene Küche zu einem einzigen 300 Quadratmeter großen Raum, der von den Gästen als „Wohlfühlareal und Wohnzimmer“ genutzt werden soll.

28 Millionen Euro hat das Unternehmen Derag Livinghotels in den Umbau des Hauses an der Mailänder Straße investiert. Dafür sei ein zeitgemäß gestalteter Bau entstanden, der sich durch die Verwendung von Stahl, Glas und Beton, eine moderne Farb- und Formensprache und einen unverbaubaren Blick auf die Frankfurter Skyline auszeichne, wie Sabine Sinn anmerkt. Mit dem Tegut-Supermarkt im Erdgeschoss haben nicht nur die Hotelgäste, sondern auch die Nachbarn – vor allem die Bewohner des Sonnenhügels – jetzt wieder eine nahegelegene und auch zu Fuß bequem erreichbare Einkaufsmöglichkeit.

Als Verlierer des Umbaus könnte man die ehemaligen Mieter des Ladenzentrums bezeichnen. Nachdem nun allein der Tegut-Markt für das Einkaufsangebot in dem umgestalteten Gebäude verantwortlich ist, mussten sie sich andere Räume für ihre Geschäfte suchen.

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