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S&K-Prozess Klug durch Schaden

In dem Betrugsverfahren hat die Staatsanwaltschaft den Karren in den Morast gefahren. Und nun wieder herausgezogen. Ein Kommentar

S&K-Betrugsprozess
Jonas K., einem der beiden Gründer des S&K-Firmengeflechts, werden im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. Foto: dpa

Na also! Geht doch! Warum nicht gleich so?

Man muss es klar sagen: In den Morast gefahren hat den S&K-Prozess die Staatsanwaltschaft. Das begann schon mit dem sicherlich gut gemeinten Versuch, das komplexe Betrugssystem möglichst minutiös zu durchleuchten. Aber das die Verlesung einer mehr als 3000 Seiten dicken Anklageschrift ein schlechter Anfang ist, das war eigentlich den meisten bereits im Vorfeld klar. Den juristischen Laien, die den gesunden Menschenverstand als Ratgeber hinzuzogen, sowieso. Aber selbst innerhalb der Justiz waren hinter vorgehaltener Hand die meisten der Meinung, dass gut gemeint eben nicht gut gemacht ist und die Kollegen hier eindeutig weit übers Ziel hinausgeschossen seien.

Was aber passiert mit einer Meute hochbezahlter und zum Großteil richtig guter Verteidiger, die wochenlang gezwungen sind, stillschweigend auf der Anklagebank zu sitzen und so zu tun, als würden sie zuhören? Sie rächen sich. Mit Anträgen, mit Rügen, mit allem, was sie beim Griff in die Trickkiste finden können. Schon früh war die Atmosphäre dieses Prozesses vergiftet, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zankten sich wie die Kesselflicker, eine halbwegs gedeihliche Zusammenarbeit schien undenkbar. Lediglich der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik bewahrte sich eine schier unmenschliche Ruhe und Unaufgeregtheit, die angesichts der hochkochenden Emotionen fast schon als Teilnahmslosigkeit missinterpretiert hätte werden können. Dass der S&K-Prozess ein natürliches Ende nehmen könnte, damit hatte zuletzt eigentlich niemand mehr gerechnet.

Allerdings hat die Staatsanwaltschaft nun auch den selbstversenkten Karren aus dem Morast gezogen. Die Verschlankung der Anklage – Betrugsvorwürfe weg, Untreuevorwürfe bleiben – hat wenig Einfluss auf die zu erwartenden Strafen, so dass auch das Gerechtigkeitsgefühl der geprellten Anleger nicht verletzt werden dürfte. Das Strafmaß ist beachtlich, durch die abgebüßte U-Haft aber mehr als überschaubar. Die Reduzierung ist auch eine goldene Brücke für die Verteidiger gewesen. Dass diese sie auch beschritten und nicht durch Sturbockigkeit torpediert haben, ist ihnen hoch anzurechnen.

Es hat viel Zeit und eine Neubesetzung der Ankläger gebraucht, um diesen fast unrettbaren Prozess doch noch zu retten. Und wahrscheinlich führen die unerfreulichen vergangenen Monate doch noch zu einem Lerneffekt. Denn der S&K-Prozess war bislang der größte seine Art, der bislang in Frankfurt verhandelt wurde. Er wird es vermutlich nicht lange bleiben. Immer verschachtelter werden die Systeme der Betrüger, immer mehr Daten – auch elektronische – müssen gesammelt werden, und wenn die Justiz auf diese Entwicklung nicht reagiert, dann sind die nächsten Pleiten programmiert. Dass es dazu nicht kommen muss, das haben die Beteiligten am S&K-Prozess jetzt bewiesen, ganz unabhängig davon, wann das Urteil nun tatsächlich kommt und wie es ausfallen wird. Im Nachhinein könnte sich der S&K-Prozess dann doch noch als durchaus segensreiches Lehrstück erweisen.

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