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S-Bahn-Tunnel Frankfurt Arbeit am S-Bahn-Tunnel läuft

Im Frankfurter S-Bahn-Tunnel sind Arbeiter seit Sonntagfrüh Tag und Nacht im Einsatz. Die zwei Wochen Osterferien reichen längst nicht aus für alle Maßnahmen. Danach geht es nachts weiter und in den Sommerferien wieder rund um die Uhr.

29.03.2016 17:35
Zwischen Lokalbahnhof und Ostbahnhof: die neuen Schienen fahren in den gesperrten S-Bahn-Tunnel ein.

Der Wagen ist lang. So lang, dass er problemlos 120 Meter lange Schienenstücke in den Tunnel schafft. Ein gigantischer Transport im Tunnel zwischen Südbahnhof und Ostendstraße. 60 Kilogramm wiegt ein Meter des hochwertigen „kopfgehärteten“ Stahls. Zwei Greifarme heben ihn in die Höhe, das Spezialfahrzeug rückt langsam vorwärts, während die Schienen lautlos nach unten gleiten. Hier, zwischen den beiden rund 25 Jahre alten Strängen, bleiben sie bis zum Sommer liegen. Erst dann ist die Betriebs-pause lang genug, um die 1,2 Kilometer Schienen komplett auszutauschen.

Grundreinigung und Pflege

Es ist Dienstag, 11 Uhr. Tag drei der zweiwöchigen Sperrung der S-Bahn-Röhre unter der Frankfurter City. Oben sucht sich mancher Reisende neue Wege. Unten treiben seit Ostersonntag, 1.40 Uhr, Männer in orangefarbener Warnmontur rund um die Uhr das Projekt neues Stellwerk voran. Sie bauen weitere Signale und Anzeiger ein, schließen sie an die Kabel an, die während der ersten, vierwöchigen Sperrung verlegt worden waren. In diesem Jahr nutzt die Deutsche Bahn (DB) die verkehrslose Zeit, um zwei weitere Aufgaben zu erledigen: die Grundreinigung sämtlicher Stationen und die Erneuerung beziehungsweise Pflege der Infrastruktur unter Regie von Projektleiter Jens Scheidemantet.

„Die ersten beiden Tage wurde das Baugleis eingerichtet“, sagt der 33-Jährige. Die Arbeiter erdeten die Oberleitung, installierten Warnschilder, demontierten die Einrichtungen am und im Gleis, die auf die Signale einwirken. „Am Hauptbahnhof haben wir mit der Inspektion der Wände begonnen.“ Nicht alle Schienen sind so ramponiert wie die zwischen Südbahnhof und Ostbahnhof. Die weniger abgenutzten werden gefräst und geschliffen. Erst grob mit einer Maschine, zum Schluss händisch, sagt Scheidematel. „Auch damit haben wir gestern abend angefangen.“

Für den Bauingenieur ist es nicht die erste Großbaustelle, die er leitet. Und es gehört für ihn zum Job, nachts oder an Ostern Dienst zu schieben: „Wir arbeiten, wenn andere frei haben.“ Nämlich dann, wenn wenig Verkehr rollt. „Das ist normal.“

Normal sind für den 33-Jährigen auch die Temperaturen von aktuell 12 Grad da unten im Tunnel. Verantwortlich dafür ist die „Bewetterungsanlage“, die den kräftigen kalten Wind in die Röhre pustet. Die sieben großen Anlagen mit einer Flügelbreite von 1,20 Meter und der Anmutung von Flugzeugturbinen kämen auch im Bergbau zur Anwendung, sagt Diplom-Ingenieur Ralf Ulrich Mechalzzki. „Die transportieren die verbrauchte Luft ab und saugen von draußen neue an.“ Und die ist am Dienstagmorgen doch recht frisch.

Arbeiten zwischen Süd- und Ostbahnhof

Die vier behelmten Männer scheint das nicht zu kümmern. Das erste Stück Schiene liegt inzwischen. Jetzt klettern sie auf die Ladefläche des Zugs, um die Greifarme für das zweite in Position zu bringen. Sie arbeiten ruhig nebeneinandner in der Röhre, durch die an einem normalen Tag pro Stunde und Richtung 42 Züge sausen. „Das ist eine der höchstbelasteten Strecken der Republik“, sagt Scheidemantel. Eine Million Tonnen Last müssten die Schienen jede Woche tragen. Regelmäßig würden sie gefräst und geschliffen. Das geschehe außerhalb der Betriebszeiten, in der Nacht. Doch irgendwann ist die Lebensdauer beendet. Dann bleibt nur noch, sie auszutauschen. Zwischen Südbahnhof und Ostbahnhof ist es nun so weit.

Auch 14 Weichen werden erneuert, und auch andere technische Teile haben ihren Zenit überschritten. Die zwei Wochen Osterferien reichen dafür längst nicht aus. Doch danach geht es nachts weiter und in den Sommerferien wieder rund um die Uhr. Es gibt noch jede Menge zu tun, auf der Zehn-Kilometer-Strecke. Erst nach den Sommerferien 2018 soll alles fertig sein.

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