Lade Inhalte...

Rundgang Frankfurt unter Null

Bei Eiseskälte arbeiten Würstchenverkäufer, Bauarbeiter und andere draußen. Besuch bei denen, die dem Frost trotzen.

Rolf Pangritz
Fahrradfahren trotz der Kälte: Rolf Pangritz. Foto: Rolf Oeser

Die Kälte macht ihm nichts aus. Offensichtlich. Gutgelaunt biegt Rolf Pangritz in die Einfahrt vor seinem Haus im Gallusviertel ein – mit dem Fahrrad. Der 70-Jährige kommt gerade von seinem Schrebergarten. Dort hat er nach dem Rechten geschaut und die Vögel gefüttert. Bald ist ja auch wieder Frühling. „Nein“, sagt er, kalt sei ihm nicht. Um sieben Uhr war er bereits mit dem Hund unterwegs. „Nur wenn es schneit, fahre ich nicht mehr so gern mit dem Rad“, sagt der Rentner.

Frostig startet die Woche in Frankfurt. Bis zu minus fünf Grad sind es am Montagmittag, in der Nacht sinken die eisigen Temperaturen noch weiter ab. Die Tische und Stühle vor den Cafés sind leer, Passanten auf der Straße haben sich dick eingepackt. An der erhöhten S-BahnStation Galluswarte ist das noch viel stärker zu spüren. „Man muss sich einfach bewegen“, sagt die 33-jährige Katja W. Sie wartet mit ihrem Rad auf die S-Bahn. Nur bei der Glätte müsse man aufpassen: „Winterreifen für das Fahrrad gibt es ja leider noch nicht“, sagt sie.

Aber zumindest scheint die Sonne. Das findet auch Irina Betke, die trotzdem mit ihrem Begleiter Fermin Basterra auf einer Fensterbank eines geschlossenen Geschäfts des Oeder Wegs sitzt und die Sonne genießt. Die beiden unterhalten sich. In ihrer Hand hat die 19-jährige Frankfurterin ein Falafel-Sandwich. Eigentlich ist sie wegen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs in Berlin, nun aber zu Besuch in Frankfurt. „Es kommt nicht nur auf die Temperatur an“, sagt sie. „Solange es trocken und nicht windig ist, können wir ohne Probleme hier draußen sitzen.“

Und tatsächlich fühlt es sich gar nicht so kalt an hier auf dem Oeder Weg, hier in der Sonne. Ein kräftiger Wind weht hingegen über die Zeil. Der Bratwürstchen-Verkäufer Ahmad Al-Said bereitet sich auf seine Schicht in der Einkaufsstraße vor. Sein mobiler Grill, den er normalerweise vor seinem Bauch trägt, steht noch eingepackt auf dem Boden. Die Kapuze seiner dicken Jacke hat er fest zugeschnürt. „Es bringt auf jeden Fall nichts, mehrere Kleidungsschichten anzuziehen“, sagt er und schmunzelt. Das zeige seine Erfahrung. Trotz mehrerer Socken seien seine Füße kalt.

Die Würste brät Al-Said auf einem Gasgrill. Die Hitze wärme jedoch nur die Hände. „Deshalb bewege ich mich und suche auch mal neben einem Gebäude Schutz vor dem kalten Wind“, sagt Al-Said. Für ihn gibt es noch ein weiteres Problem: Die Flamme flackert im Wind, das Grillen fällt schwerer.

Ebenfalls in der Kälte arbeitet Maciej Dymek. Der Bauarbeiter steht auf der Kölner Straße, während ein Bagger Material für einen Hausbau verlädt. „Ich komme aus Polen, da sind es schon mal minus 20 Grad“, sagt er und lacht. Die Kälte störe ihn bei seiner Arbeit weniger. „Unsere Firma versorgt uns mit heißer Suppe, Kaffee und Tee.“ Bei dem Wetter könnten sich die Arbeiter jede Stunde für ein paar Minuten aufwärmen.

Einige Geschäfte müssen sich ebenfalls auf die frostigen Temperaturen einstellen. So auch der Obst- und Gemüseladen von Achmed Chaudhry. Normalerweise stehen seine Produkte auf dem Bürgersteig, nun hat er die Kisten voller Lebensmittel reingeholt. „Nur die Orangen kann ich draußen stehen lassen, die haben kein Problem mit der Kälte“, sagt der Inhaber des Ladens. Trotzdem hat er durch die Temperaturen einen Mehraufwand: Alle zwei bis drei Stunden muss er die Orangen reinholen, denn ansonsten werde es selbst denen zu kalt.

Schutz brauchen ebenfalls die Pflanzen bei Alice im Blumenland. Vor der Tür des Ladens stehen derzeit nur Nadelhölzer wie etwa eine Thuja. Der mache die Kälte nichts aus, erklärt der Florist des Geschäfts. „Wir packen nun die Blumen nochmal extra ein, damit sie auf dem Heimweg der Kunden keinen Schaden erleiden“, sagt er. Im Inneren des Ladens sind sie geschützt, da die Tür immer geschlossen gehalten wird. Wegen der Kälte würden nicht weniger Blumen gekauft.

Auf Frost kann man sich jedenfalls schon mal einstellen: Die Temperaturen sollen noch weiter sinken.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen