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Rotlintstraßenfest Weibliche Stärke auf der Bühne

Beim Rotlintstraßenfest helfen Nordendschüler als Künstlerbetreuer. Trödelstände unterbieten sich im Preiskampf bei allem, was zu Hause nicht mehr erwünscht ist.

Betrieb wie jedes Jahr: das Fest in der Rotlintstraße. Foto: Monika Müller

Vor fünf Minuten schon hätte das Programm losgehen sollen, eigentlich. Es ist kurz nach 14 Uhr, am Samstag, die Hitze gefühlt auf ihrem Höchstpunkt. Markus Leis und sein Kollege aber müssen noch an einer Lampe auf der Bühne schrauben, bevor die freigegeben wird für den Tag auf dem Rotlintstraßenfest im Nordend. „Den Soundcheck haben wir schon gemacht“, sagt Leis. Er kommt von einer Frankfurter Eventfirma, die Bühnen samt Ausstattung zur Verfügung stellt – Leis und seinen Kollegen gibt es in schwarzer Montur dazu, „damit wir möglichst unauffällig erscheinen“, meint Leis.

Zu Olivia sagt er, er sei Markus. Olivia Luzolo ist an diesem Tag die erste Künstlerin auf der Bühne; sie müsse kurz zum Soundcheck, erklärt Leis. Die 17-Jährige kommt vom Mädchenkulturzentrum Mafalda. Dort bringt sie jungen Mädchen das Singen bei, „um zu zeigen, dass wir nicht leise und schüchtern sein müssen“. Vor der Bühne stehen sechs Bänke; als da Leute aufstehen, schleppen Männer drei neue Bänke her, vorsorglich.

Olivia Luzolo singt Alicia Keys „Superwoman“ über eine starke Frau. Viele bleiben stehen. Eine Frau gegenüber der Bühne erzählt Freunden vom grausigen Alltagsstress ihres Kindes mit Schule und Hobbys, da singt Luzolo, dass sie nichts unterkriegen könne, dass sie alles meistere. Starke, selbstbewusste Frauen – solche wollen sie auf der Bühne des Rotlintstraßenfestes.

Helfer beim Bühnenumbau

Links neben der Bühne sitzt eine Gruppe Jungen. „Crew“ haben sie sich in weißen Lettern auf ihre schwarzen T-Shirts drucken lassen. Letztes Jahr, erzählt Moritz, hätten sie Eventmanagement während der Projektwoche an der IGS Nordend kennengelernt, da hätten sie bei der Bühne schon mithelfen dürfen. In diesem Jahr tun die 13- bis 14-Jährigen das wieder. „Wir helfen beim Bühnenumbau und machen auch Künstlerbetreuung“, sagen sie vor dem Zelt für die Künstler. Drinnen gibt es kostenloses Wasser und eine Luft wie im Hochsommer beim Jugendzeltlager.

Hunderte Meter weit reihen sich daneben Trödelstände. Da unterbieten sich die Leute mit den Preisen bei allem, was zu Hause nicht mehr erwünscht ist. Die Menschen vor der Bühne sind die härtesten Kritiker: Gefällt das Programm auf den Brettern nicht, ziehen sie einfach weiter.

Serge kann das nicht. Sein Stand ist direkt gegenüber. „Von der Lautstärke ist bisher alles in Ordnung“, sagt der 43-Jährige. Wenn es richtig laut wird, später am Abend, so hofft Serge, ist der Trödel vorbei. Der soll nur bis 18 Uhr gehen – da ist der Tag für die Bühne lange noch nicht aus. Und für Leis sowieso nicht.

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