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Roßmarkt Frankfurt Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum

"Rossmarkt hoch 3" ist wieder da. Das temporäre Kunstprojekt auf dem bekannten, wenig belebten Frankfurter Innenstadtplatz präsentiert in seinem zweiten Jahr die österreichische Installation „Kühlschrank, Bett, Tastatur“ - ein abgesägter Baum.

Kunst, kein Baum. Und doch ein Baum. Und auch Kunst. Foto: Alex Kraus

"Rossmarkt hoch 3" ist wieder da. Das temporäre Kunstprojekt auf dem bekannten, wenig belebten Frankfurter Innenstadtplatz präsentiert in seinem zweiten Jahr die österreichische Installation „Kühlschrank, Bett, Tastatur“ - ein abgesägter Baum.

Wo ist sie denn, die Kunst? Wer in den nächsten sechs Monaten über den Roßmarkt geht, kann dort seit gestern das diesjährige Objekt des Kunstprojekts Rossmarkt3 erwarten. Lässt man den Blick über die große graue Fläche gleiten, sieht man im Hintergrund die silberglänzenden Bankentürme der Frankfurter Skyline, unten auf dem Platz thront Johannes Gutenberg auf seinem Denkmal, und davor – wie ärgerlich! – liegt ein gefällter Baum. Die Äste mit den gelbgoldenen Blättern liegen auf dem Pflaster, der Stumpf steht in der kleinen Rabatte. Vor lauter Baum kann man die Kunst nicht sehen. Dabei ist der Baum die Kunst.

Mit Erwartungen zu brechen, das ist eins der Hauptanliegen der österreichischen Künstlergruppe gelitin, die für die Skulptur verantwortlich zeichnet. „Wir erwarten wenig, wir machen lediglich Angebote“, sagt Ali Janka von gelitin. „Wir haben hier etwas hingelegt, das sich nicht sofort in die Schublade ,Kunst‘ stecken lässt.“

Die Gruppe, die sich 1992 gegründet hat und aus Wolfgang Ganter, Ali Janka, Tobias Urban und Florian Reither besteht, will mit ihrer Mischung aus Aktionismus, Installation und Happenings gerne provozieren, sie sind auf alle Reaktionen gefasst. Bei der Skulptur „Kühlschrank, Bett, Tastatur“, also dem waagerecht liegenden Baum, wissen sie aber: „Man muss sich darüber ärgern.“ Ein gutes Kunstwerk schockiere immer, denn es bringe Leute dazu, sich auf irgendeine Art damit auseinanderzusetzen, so Janka. „Entweder man schaut es sich genauer an oder man beschließt wegzusehen.“

"Gutes Bürgerengagement“

Genauer hingeschaut haben auf jeden Fall die 25 Schüler aus der gymnasialen Oberstufe verschiedener Frankfurter Schulen, die als Jury die Auswahl des Kunstwerks getroffen haben. Für ihre Arbeit erhielten die Schüler die „Auszeichnung für gutes Bürgerengagement“. Sie sollten ein Objekt finden, das zur Bewusstseinsveränderung in der Stadt beiträgt, so die Vorgabe. Mit einer starken Reaktion des Publikums auf die Skulptur, sowohl positiv als auch negativ, ist auf jeden Fall zu rechnen.

Beim Aufbau seien Gruppe und Projektorganisatoren schon von einem Umweltschützer angeschrien worden, so Juliane von Herz, Projektleiterin von Rossmarkt3. „Es haben auch schon Menschen, die jeden Tag auf ihrem Weg zur Arbeit über den Platz gehen, behauptet, der Baum hätte nicht gefällt werden dürfen, er habe schon immer da gestanden.“ Das stimmt aber nicht, denn die Künstler haben den Baum in Einzelteilen zerlegt von außerhalb nach Frankfurt gebracht, wo er dann wieder zusammengefügt wurde. Diese Reaktionen seien spannend, meint Künstler Tobias Urban. „Wir wollen schließlich erreichen, dass die Menschen einen zweiten Blick auf die Dinge werfen.“ Deshalb habe man sich auch für ein horizontales Objekt entschieden: „Weil in der Vertikalität alles anders ist und es eigentlich so besser und stärker wirkt.“

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