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Rosemarie Heilig „Lass dein Auto stehen, fahr mit der Bahn!“

Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) spricht im FR-Interview über ihre Wiederwahl, den Nahverkehr und die Frage, wie lang Frankfurts Kohlekraftwerk noch brennt.

Grüne in Frankfurt
„Aber wer verändern will, muss auch bereit sein zu regieren.“ Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig im FR-Gespräch. Foto: peter-juelich.com

Frau Heilig, Ihre zweite Amtszeit naht, Sie zählen zu den fünf „längsten“ Magistratsmitgliedern. Regieren – ist das Ihr Ding?
Heute scheint es ja Mode zu werden, dass sich immer mehr Politikerinnen und Politiker in der Opposition wohler fühlen und vor Regierungsverantwortung kneifen. Aber wer verändern will, muss auch bereit sein zu regieren. Als die Grünen fragten, ob ich antreten wolle, habe ich nicht gezögert und erfreut Ja gesagt. Und ich bin heute überzeugter denn je, dass diese Entscheidung richtig war, auch wenn wir – mein Büro und ich – in den ersten vier Jahre als Umwelt- und Gesundheitsdezernat bisweilen auf dem Zahnfleisch gegangen sind. Doch es hat sich gelohnt: Das neue Krankenhaus in Höchst wächst prächtig, und die Fusion mit dem Main-Taunus-Kreis zeigt erste Erfolge.

Jetzt verantworten Sie Umwelt- und Frauenressort. Besser?
Ein großes Geschenk für mich. Ich bin Biologin. Mich jeden Tag um den Bereich Umwelt zu kümmern, macht mich glücklich, und das Thema Frauenpolitik ist eine große Bereicherung für mich. Es gibt noch viel zu tun, bis wir wirkliche Gleichberechtigung erreicht haben und Frauen ein unabhängiges, gleichberechtigtes und gewaltfreies Leben führen können.

Überall purzeln derzeit die Klimaschutzziele. In welcher Rolle sehen Sie Frankfurt da?
Wir sind Vorreiter und Vorbild. Die Bundesregierung ist uns keine große Hilfe. Mit der Aufgabe der Klimaziele ist die neue, alte Groko den Städten in den Rücken gefallen. Wir in Frankfurt haben uns dem „Masterplan 100 % Klimaschutz“ verpflichtet, und wir werden unser Ziel einhalten, uns 2050 komplett aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen. Wir haben im Koalitionsvertrag zehn Millionen Euro für die Begrünung von Fassaden, Dächern, Höfen vereinbart, wir werden für jedes Baugebiet kleinklimatische Untersuchungen machen, wir sind Passivhaushauptstadt. Jede kleine Maßnahme zählt. Im Bewusstsein der Bevölkerung ist das angekommen.

Nur bei den Autofahrern ist es offenbar nicht angekommen.
Diese Haltung „My car is my castle“ ist die größte Krux. Den Menschen das nahezubringen: Lass dein Auto stehen, fahr mit der Bahn – das müssen wir schaffen. Die Attraktivität des ÖPNV fördern, Elektrobusse anschaffen, noch mehr Geld in E-Mobilität stecken, noch stärker Fahrradwege ausbauen. Wir haben viel geschafft, aber wir sehen, dass es noch zu langsam vorwärts geht.

Wann gibt es mehr Stromtankstellen auf der Straße?
Da werden wir eine Offensive starten. Noch ist die Technik aber nicht so weit, dass man sein Elektrofahrzeug an einer ganz normalen Laterne anschließen kann – das muss kommen.

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