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Romantik-Museum Frankfurt Romantik sucht Mäzene

Im Streit um die weitläufigen kommunalen Sparpläne verordnet die Stadt Frankfurt sich nun einen Art planerischen Winterschlaf bis Jahresende. Devise: Bloß nicht nachdenken. Derweil sollen private Förderer sich des Projekts Romantik-Museum annehmen.

Bild des wohl bekanntesten romantischen Malers: Der Abendstern von Caspar David Friedrich (um 1830), zu sehen im Frankfurter Goethehaus. Foto: Goethehaus Frankfurt

Im Streit um die weitläufigen kommunalen Sparpläne verordnet die Stadt Frankfurt sich nun einen Art planerischen Winterschlaf bis Jahresende. Devise: Bloß nicht nachdenken. Derweil sollen private Förderer sich des Projekts Romantik-Museum annehmen.

Noch ist das Projekt für ein Deutsches Museum der Romantik nicht verloren. In einem ungewöhnlichen gemeinsamen Aufruf appellieren Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) bundesweit „an private Förderer und Geldgeber“, sich für den Bau eines solchen Museums in Frankfurt zu engagieren. Das Haus sei „für die Stadt Frankfurt nach wie vor ein wesentliches, bundesweit beachtetes Kulturprojekt“. Die „Welle der Sympathie“ für das Vorhaben bei den Bürgern und in den Feuilletons zeige, dass es nicht aufgegeben werden dürfe. Es müsse die Chance gewahrt bleiben, der kulturhistorisch für Deutschland zentralen Epoche der Romantik einen würdigen Erinnerungsort neben Goethes Geburtshaus zu geben.

Die Haushaltskommission der Stadt Frankfurt unter Vorsitz von Kämmerer Uwe Becker (CDU) hatte unlängst entschieden, dass die Stadt für den Bau des Museums kein Geld zur Verfügung stellt. Dagegen protestieren Kulturpolitiker und Kulturverantwortliche bundesweit.

Keine leichtfertigen Opfer

Der Oberbürgermeister und der Kulturdezernent fordern nun eine „Denkpause bis Jahresende“. In dieser Zeit dürften „keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden“.

Die Stadt hatte vier Millionen Euro für den Bau des Hauses beisteuern sollen. Bund und Land Hessen haben finanzielle Zusagen gegeben. Das Freie Deutsche Hochstift als Trägerin des Romantik-Museums und einer weltweit einzigartigen Sammlung zur deutschen Romantik hat bereits 3,2 Millionen Euro von privaten Förderern wie der Grunelius-Stiftung und der Deutschen Bank eingeworben.

Der Oberbürgermeister sagte, er stehe „für ein tragfähiges, nachhaltiges, sozial ausgewogenes kulturpolitisches Konzept in einem hochattraktiven Frankfurt am Main“. Dies sei am Beispiel des Romantik-Museums eine „klare Botschaft an unsere Freunde und Partner in Stadt, Land und Bund“. Es gebe ein klares Konzept, einen perfekten Standort und eine solide Finanzierung – das dürfe jetzt nicht „leichtfertig geopfert werden“.

Kulturdezernent Semmelroth ergänzte, es gebe „noch Hoffnung“ für das Romantik-Museum. Wenn die Frankfurter Stadtgesellschaft zusammenhalte, „wie sie es schon oft für die Kultur getan hat“. Es gehe nicht um irgendein weiteres Museum, sondern um „unsere Glaubwürdigkeit als Kulturstandort in Deutschland“.

Grünes Krisenmanagement

Auch die Frankfurter Grünen wollen da nicht zurückstehen. Die schwarz-grüne Römer-Koalition hat die öffentlichen Auswirkungen ihres Spar-Beschlusses völlig unterschätzt. In der jüngsten Sitzung der Stadtregierung ging es hinter verschlossenen Türen nur um eines: politische Schadensbegrenzung. Manuel Stock, der Vorsitzende der grünen Römer-Fraktion, versicherte hinterher, die Grünen wendeten sich nicht inhaltlich gegen das Projekt – es sei eben nur von der Stadt nicht zu finanzieren. Wenn sich jetzt private Sponsoren fänden, sei das natürlich zu begrüßen. Schließlich wollen die Grünen nicht bundesweit als kulturfeindliche Provinzler gebrandmarkt werden, wie es derzeit in den Feuilletons geschieht.

Allerdings stößt die Ankündigung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, sich für das Museum zu engagieren, auf Widerspruch der Grünen. „Warum gibt der Kulturfonds nicht das Geld aus, um ein festes Theater für Michael Quast zu ermöglichen?“, fragt Stock. Und er schlägt sogar ein Domizil für das Quast’sche Theater vor: das neue Stadthaus, das am Dom gebaut werden soll. „Das wäre doch eine sinnvolle Nutzung für das Stadthaus“, sagt der Grüne.

SPD bleibt unromantisch

So entbrennt der finanzielle Verteilungskampf um das schwindende Geld in der subventionierten Kultur. Denn die Haushaltskommission der Stadt hatte auch das geplante Theater Quasts am Paradieshof in Sachsenhausen gestrichen.

Und alle politischen Parteien setzen jetzt plötzlich auf die privaten Förderer und Mäzene der Banken-Metropole Frankfurt. „Wenn das Geld so zusammenkommt, kann man das ja nur unterstützen“, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer, Klaus Oesterling. Die SPD bleibe allerdings bei ihrer Linie: keine städtischen Zuschüsse für die Romantik. „Die Erweiterung des Jüdischen Museums und der Umbau des Bolongaropalastes haben für uns weiter Vorrang.“

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