Lade Inhalte...

Romantik-Museum Durchbruch fürs Romantik-Museum

Romantik, das ist nicht Kerzenlicht und Rotwein. Was Romantik meinte, als dieser Begriff erfunden wurde, das kann nirgends besser gezeigt werden als in Frankfurt. Im Keller von Goethes Geburtshaus liegen kistenweise Dokumente aus dieser spannenden Epoche - eine weltweit einzigartige Sammlung. Durch private Spenden ist der Bau eines Museums, das diesen Schatz präsentiert, nun gesichert.

Die Romantiker sind heute noch im Goethe-Museum zu Gast. Foto: Goethe-Museum/Hochstift

Es ist geschafft: Frankfurt kann das begehrte „Deutsche Museum der Romantik“ tatsächlich bauen. Die Bürgeraktion rollt, die Millionen sind zusammen, der Architekten-Wettbewerb ist ausgelobt. 2018, so wurde am Dienstag im Goethe-Haus verkündet, könne im Großen Hirschgraben schon Eröffnung sein.

„Von der Depression zur Tat“ beschrieb Kulturdezernent Felix Semmelroth den Weg. Genau vor einem Jahr, als man sich am gleichen Ort vor dem Dilemma sah, von privat acht Millionen Euro zusammentragen zu müssen, stand der Stadtrat in der Kritik.

Er musste die Entscheidung der Römer-Koalition mittragen, den zugesagten Beitrag zur Bausumme schuldig zu bleiben. Auch der Bund und das Land finanzieren mit. „Eine Art Lähmung“, bekannte Literaturwissenschaftler Semmelroth, habe ihn seinerzeit erfasst. Dann besann er sich auf „die bürgerschaftlichen Traditionen der Stadt“. Und die erwiesen sich als lebendig.

Roth und Feldmann engagieren sich

„Wo gibt es denn das“, echauffierte sich erneut die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), dass alle Partner sich an ihre finanziellen Zusagen halten – „und die Stadt weigert sich?“ Sie wurde dann, auf Bitten ihres Nachfolgers Peter Feldmann (SPD), zum Motor der Aktion. Und wenn sie in diesem Mai 70 Jahre alt werde, dann solle man bitte zum Geburtstagsempfang, den die Stadt ihr ausrichte, „als Geschenk Spenden mitbringen“. Kulturpolitik nach Ausgaben zu bewerten, wetterte Petra Roth noch – „das ist das Dümmste!“

OB Feldmann war bei der Verkündung des Erfolgs auch wieder zugegen. Er erklärte das Projekt zu „einem Beispiel, wo ich mich kulturpolitisch engagiere“. Zumal das geplante Museum, die Erweiterung des heutigen Goethe-Museums, „auch ein Ort der Bildung“ sein solle. Im Konzept des Trägers Freies Deutsches Hochstift wird es gar als „Erlebnismuseum“ angekündigt.

Innovative Ausstellungsform

Die Bestände, die „weltweit einzigartige Sammlung zur Literatur der deutschen Romantik“, werden seit den 1920er Jahren zusammengetragen. Es handelt sich überwiegend um Manuskripte, Handschriften, Briefe, aber auch Grafiken, Gemälde und Gebrauchsgegenstände. Das größte Konvolut liegt im Tiefkeller bewahrt. Einen schon vor bald 100 Jahren geplanten Museumsbau für die Romantiker, vorgesehen im Altstadt-Wohnhaus der Familie Brentano, hatte der Bombenkrieg zunichtegemacht.

Nachdem jetzt der Bau „der Hülle“ mit geschätzten Kosten von 16 Millionen Euro finanziell gesichert ist, treibt Hochstift-Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken die Frage um, „wie wir das Haus füllen“. Wie sich die Schätze also anschaulich und lebendig machen lassen. Es gelte, „die kulturellen Höchstleistungen dieser zentralen Epoche“ zu vermitteln. Sie stelle sich vor, die vielen schriftlichen Zeugnisse „mit interaktiven und experimentellen Ausstellungsformen zu verbinden“. Das „Zusammenspiel von Emotion und Reflexion“ könne ein Schlüssel zum Verständnis sein. Es soll nicht nur ein Museum, es soll „ein Erinnerungsort“ werden. Eine vergleichbare Institution suche man weltweit vergebens.

Cantatesaal wird integriert

Der Neubau soll südlich der heutigen Goethestätte im Großen Hirschgraben entstehen, wo die Gebäude des ehemaligen Buchhändlerhauses seit Jahren ungenutzt sind. Der Cantatesaal mit der Fliegenden Volksbühne bleibt nach Beschluss der Stadt als Spielstätte erhalten und soll integriert werden. Weitere Etagen rings um Innenhof und Goethe-Garten werden Wohnungen aufnehmen. Wie Direktorin Bohnenkamp mitteilte, sind 16 Architekturbüros „zur Verwandlung des Geländes“ aufgefordert. Ende Mai tage das Preisgericht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen