Lade Inhalte...

Romantik-Museum „Desaströs für Frankfurts Ruf“

Durch den Rückzug vom geplanten Romantik-Museum gehen der Stadt Frankfurt Millionen Euro von Land, Bund und privaten Spendern verloren. Ein Moratorium und eine Bürgersammlung sollen das Projekt doch noch retten.

Bild des wohl bekanntesten romantischen Malers: Der Abendstern von Caspar David Friedrich (um 1830), zu sehen im Frankfurter Goethehaus. Foto: Goethehaus Frankfurt

Durch den Rückzug vom geplanten Romantik-Museum gehen der Stadt Frankfurt Millionen Euro von Land, Bund und privaten Spendern verloren. Ein Moratorium und eine Bürgersammlung sollen das Projekt doch noch retten.

Der Beschluss der schwarz-grünen Stadtregierung, kein städtisches Geld mehr für ein geplantes Romantik-Museum einzuplanen, ruft heftige Reaktionen hervor. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will das Bauvorhaben neben dem Goethe-Haus im Großen Hirschgraben retten und führt Gespräche mit potenziellen privaten Sponsoren. „Es wäre desaströs für Frankfurts Ruf, wenn der Eindruck entstünde, das Projekt würde im Vorbeigehen politisch abgeräumt“, sagte der OB im Gespräch mit der FR.

Zumal, darauf macht Carl von Boehm-Bezing aufmerksam, der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des Goethehaus-Trägers, auch Bund und Land ihren Zuschuss nur unter dem Vorbehalt gäben, „dass die Stadt zu dem Projekt steht“. „Alle sagen“, so Boehm-Bezing, „wenn Frankfurt das Museum nicht möchte, wird sich auch sonst keiner engagieren“. Für das Museum der Romantik als Erweiterung des Goethehauses sind 16 Millionen Euro kalkuliert, jeweils vier Millionen Euro von Stadt, Land und Bund – und vier Millionen Euro von Privat. Boehm-Bezing: „Wenn man zwölf Millionen Euro geschenkt bekommt, sollte man das Geld schon annehmen.“ Privatleute hätten eine Summe von drei Millionen Euro schriftlich zugesagt.

Hoffen auf Bürgersammlung

Oberbürgermeister Feldmann wie der frühere Präsident des Goethe-Institutes, Hilmar Hoffmann (SPD), sprechen sich für „eine Bürgersammlung“ aus, um das Museum doch noch zu finanzieren. Hoffmann und auch der frühere Stadtkämmerer Tom Koenigs (Grüne) plädieren für ein Moratorium, um Zeit für die Rettung zu gewinnen. Die Grünen, so Koenigs, hätten doch mehr mit der Romantik zu tun, als sie selbst dächten. Auch der vormalige Präsident der Goethe-Universität, Rudolf Steinberg, plädiert für bürgerschaftliches Engagement zur Rettung der Museumspläne.

Der Verwaltungsausschuss des Freien Deutschen Hochstifts wollte „Ende März eine große Spendenaktion starten“, versichert Carl von Boehm-Bezing. Dazu sei aber „die Entscheidung nötig, dass Frankfurt es macht“. Nach der Haushaltskürzung durch Schwarz-Grün glaubt der Banker: „Es geht nur durch Druck.“

Rudolf Steinberg appelliert an Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), für das Museum „noch mal in den Ring zu steigen“. Aus Sicht der Universität wäre es „mehr als bedauerlich“, wenn das Museum nicht zustande käme – angesichts der guten Zusammenarbeit zwischen Universität und Freiem Deutschen Hochstift.

Der ehemalige Frankfurter Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf wirft den Grünen „Hörigkeit“ gegenüber Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) vor. „Das ist mir unverständlich, denn die Grünen sind Kinder der Romantik.“ Oberbürgermeister Feldmann hebt hervor, er sei über die Absicht der Koalition, kein städtisches Geld für das Museum auszugeben, „nicht informiert“ worden. „Ich verwahre mich dagegen, dass eine solche Entscheidung ohne Absprache getroffen wird.“

Hilmar Hoffmann erinnert an eine angebliche Parole der Frankfurter Grünen der frühen 90er Jahre: „Die Kultur muss bluten.“ Eine solche Haltung dürfe sich nicht mehr wiederholen, befindet der Sozialdemokrat.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen