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Rollstuhlbasketball-EM Frankfurt dreht am Rad

Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet in der Frankfurter Eissporthalle die Rollstuhlbasketball-Europameisterschaft. Oberbürgermeister Peter Feldmann ist zwar anwesend, muss aber schweigen.

Bundespräsident Joachim Gauck und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann eröffnen die Rollstuhlbasketball-EM. Foto: dpa

Dieser Sport ist kein leichter. Den Ball aus 53 Zentimetern Sitzhöhe in den in 3,05 Metern Höhe aufgehängten Korb zu bugsieren, mag noch gelingen, zumal wenn der Schütze einer der besten deutschen Basketballer war. Pascal Roller, 122-facher Nationalspieler und WM-Bronzemedaillengewinner hat Rollstuhlbasketball mal ausprobiert und hat „ziemlich alt ausgesehen“. Treffen sei nicht das Problem, „aber ich bin nur selten in eine gute Wurfposition gekommen“, sagte der Frankfurter Ex-Profi am Freitagabend. „Die lassen es nämlich ganz schön krachen.“ In Frankfurt wird es in den nächsten neun Tagen häufiger krachen. Am Abend hat Bundespräsident Joachim Gauck, wie Roller ein begeisterter Fan der „Rollis“, die Rollstuhl-Basketballeuropameisterschaft eröffnet.

In der schon leicht betagten Eissporthalle kämpfen zwölf Männer- und acht Frauenmannschaften um den begehrten Titel. Die beiden deutschen Teams gehören zu den Favoriten.

Der erste Mann im Staat ist spätestens seit seinem Besuch bei den Paralympics in London und der Feier mit den deutschen Paralympics-Siegerinnen ein großer Freund des Behindertensports und ganz speziell der „spektakulärsten Sportart auf Rädern“. Freude und Lebensbejahung der behinderten Sportler hätten ihn angesteckt, sagte Gauck vor 1500 Zuschauern, die eine kurze, dafür aber eine umso knackigere Eröffnungsfeier sahen. Der Bundespräsident lobte den eisernen Willen der Sportler, ihre Ausdauer, Athletik und die außergewöhnlichen Fähigkeiten ihr Sportgerät zu beherrschen. „Ich habe mich von den großartigen Fähigkeiten anstecken lassen.“

Bengalos zum Auftakt

Das durften anschließend auch die Zuschauer, die mit dem Eröffnungsspiel, einer Neuauflage des für die deutschen Männer verloren gegangen Endspiels von 2011, zwischen Deutschland und Großbritannien gleich ein Highlight geboten bekamen.

Seit das Rad, als eine der größten Innovationen der Menschheit erfunden wurde, wird gerne an verschiedenen Gattungen dieser Art gedreht. Eine ganz eigene Art am großen Rad zu drehen, hat Robert Maaser.

Der Cyr-Rad-Akrobat turnt in einer Mischung aus hoher Turnkunst und Poesie an einer Art menschengroßem Hula-Hoop-Reifen herum. Da staunte auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Gauck bei der Eröffnung leibhaftig assistierte, vom Protokoll allerdings zum Schweigen verurteilt worden war. Da erging es ihm aber nicht anders als Hessens Innenminister Boris Rhein und Frankfurts Sportdezernenten Markus Frank (beide CDU). Mehr zu sagen hatten da die Sängerin Jennifer Braun und die Cheerleader der Frankfurt Pirates. Bevor Briten und Deutsche in den auf Fußhöhe leicht gepanzerten Spezialrollstühlen (Stückpreis bis zu 7000 Euro) aufeinander losgingen, hatte es natürlich auch den bei Eröffnungszeremonien unvermeidlichen Feuerzauber gegeben. Die von der Feuerwehr streng beobachteten und ferngezündeten Bengalos hätten jeden Fußball-Ultra vor Neid erblassen lassen. Befeuert von der präsidialen Eröffnungseuphorie dreht Frankfurt jetzt neun Tage mit am europäischen Rad.

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