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Römerbriefe Wenn Frankfurter Politiker vertraulich werden

Wir haben ein paar brandheiße Infos für Sie. Aber behalten Sie das alles bloß für sich. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus beschäftigt sich mit Versuchen von Politikern, unliebsame Berichterstattung zu verhindern.

Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt
Frankfurter Stadtverordnete tagen im Römer. Foto: Michael Schick

Vertrauen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, ist ein großes Wort. Natürlich vertrauen wir nicht darauf, dass uns unsere Politiker immer die volle Wahrheit sagen. Wir reden hier zwar nicht von Maaßen, Merkel und Seehofer, aber es ist immer noch Politik. Doch ganz egal, ob in Berlin, Wiesbaden oder bei uns im Römer: Journalisten haben zumindest mit manchen Politikern auch eine vertrauliche Ebene.

Nicht alles, was man uns erzählt, steht am nächsten Tag in der Zeitung. Das war immer so und muss auch so sein. Wir können uns nicht nur auf offizielle Pressemitteilungen verlassen, wir brauchen auch mal Hintergrundinfos, um bestimmte Sachverhalte verstehen und einordnen zu können. Und dann sagt man den Politikern auch mal: Okay, ich brauche diese oder jene Auskunft, das landet auch zunächst nicht in der Zeitung, aber ich kann diese oder jene Behörde mal mit der Information konfrontieren und weiter recherchieren und dann später darüber berichten.

Ganz im Vertrauen, liebe Römerbrief-Schreiber

Wir hoffen, das hat Sie jetzt nicht zu sehr schockiert, denn es wird noch schlimmer. In letzter Zeit beobachten wir bei manchen Politikern einen unschönen Trend. Wir bekommen im Vertrauen Infos zugesteckt, die wir schon kennen oder kurz davor sind herauszufinden. Und dann wird uns gesagt: Aber bitte nicht schreiben, das war nur für Ihren Hintergrund, ganz im Vertrauen.

Und so glauben diese neunmalklugen Menschen, sie könnten unliebsame Berichterstattung verhindern: Ganz im Vertrauen, liebe Römerbrief-Schreiber, gegen mich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen achtfachen Mordes, aber das war nur für Ihren Hintergrund, also nicht schreiben, auch nicht, wenn Sie es demnächst von der Staatsanwaltschaft hören ... Gut, das Beispiel war an den Haaren herbeigezogen. Aber so etwas geht mit uns natürlich überhaupt nicht. Dagegen hilft nur totale Transparenz. 

Wie auf Love Island

Folgende Infos also kann man uns ganz vertraulich erzählen, wir wissen davon und werden sie trotzdem der Weltöffentlichkeit mitteilen: In der Römer-Koalition geht es mitunter zu wie auf Love Island (RTL2), nur mit Klamotten, Klaus Oesterling mag keine Elektroautos, Jan Schneider hat sich über den Pokalsieg gefreut, obwohl er Ante Rebic bis dahin für einen kroatischen Trinkspruch hielt, Bernadette Weyland hat ihre Ankündigung wahrgemacht und sich nach der verlorenen OB-Wahl einen Hund gekauft, Markus Frank sagt so oft „unser“ (unsere Feuerwehr, unsere Eintracht, unsere Polizei), dass seine Kinder ihn Vater unser nennen, und Peter Feldmann trifft man häufig im Ca ... nee, bevor wir das schreiben, müssen wir erst sicher sein, dass wir allen Leserinnen und Lesern vertrauen können.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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