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Römerbriefe Waren Sie auch artig?

An Nikolaus stellt sich unweigerlich die Frage, wie sich unsere Kommunalpolitiker benommen haben. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Politiker in Frankfurt
Prost, Nikolaus: OB Peter Feldmann (links) posiert wieder für ein Bild, aber diesmal im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen. (Archivbild) Foto: Michael Schick

Göpfert: Guten Tag, ich bin der Nikolaus ...

Leppert: Guten Tag, guten Tag.

Göpfert: Mit dem Sack zieh’ ich von Haus zu Haus.

Leppert: Guten Tag. Guten Ta ... warum habe ich eigentlich diese grenzdebile Rolle und singe immer nur „Guten Tag“ – na gut, du machst als Nikolaus mehr her mit deinem Bart, schon recht, die erste Zeile des Liedes musst du singen.

Sie merken schon, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, wir sind in Weihnachtsstimmung. Wir singen Lieder und haben einen Adventskranz organisiert. Jede Kerze hat ein eigenes Logo: CDU, SPD, Grüne ... Moment, das sind nur drei. Ach so, auf der vierten Kerze finden sich die Initialen BO – Bernhard Ochs, weil der immer zusammen mit der schwarz-rot-grünen Koalition abstimmt, wenn dem Regierungsbündnis eine Stimme zu einer Zweidrittelmehrheit fehlt.

Und natürlich haben wir auch einen Adventskalender. Einen mit Bildchen. Kleine Szenen aus der Kommunalpolitik: Peter Feldmann posiert für ein Foto, Uwe Becker steht neben einer Israel-Fahne, Frank Junker schmeißt das Kind eines Drogendealers aus seinem Haus in der Platensiedlung, Markus Frank klatscht ihm dafür Beifall, während Mike Josef irgendwo nach Streetworkern sucht. Was man halt so erlebt in Frankfurt.

Aber heute ist ja nicht irgendein Tag in der Vorweihnachtszeit. Heute ist Nikolaus. Der fragt die Kinder immer, ob sie auch artig waren. Das hat er in diesem Jahr auch mit unseren Kommunalpolitikern versucht. Die Antworten waren aber ... ungewöhnlich. Wir haben herausgefunden, was der Nikolaus zu hören bekam.

Manfred Zieran (Ökolinx): „Was ist denn das für eine beschissen reaktionäre Drecksfrage. Da vorne sitzen die Rassisten von CDU, FDP, AfD, BFF, und du fragst mich so einen Kack.“

Unartige Grüne

Manuel Stock (Grüne): „Ob wir Grünen artig waren? Nein, ganz und gar nicht, total unartig. Ich beantworte Ihre Frage trotzdem mit Ja. Darauf haben wir uns in der Koalition geeinigt.“

Ina Hartwig (SPD): „Wenn ich jetzt Ja sage: Stecken Sie mir dann eine Milliarde Euro in den Stiefel für die Mainphilharmonie?“

Sylvia Weber (SPD): „Die Antwort wird in den Römerbriefen veröffentlicht? Okay, wie lautet die Pointe? Sodexo oder Jan Schneider?“

Markus Frank (CDU): „Ich bin immer artig. Fragen Sie unsere Polizei, unser Ordnungsamt, unsere Feuerwehr, unsere Rettungskräfte, unseren freiwilligen Polizeidienst, unseren Eisenbahn-Rainer ... nee, den vielleicht nicht.“

Uwe Schulz (FDP): „Meine Artig- oder Unartigkeit geht Sie nichts an. Aber ich gebe Ihnen drei Adressen, da können Sie die Leute mal fragen: In der Au 14–16, Klapperfeldstraße 5 und Leipziger Straße 91. Viel Spaß.“

Jan Schneider (CDU): „Ich war zu 87,3 Prozent artig und zu 12,7 Prozent unartig. Aber Sie wissen, ich bin als Dezernent für Wahlen zuständig, und das ist nur das vorläufige amtliche Endergebnis. Vielleicht tauchen in Oberrad noch 300 Stimmen für „Unartig“ auf, die gezählt, aber nicht gemeldet wurden. Das wäre blöd, aber dieses neue System, in das eingegeben werden muss, ob ich artig oder unartig war, ist wirklich eine Katastrophe.“

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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