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RÖMERBRIEFE Der Bühnengroschen kommt

Die Stadt sucht wieder gute Ideen zur Aufbesserung ihrer Finanzen. Sie könnte ja eine Eisdiele eröffnen oder für das Kulturangebot sammeln gehen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Eisdiele
Ob die Gründung einer stadteigenen Eisdiele Geld in die Kasse spült? Foto: Michael Schick

Leppert: Warum schleppst Du eigentlich diese zerdepperte Thermoskanne mit ins Rathaus?

Göpfert: Na ja, ich hab mir da bisschen Kaffee von zu Hause mitgebracht.

Leppert: Das ist ja wie in den 50er Jahren.

Göpfert: Aber es muss nun mal gespart werden.

 

Genau so ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Die Zeit rast, und die Sommerferien stehen vor der Tür. Und der Haushalt 2019 ist noch immer nicht unter Dach und Fach.

Natürlich fällt dem Magistrat mal wieder das Sparen schwer: 100 Millionen Euro an Kürzungen sollen zusammenkommen, wie schon fürs vorige Jahr. Der Kämmerer hatte seinen Kolleginnen und Kollegen bis zum Dienstag dieser Woche Zeit gelassen, um ihre Sparvorschläge zu präsentieren. Aber was dann so vorgelegt wurde, hat Uwe Becker doch ziemlich enttäuscht.

Als offene Provokation wurde in der CDU-Magistratsgruppe das Zugeständnis des Oberbürgermeisters gewertet, das in einem verschlossenen Briefumschlag einging. Peter Feldmann schickte seine RMV-Monatskarte für Frankfurt zurück. Mit der Absicht, sie gegen ein preiswerteres „Langschläferticket“ des Verkehrsverbundes einzutauschen – das gilt erst ab 9 Uhr.

Schon deutlich innovativer zeigte sich Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Die Grüne möchte Teile der städtischen Parks schon im nächsten Jahr den Bürgerinnen und Bürgern zur „Selberpflege“ überlassen – Handrasenmäher können in den Werkstätten des Grünflächenamtes entliehen werden.

Mit gutem Beispiel voran ging Jan Schneider – der CDU-Politiker ist nicht umsonst Dezernent für Reformprojekte. In der Hitze dieses Frühlings pflegt der Liegenschaftsdezernent mit seinem Stab in den Mittagspausen ja gerne in den Eisdielen der Innenstadt einzufallen, um dort auf die Sahne zu hauen. Doch was Schneider da vorgesetzt wird, findet er in der Regel unbefriedigend – gerade das Orangeneis und den Joghurt mit Beeren des Waldes.

Der CDU-Kreisvorsitzende, der ja ein innovatives Kerlchen ist, schlägt dem Magistrat deshalb die Gründung einer stadteigenen Eisdiele vor. Ein Projektteam dafür hat er schon mal ins Leben gerufen.

Am schwersten fällt das Sparen natürlich in der Kultur. Der Kulturausschuss des Stadtparlaments, der mangels Themen schon mal seine eigene Sitzung ausfallen ließ, hat damit immerhin ein Zeichen gesetzt.

Aber Frankfurt zeichnet sich ja durch seinen Bürgersinn und die Bereitschaft der Menschen aus, Verantwortung zu übernehmen. An diese Tradition will Kulturdezernentin Ina Hartwig beim größten Kulturprojekt der Stadt anknüpfen, der Zukunft der Bühnen. Am heutigen Donnerstag wird die Sozialdemokratin genau im Kulturausschuss die seit Langem ehrgeizigste Sammlung der Stadt bekanntgeben: den Bühnen-Groschen.

Von der Stadt gestellte Freiwillige sollen in der City mit Sammelbüchsen ausschwärmen. Jeder, der auch in Zukunft gutes Theater sehen will, kann was spenden. Zugegeben: Das kann verdammt schiefgehen...

 

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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