Lade Inhalte...

Römerbriefe Danke, Eintracht

Frankfurt ist seit dem Pokalsieg eine andere Stadt. Das merken auch unsere Politiker. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

DFB-Pokal
Der Pott ist in Frankfurt, da gehört er hin. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Leppert: Hip hip hurra!

Göpfert: Alles ist super, alles ist wunderbar.

Leppert: Hip hip hurra!

Göpfert: Alles ist besser, als es damals war.

Verzeihen Sie, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Verzeihen Sie unseren Überschwang der Gefühle. Aber wir wissen jetzt, dass alles gut wird in Frankfurt. Genauer gesagt: Wir können Ihnen den Moment sagen, in dem sich alles zum Guten wandte. Samstag, 19. Mai, kurz vor 22 Uhr. Eintracht-Spieler Mijat Gacinovic rennt alleine aufs leere Bayern-Tor zu, er rennt, rennt, rennt, dann schießt er und trifft. 3:1. Eintracht Frankfurt ist Pokalsieger. Seitdem ist alles anders in dieser Stadt. Denn wir Frankfurter haben „den Drachen besiegt“, wie Franz Josef Wagner in der „Bild“-Zeitung geschrieben hat. Und haben Sie sich mal das neue Facebook-Profilbild des Oberbürgermeisters angesehen? Peter Feldmann Arm in Arm mit Prince Boateng. Der Prinz und der König. Auf einem Foto.

Jetzt müssen wir die Gunst der Stunde nutzen, jetzt geht alles. Die Eintracht eint Menschen, die sonst nie zueinander gefunden hätten. Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) werden gemeinsam Schulen bauen. Der Stadtverordnete Wolfgang Siefert (Grüne) und Verkehrdezernent Klaus Oesterling (SPD) präsentieren ein gemeinsames Verkehrskonzept. Der Stadtverordnete Stefan von Wangenheim (FDP) lobt die Kommunale Ausländervertretung und schlägt vor, Eintracht-Spieler Ante Rebic zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Danke. Eintracht Frankfurt.

Aber wie lebt es sich eigentlich als Pokalsieger? Wie können, wie sollen unsere Politiker jetzt auftreten? Das müssen wir jetzt klären, denn vor dem Spiel hatte ja niemand daran gedacht, hinterher Pokalsieger zu sein. So etwas kann einen auch ganz schnell überfordern.

Planunsgdezernent Mike Josef (SPD) könnte jetzt natürlich im Eintracht-Trikot ins Rathaus von Steinbach gehen und Bürgermeister Stefan Naas (FDP) darauf hinweisen, dass seine Mannschaft (FSV Steinbach) nur in der Kreisliga B Hochtaunus spielt und dort nur auf dem vierten Rang steht, während er selbst gerade Pokalsieger geworden ist. Ergo: Naas kann froh sein, dass der neue Frankfurter Stadtteil tatsächlich an der Stadtgrenze endet. Aber bis dorthin wird jeder Zentimeter bebaut. Und zwar hoch.

Oder auch Kämmerer Uwe Becker (CDU). Bislang trat er im Streit um den Kommunalen Finanzausgleich immer etwas gehemmt auf. Schließlich geht er dabei ja gegen seinen Parteifreund, Finanzminister Thomas Schäfer, vor. Jetzt aber könnte Becker sagen: Wir haben den verdammten Pokal nach Hessen geholt, und wenn die Eintracht noch einmal in die Bresche springen soll, damit das provinzielle Bundesland nicht gänzlich in der medialen Bedeutungslosigkeit verschwindet, rückt ihr jetzt endlich die Kohle raus.

Aber vielleicht geht es auch etwas bescheidener. Mehr Florett, weniger Säbel. Es wird gemunkelt, dass Superdezernent Markus Frank (CDU) bereits Graf zu Wildenfels angerufen und nur einen Satz gesagt hat: Nicht immer gewinnt das Geld.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen