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Römerbergbündnis: Gegen-Demonstration in Frankfurt Gemeinsam gegen Nazis

Bei einer Kundgebung des Römerbergbündnisses gegen den Neo-Nazi Aufmarsch in der Stadt demonstrieren in der Innenstadt Hunderte für ein buntes und weltoffenes Frankfurt.

Kundgebung des Römerbergbündnis gegen den Neo-Nazi Aufmarsch in der Stadt. Foto: Monika Müller

Einzeln und frei wie Bäume, dabei geschwisterlich wie ein Wald. So sollen die Menschen leben, wünscht sich Nilüfer Bicakci vom Frankfurter Jugendring am Samstagmittag auf dem Rathenauplatz. Die junge Frau ist eine von sieben Rednern und Rednerinnen bei einer Kundgebung des Römerbergbündnisses. Das von ihr gewählte Zitat des türkischen Schriftstellers Nazim Hikmet passt besser als die Veranstalter es sich vermutlich gewünscht hätten.

Denn auf dem Platz hinter der Hauptwache haben sich um 12 Uhr nicht nur das Bündnis aus Kirchen, Jugendring, verschiedenen Gewerkschaften, Parteien und mehreren hundert Teilnehmern versammelt, um ein Zeichen „gegen Nationalismus und Ausgrenzung für ein weltoffenes Frankfurt“ zu setzen. Sie teilen sich den eingegrenzten Bereich mit der Gruppe Anti-Nazi-Koordination (ANK). „Es war nicht das Ziel, dass wir uns gegenseitig behindern und auf kleinstem Raum beschallen“, sagt Peter Paschke von der ANK dazu. Es sei bereits vor Wochen eine Demonstration um den Roßmarkt angemeldet worden und kurzfristig am Freitagabend kam der Bescheid, dass diese nicht genehmigt wurde.

Erst am Samstagmorgen haben das Römerbergbündnis und die ANK gemerkt, dass der Platz doppelt belegt sei. Die von Bicakci gewünschte Geschwisterlichkeit ist also heute besonders gefragt. Zwei Lautsprecher, zwei Bühnen, dazwischen nur rund 50 Meter und immer wieder laute Pfiffe, wenn mutmaßlich rechte Demonstranten durch die Polizeiabsperrung Richtung Roßmarkt gehen – da war gute Absprache notwendig. Doch die Kooperation klappt. Immerhin gibt es ein gemeinsames Ziel: Ein Statement gegen das rechte Bündnis „Widerstand Ost West“ zu setzen und gleichzeitig am Weltflüchtlingstag um Solidarität und Offenheit zu werben. „Wir stehen gemeinsam und beisammen“, betont Harald Fiedler, DGB-Chef und Sprecher des Römerbergbündnisses.

Zwischen der Goethe-Statue, Freßgass und unzähligen Polizisten stehen also das Römerbergbündnis, die ANK und die Frankfurter mit bunten Fahnen und setzen friedlich ein Zeichen. Kinder picknicken auf einem Pace-Tuch, Seifenblasen fliegen durch die Luft, zwei Männer sind als die Videospiel-Figur Super Mario verkleidet. Währenddessen schwirrt ein Helikopter über der Innenstadt. Immer wieder sind Sirenen und Sprechgesänge aus der Ferne zu hören. Gegen die angespannte Stimmung in der Stadt sprechen die Redner auf der Bühne an.

SPD-Landtagsabgeordneter Turgut Yüksel etwa verurteilt die „unsägliche Asyldebatte“ in der Politik,  Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank lobt aber auch das „enorme zivilgesellschaftliche Engagement“. „Hier ist kein Platz für Islamophobie, Antisemitismus und Nazis“, ruft Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) und Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, betont: „Wir wollen nicht, das Frankfurt eine Stadt ist, in der Nazis sich frei bewegen können.“ Wer Menschenrechte verachte, gehöre nicht in diese Stadt.

So sehen es auch die, die vor der Bühne stehen. „Es ist wichtig, dass Frankfurt offenherzig bleibt“, sagt Thilakshan Yogarasa. Der 21-Jährige ist selbst vor 16 Jahren von Sri Lanka geflüchtet. Die Kirche, die sozialen Einrichtungen und „tolle Menschen“ hätten ihm damals geholfen. „Jetzt will ich etwas zurückgeben.“

Immer wieder meldet sich während der zweistündigen Kundgebung Peter Paschke von der ANK mit seinem Megafon zu Wort. Er zitiert Twitter-Meldungen über Blockaden, Randale und die Aktivitäten der rechten Demonstranten in der Stadt. Das Römerbergbündnis unterbricht dafür jedes Mal sein Programm. Geschwisterlich wie ein Wald für ein buntes Frankfurt.

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