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Rödelheim Zweifel an Lage von Flüchtlingsunterkunft

Rund 400 Flüchtlinge ziehen im Sommer in eine Notunterkunft an der Ludwig-Landmann-Straße. Die Solidarität ist groß, doch der Standort erscheint nicht optimal für die Integration der Menschen.

In fünf Stockwerke des Nielsen-Hochhauses baut die Stadt Flüchtlingsunterkünfte. Foto: christoph boeckheler*

Dass im Sommer 400 Flüchtlinge in das sogenannte Nielsen-Hochhaus zwischen Bockenheim und Rödelheim ziehen sollen, stößt bei Barbara David grundsätzlich auf Zuspruch. „Rödelheim ist ein ganz toller Stadtteil“, sagt die Dame, die sich im Netzwerk „Willkommen in Rödelheim“ engagiert. Es gebe viele Initiativen. „Die Menschen werden hier gut aufgenommen.“

Allerdings: Den Standort an der Ludwig-Landmann-Straße 405 hält David nicht für optimal. Die Liegenschaft sei abgelegen, sagt sie. „Die Menschen sind von Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten abgeschnitten.“ Lediglich ein kleiner Supermarkt sei fußläufig zu erreichen. So seien die Flüchtlinge auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.

Die Sprecherin des Sozialdezernats springt ihr bei. „Die Lage an der Ludwig-Landmann-Straße ist nicht perfekt für die Integration der Menschen“, sagt Manuela Skotnik. Auf einer Infoveranstaltung im Saalbau Bockenheim hat sie das Vorhaben am Mittwochabend erläutert. Sie ruft daher Kirchengemeinden und Initiativen dazu auf, auf die Menschen zuzugehen.

Beim Betreiber der Notunterkunft, dem Deutschen Roten Kreuz Frankfurt, ist man überzeugt: In Bockenheim und Rödelheim gebe es Institutionen „auf sehr hohem Level“, wie Geschäftsführer Dierk Dallwitz sagt. Leiterin wird Julijana Sokcevic, die derzeit für die Containeranlage im Sachsenhäuser Länderweg zuständig ist. „Wir freuen uns auf die neue Unterkunft“, sagt sie.

Vertrag über drei Jahre

Wie die FR bereits gestern berichtete, sollen ab Sommer etwa 400 Menschen im Nielsen-Hochhaus gegenüber der Postsiedlung am Biegwald unterkommen. Es handelt sich um Familien und allein Reisende. Hintergrund ist, dass von den 4500 der Stadt zugewiesenen Flüchtlingen noch etwa 2000 in Notunterkünften wie Turnhallen und Hotels leben. Auch wenn die Zahlen rückläufig seien: „Wir müssen weiter ausbauen“, sagt Skotnik.

Ein Viertel der künftigen Bewohner im Nielsen-Haus ist jünger als 18 Jahre. Die Familien ziehen in den ersten und zweiten, Alleinstehende in den dritten und vierten Stock. Im Erdgeschoss stehen Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Dort gibt es Sprachkurse. Sozialbetreuer organisieren den Alltag. Auch soziale Beratung für individuelle Belange wird es geben. „Das soll ein Ort des Wohnens und der Heimat werden“, sagt Dierk Dallwitz.

Die Stadt hat mit dem Vermieter einen Vertrag über drei Jahre geschlossen – mit Option auf weitere drei Jahre. „Wir werden relativ wenig in den Bestand eingreifen“, sagt Steffi Illemann von der Firma Eismann und Partner, die die Räume herrichtet. So müssen gemeinschaftliche Sanitäranlagen geschaffen werden. Für die Verpflegung sorgt eine Cateringfirma, die derzeit die Unterkunft im Länderweg beliefert.

Etwa 50 Menschen besuchten die Infoveranstaltung im Saalbau. Widerstand gegen die Unterkunft – wie in manchen anderen Stadtteilen – regte sich kaum. Nur ein Bürger äußerte seinen Unmut. Die übrigen Gäste solidarisierten sich mit den Flüchtlingen.

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