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Rödelheim Vergessenes sichtbar machen

An Stelle der von den Nazis zerstörten Rödelheimer Synagoge soll ein Ort des Miteinanders entstehen. Die Bauarbeiten dafür sollen Anfang August beginnen.

13.07.2015 11:15
Wo einst die Synagoge stand, gibt es bald eine Gedenkstätte. Foto: Rolf Oeser

Beim Vorhaben, die einstige Rödelheimer Synagoge wieder sichtbar zu machen, ist der erste Spatenstich getan – durch Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), der stellvertretenden Ortsvorsteherin des Ortsbeirates 7, Michaela Will (SPD), und den Architekten des Projekts, Horst-Günter Kroneisen. Die Synagoge war im Jahre 1838 erbaut und hundert Jahre später von den Nationalsozialisten bei den Novemberpogromen verwüstet worden.

Seit rund zehn Jahren setzen sich Bürger und Vereine sowie die christlichen Kirchengemeinden dafür ein, dass am Mahnmal im Brentanopark eine Gedenkstätte entsteht. Die Bauarbeiten dafür sollen Anfang August beginnen und etwa zwei Monate andauern.
Das Projekt mache deutlich, dass die Jüdische Gemeinde ein „wesentlicher Teil der Rödelheimer Geschichte“ sei, sagte Cunitz bei der feierlichen wie mahnenden Veranstaltung zum ersten Spatenstich, zu der etwa 40 Menschen gekommen waren. Harry Schnabel vom Vorstand der Frankfurter Jüdischen Gemeinde bezeichnete das Projekt als „Stolperstein der besonderen Art“; entstehen werde ein „öffentlicher Raum mit viel Symbolik“.

Die Initiative will den Grundriss der Synagoge mit hellen Betonplatten nachbauen. „Absichtlich“ werde damit die Decke eines Weges durch den Park, das Inselgässchen, vom Beton unterbrochen, sagte Armin Kroneisen vom Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim. Weiter sollen acht Betonquader die Sitzreihen der Synagoge andeuten.

Religionen zusammenführen

Außerdem wird dem Architektenentwurf seines Vetters nach eine Gedenk-Stele mit symbolischer Thora sowie eine Informationstafel aufgestellt. Das Mahnmal, das dort seit 1979 steht, bleibt bestehen, wird aber um einige Meter verrückt.
Die Kosten für das Projekt betragen etwa 38 500 Euro. Stadt und Ortsbeirat übernehmen jeweils 10 000 Euro; der Rest würde durch Spenden gestemmt, so Kroneisen. Der 79-Jährige wünscht sich, dass mit dem Geld ein Ort zum Erinnern, zum Lernen sowie ein Ort der Begegnung entsteht. So könnte die Gedenkstätte zum Beispiel zum gemeinsamen Gebet von Christen und Juden anregen, hofft Kroneisen.

Schon bei der Eröffnung der Synagoge 1838 habe der Überlieferung nach ein evangelischer Pfarrer gesprochen, sagte Vize-Ortsvorsteherin Will. Das verdeutliche das damalige Miteinander von Christen und Juden.
Etwa ein Drittel der Rödelheimer Bevölkerung sei während der ersten Dekaden des 19. Jahrhunderts jüdisch gewesen, berichtete Kroneisen; das waren etwa 400 Menschen. Nach der NS-Katastrophe gehörten der gesamten Jüdischen Gemeinde Frankfurts bei ihrer Neugründung im Jahr 1948 nur noch 500 Menschen an, so Schnabel. jov

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