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Rödelheim Mieterdemo lässt Besichtigungstermin platzen

Gegen den Verkauf eines Hauses an einen Investor regt sich Protest. Eine Demo mit 100 Teilnehmern richtet sich gegen geplante Eigentunswohnungen.

20.01.2017 01:00
Joel Schmidt
"Wohnraum für alle" fordern die Teilnehmer der Demo in Rödelheim. Foto: peter-juelich.com

Der Slogan „Hausverkauf stoppen. Wohnraum für Alle“ ist auf einem Transparent vor dem fünfstöckigen Altbau in der Hattsteiner Straße zu lesen. Mehr als 100 Leute haben sich in der Abenddämmerung auf der Kreuzung vor dem Wohnhaus, in dem seit Jahren ausschließlich Wohngemeinschaften leben, zu einer Kundgebung versammelt.

Anlass für ihren Protest ist der angekündigte Besichtigungstermin des Hauseigentümers mit einem Kaufinteressenten. Die Bewohner des Hauses fürchten eine bevorstehende Kernsanierung und den anschließenden Verkauf als hochpreisige Eigentumswohnungen, wie sie in der Kundgebung erläutern. „Das können wir uns als Wohngemeinschaften so nicht leisten und da ist dann kein Platz mehr für uns“, erklärt Robert, einer der Bewohner, der seinen Nachnamen lieber für sich behalten möchte.

Die Mietgemeinschaft fordert den Stopp des Verkaufs. Damit möchte sie Zeit gewinnen, um dem Eigentümer eventuell eigene Angebote machen zu können. „Es gibt viele Möglichkeiten, sozialverträgliches Wohnen zu realisieren“, sagt Robert und verweist auf bereits bestehende städtisch geförderte Wohnprojekte.

Auch Conny Petzold vom Verein Mieter helfen Mieter Frankfurt kritisiert in ihrem Redebeitrag, dass der Stadtteil vermehrt in den Blick von Investoren gerate. Durch Modernisierung und anschließende Neuvermietung lassen sich „eben deutlich höhere Erträge erzielen“, was wiederum, wie sie mit Bezug auf den Protest sagt, „deutlichen Druck auf die Mieter erzeugt“.

Während des Wartens kommen die umherstehenden Anwohner miteinander ins Gespräch. Eine Anwohnerin aus der angrenzenden Niddagaustraße berichtet, dass das Haus, in dem sie lebt, ebenfalls zum Verkauf steht und dass sie Angst hat, Menschen mit geringem Einkommen könnten es sich bald nicht mehr leisten, weiterhin hier zu leben. Doch der Anblick der Kundgebung macht ihr Mut: „Offenbar sind wir nicht die Einzigen, die der Meinung sind, dass man sich das alles nicht unwidersprochen gefallen lassen muss.“

Nach einer Dreiviertelstunde verkündet einer der Bewohner schließlich, dass der Besichtigungstermin seitens des Hauseigentümers kurzfristig abgesagt wurde. Auf Nachfrage der FR zeigt dieser sich überrascht von dem massiven Protest und führt private Gründe für den Verkauf des Hauses an.

Beim Gang in die gegenüberliegende Kneipe, wo im Anschluss ein weiterer Austausch über die anstehenden Veränderungen im Stadtteil stattfindet, verkündet Svenja von der neu gegründeten Initiative Rödelheim Solidarisch voll Euphorie: „Wir haben heute gezeigt, dass eine starke Nachbarschaft viel erreichen kann“ und bedankt sich bei den Demonstranten.

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