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Rocker in Frankfurt Rocker trotz Verbots noch aktiv und fröhlich

Die Hells-Angels-Charter „Westend“ und „Frankfurt“ sind verboten, den Mitgliedern ist das herzlich egal.

Hells Angels
Das Hells Angels-Emblem, ein Totenkopf mit Helm und Flügeln. Foto: Arne Dedert/Archiv

Das vorerst letzte Mal, dass die Hells Angels mal wieder Muskeln spielen ließen, war im März dieses Jahres. Da verurteilte das Landgericht das 57 Jahre alte Clubmitglied Athanasios A. als einen der Schützen vom Stoltze-Platz nach zehnmonatiger Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und drei Monaten. A. hatte mit einem weiteren, nach wie vor flüchtigen Höllenengel am helllichten Himmelfahrtstag 2016 das Feuer auf einen abtrünnigen Rocker eröffnet, der den Fehler gemacht hatte, in einem szenetypischen weißen Mercedes-SUV am belebten Stoltze-Platz vorbeizudefilieren, an dem auch ein paar rivalisierende Rocker herumhockten. Der Fahrer wurde lebensgefährlich verletzt, der Grund für die Ballerei waren rockerinterne Nickeligkeiten. Offenbar hatte das Opfer dem Vizepräsidenten des verbotenen Charters Westend bei einem Gespräch unter Männern die Nase gebrochen.

Der Tag der Urteilsverkündung geriet zur Machtdemonstration. Das Tragen der Kutten der beiden Charter „Westend“ und „Frankfurt“ ist zwar untersagt, seit der damalige Hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) im September 2011 die beiden Ortsvereine wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Strafgesetzbuch hatte verbieten lassen. Aber im Hochsicherheitssaal des Landgerichts zeigte sich, dass die Rocker nicht nur nach wie vor existent, sondern immer noch so gut organisiert sind wie ehedem. Etwa 50 muckibudengestählte Volltätowierte, bewacht von etwa 20 mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten, vermittelten von Anfang an nicht den Eindruck, als seien sie Rekruten der Heilsarmee. Ihren alten Kumpel auf der Anklagebank grüßten sie mit Victory-Zeichen, beim Eintreten des Gerichts blieben sie auf ihren Stühlen hocken, bis sie sich auf ein dezentes Zeichen des Westend-Chefs Walter B. doch erhoben. Der Urteilsspruch der Kammer unter der Vorsitzenden Richterin Bärbel Stock wurde lauthals mit Bemerkungen wie „Die ist doch nicht sauber, die Alte!“ kommentiert.

Das ehemalige Clubhaus in der Mainzer Landstraße, eine ansehnliche Gründerzeitvilla, hat das Charter Westend aufgeben müssen. Die Kutten sind optisch aus dem Bahnhofskiez verschwunden, aber es ist kein Geheimnis, dass die alten Strukturen nach wie vor Bestand haben und die Rocker große Teile des Rotlichts kontrollieren. Einige in der Hierarchie hochstehende Rocker besitzen etliche Kiez-Immobilien. Die Anwälte, die sich die Hells Angels leisten, rekrutieren sich in der Regel aus der ersten Garde.

Was genau treiben die Hells Angels?

Dass die Hells Angels weiter in Frankfurt aktiv sind, daran besteht kein Zweifel. Als Anfang 2016 in Unterliederbach ganz offiziell an der Eröffnung eines „Angels Place“ gewerkelt wurde, da sagte die Polizei, dass schon klar sei, wer da renoviere, man aber nichts machen könne. Es handele sich offenbar um das neue Clubhaus des relativ neuen Charters „South West Area“ – und das sei nicht verboten.

Was genau die Hells Angels so treiben, erzählen sie am besten selbst – auch wenn es zum Codex der Rocker gehört, nicht mit Außenstehenden darüber zu reden. Aber eine schöne Gegendarstellung der Rocker im „Journal Frankfurt“ bringt es ganz gut auf den Punkt. Dort erschien Ende 2011 unter der Überschrift „Keine harmlosen Motorradfahrer“ ein Text, der die Vereinsaktivitäten recht griffig zusammenfasste: „Zudem waren die beiden Frankfurter Charter auch Ausgangspunkt für Straftaten von großer Brutalität. Totschlag, schwere Vergewaltigung von Frauen, schwere Körperverletzungen, Drogen- und Menschenhandel und Prostitution gehörten dazu.“

Die Gegendarstellung kam prompt, eingereicht und unterzeichnet von „Walter B. (Präsident des Hells Angels Charter Westend bis zur Verkündung des Vereinsverbots)“. In der heißt es: „Diese Behauptung ist falsch. Es ist nicht bekannt, dass es jemals gegen ein Mitglied des ,Charters Westend‘ den Vorwurf der schweren Vergewaltigung von Frauen gegeben hat.“

Der Rest dürfte dann ja wohl zutreffen.

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