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Riederwaldtunnel Kampf um die Bäume am Erlenbruch

Im Umweltausschuss gibt es Protest gegen die Baumfällarbeiten lange vor Baubeginn des Riederwaldtunnels.

Frankfurt-Riederwald
Baustelle Riederwald: Mensch und Natur warten auf das, was kommt. Foto: peter-juelich.com

Gegen geplante Rodungen für den Riederwaldtunnel haben Vertreter der Bürgerinitiativen im Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA) am Donnerstagabend im Umweltausschuss der Stadtverordneten protestiert. Sie forderten die Parlamentarier auf, die charakteristischen Bäume zu schützen. Die Stadt solle ihre Zustimmung zu den Fällungen verweigern.

Der Riederwaldtunnel soll die Autobahnen A66 und A661 im Osten der Stadt verbinden. Ob und wann dort Autos fahren werden, ist nach Ansicht des Bündnisses völlig offen, ein Baubeginn frühestens 2022 zu erwarten. Aber schon in diesem November beginnen die Vorarbeiten für Abwasserkanäle. Zudem werden Gas-, Wasser-, Strom- und Internetleitungen aus dem Weg geräumt und auf Leitungsbrücken zusammengeführt. Dafür wollen die Projektplaner in diesem und im nächsten Jahr 48 Bäume entlang der Straße Am Erlenbruch fällen lassen, überwiegend 100-jährige Rosskastanien. Auch Sträucher sollen entfernt werden. Kritiker befürchten, dass Nachpflanzungen in vergleichbarer Größe, vor allem der alten Gehölze, über dem Tunnel nicht möglich sein werden. Der Boden biete den Wurzeln nicht genug Platz.

„Die Bäume stehen vor den Häusern Am Erlenbruch“, sagte AUA-Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck der FR. „Ich fahre da jeden Tag durch. Da wird alles brach sein – viele Jahre lang.“

Was die Autobahngegner am meisten stört: Seit Jahrzehnten werde für das Fernstraßengroßprojekt in Bornheim, Seckbach und im Riederwald Grünfläche geschleift. „Die seit 2007 bzw. 2012 gerodeten Kleingartenflächen sollten für alle verantwortlichen Politiker Mahnung genug sein!“, heißt es in einem Flugblatt, das im Umweltausschuss verteilt wurde: „Sie hätten alle bis heute problemlos weiter betrieben werden können! Eine einzige Schande!“

Bündnis: Straßenplaner wollen Fakten schaffen

Robert Lange (CDU) sagte, die Straße Am Erlenbruch sei zunächst wenig vom den Fällungen betroffen, von Kahlschlag könne keine Rede sein. Ardelt-Theeck widersprach. Pearl Hahn (Linke) regte an, das Umweltdezernat solle prüfen, ob die Fällungen noch warten können. Nach Angaben des Dezernats sind die Arbeiten mit allen zuständigen Ämtern abgestimmt.

Aus Sicht des Bündnisses wollen die Straßenplaner „wieder einmal“ Fakten schaffen. „Der Riederwaldtunnel war in den ursprünglichen Plänen ein nach oben offener Trog“, sagte Ardelt-Theeck. „Die Riederwälder sind auf die Barrikaden gegangen, als sie das sahen.“ Sie hätten Lärmschutz erzwungen, und das bleibe jetzt auch die Mission des AUA. „Wir haben eingesehen: Die Mehrheit will offenbar dieses Projekt, wir werden es nicht aufhalten können.“ Aber: „Es geht um unsere Gesundheit, unsere Lebensqualität – darum brauchen wir wirksamen Schutz vor dem Lärm, und das ist die Einhausung, auf kompletter Länge.“

Ob sie kommt, wird sich zeigen. Realistischer erscheint den Projektgegnern, dass sie nicht kommt – weil der ganze Tunnelbau nicht kommt. Die aktuellen Verkehrsuntersuchungen mit bereits heute prognostizierten Staus ließen jedenfalls nur diesen Schluss zu, betonte der Sprecher. Dass dann ganz umsonst die Riederwälder Bäume gefallen sein könnten, gruselt ihn: „Da stehen einem die Haare zu Berge.“

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