Lade Inhalte...

Rhein-Main-Gebiet Hochburg der salafistischen Szene

Hessens Innenminister Peter Beuth geht von rund 1650 Salafisten aus, ein Viertel davon stufen die Sicherheitsbehörden als gewaltbereit ein. In Frankfurt geht die Polizei mit einer Razzia gegen einen mutmaßlichen Geldsammler der Terrorgruppe IS vor.

Er soll Geld für seinen Bruder und andere Angehörige des „Islamischer Staats“ (IS) gesammelt haben: Wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat hat die Polizei am Freitagnachmittag das Zimmer eines 27 Jahre alten Türken durchsucht sowie dessen Arbeitsplatz in einem „als Treffpunkt der salafistischen Szene bekannten Grillhaus“.

Wie die Staatsanwaltschaft am Montag weiter mitteilte, wurden dort die Personalien von sechs Personen „aus dem salafistischen Umfeld“ festgestellt. Ein 36 Jahre alter Jordanier sei wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz vorläufig festgenommen worden. Der 27 Jahre alte mutmaßliche Islamist ist weiter auf freiem Fuß.

Das Rhein-Main-Gebiet gilt als Hochburg der salafistischen Szene in Hessen. Deren Anhängerschaft wächst. Von rund 1650 Aktivisten ging die Behörde von Innenminister Peter Beuth (CDU) am Montag aus. Ein Viertel von ihnen werde als gewaltbereit eingestuft. Die Zahl der aus Hessen Richtung Syrien und Irak ausgereisten Islamisten liege bei rund 125. Ein Drittel von ihnen sei zurück nach Deutschland gekehrt.

Im Kampf gegen den religiösen Extremismus setzt Hessen nicht alleine auf Repression: Vor gut einem Jahr nahm die „Beratungsstelle Hessen – Religiöse Toleranz statt Extremismus“ in Frankfurt-Bockenheim ihre Arbeit auf. Ihr Auftrag: Deradikalisierung junger Islamisten sowie Unterstützung ihrer Familien und ihres sonstigen Umfelds.

Träger ist der bundesweit arbeitende, in Berlin ansässige Verein Violence Prevention Network (VPN). Die Beratungsstelle ist Teil des ersten landesweiten Präventionsnetzwerks gegen Salafismus in Deutschland.

Erfolge der Beratungsstelle

Welche Auswirkungen die Pariser Anschläge auf die hessische Salafisten-Szene haben werden, ist laut Thomas Mücke, Koordinator der hessischen Beratungsstelle, noch nicht absehbar. Man stelle aber bereits seit einigen Wochen fest, „dass es eine größere Bereitschaft zur Ausreise nach Syrien gibt“, sagte er der FR. Weil die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak militärisch stark unter Druck stehe, fühlten sich radikalisierte Jugendliche offenbar gerade jetzt verpflichtet, in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Es habe in letzter Zeit immer wieder Hilferufe von Eltern gegeben, deren Kinder kurz davor standen, nach Syrien zu reisen.

Insgesamt zeige die Arbeit der Beratungsstelle mit ihren zehn Mitarbeitern, dass Mitglieder der Szene durchaus erreichbar seien, sagte Mücke. Momentan stehe man mit 72 gefährdeten Jugendlichen und 90 Angehörigen in ständigem Kontakt. Bei vielen Jugendlichen zeige sich bereits eine größere Distanz zur dschihadistischen Ideologie, man könne sehen, „dass die Jugendlichen anfangen, kritisch darüber nachzudenken, was in dieser Szene mit ihnen gemacht worden ist“.

Bei diesen jungen Menschen würden die Anschläge in Paris vermutlich weiter zur Entfernung vom Salafismus beitragen. Aber auch sonst gebe es gute Erfolge der Beratungsstelle: Man habe schon einige Fälle von hessischen Syrien-Rückkehrern, die wieder zur Schule gingen. „Die Strategie, der Szene den Boden und die Anhänger zu entziehen, die funktioniert“, sagte Mücke.

Die Beratungsstelle Hessen – Religiöse Toleranz statt Extremismus ist erreichbar unter der Telefonnummer 069 / 27 29 99 97 oder per E-Mail hessen@violence-prevention-network.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen