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Reinigungsfirma Vorwürfe gegen Fraport-Tochter

Menschenunwürdige Verhältnisse in den Sozialräumen, fehlende Duschen, Taschen-Kontrollen: Die Gewerkschaft IG Bau spricht von unhaltbaren Zuständen bei der Reinigungsfirma, die für das Terminal 2 am Frankfurter Flughafen zuständig ist. Fraport dementiert die Vorwürfe.

80 Männer und Frauen haben bis vor kurzem im Terminal 2 geputzt – bis Fraport diesen Auftrag an einen Fremddienstleister vergeben hat (Symbolbild). Foto: imago/Westend61

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Bau wird 80 der 650 Beschäftigten der Fraport-Tochter „Gesellschaft für Cleaning Service“ (GCS) seit geraumer Zeit übel mitgespielt. Die 80 Männer und Frauen haben bis vor kurzem im Terminal 2 geputzt – bis Fraport diesen Auftrag an einen Fremddienstleister, die Firma Sasse, vergeben hat. Wie die Gewerkschafter Manuel Negadi und Hans-Joachim Rosenbaum erklärten, sollten die GCS-Mitarbeiter bei Sasse anheuern. Wer auf dieses Angebot nicht eingehen wollte, dem sei mit einer Kündigung gedroht worden.

Alle Sozialdaten der 80 Beschäftigten seien an die Firma Sasse übermittelt worden. Die Gewerkschafter sehen darin einen Verstoß gegen den Datenschutz und haben den hessischen Datenschutzbeauftragten eingeschaltet. Die Kündigungen konnten zwar verhindert werden, doch jetzt würden die betroffenen Männer und Frauen „mindestens 25 Prozent weniger“ verdienen, weil sie nicht mehr in der Nachtschicht eingesetzt werden.

Früher habe er 2000 Euro im Monat nach Hause gebracht, jetzt seien es maximal 1400 Euro brutto, erzählte ein Mitarbeiter von GCS. Fünfzehn Jahre sei er bei der Reinigungsfirma beschäftigt, jetzt wisse er nicht mehr wie er seine Familie ernähren soll: „Ich habe drei Kinder.“

Unternehmen dementiert

Der Umgang mit den Mitarbeitern sei menschenunwürdig, kritisierten die Gewerkschafter, und das bei einer Fraport-Tochter. So seien die Zustände in den Sozialräumen unhaltbar. Dort hätten die Männer ihre Notdurft in Eimern und auf Zeitungspapier verrichten müssen. Es gebe für sie keine Duschen. Frauen hätte sich umziehen müssen, ohne vor fremden Blicken geschützt zu sein. Auch der Vorwurf, faul zu sein oder die Taschen- und Portemonnaie-Kontrollen seien als entwürdigend empfunden worden. Der Krankenstand liege bei inzwischen 16 Prozent. „Wer so behandelt wird, wird krank.“

Fraport-Sprecher Dieter Hulick räumte auf Anfrage „respektloses Verhalten einzelner Mitarbeiter“ ein. Diese würden nicht geduldet, sondern, sobald sie bekannt werden, abgestellt. Die genannten Missstände in den Sozialräumen träfen nicht zu. Eine Verletzung des Datenschutzes sehe er nicht. Man habe dem Fremddienstleister die Daten der Mitarbeiter übermittelt, weil sich Sasse mit der Übernahme des Auftrags verpflichtet habe, die Beschäftigten zu den gleichen Konditionen zu übernehmen, zu denen sie für die GCS gearbeitet hätten. Dass sie nun nur noch in der Tagschicht eingesetzt werden, habe den einfachen Grund, dass die Nachtschichten im Terminal 1 schon an andere Kollegen vergeben seien.

Auf der Montagsdemo der Flughafen-Ausbaugegner heute Abend wird eine Reinigungsfachkraft erwartet, um über ihre Arbeitsbedingungen zu berichten.

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