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Regisseur aus Frankfurt Wolfgang Kaus - ein Leben für das Volkstheater

Zum Tod von Wolfgang Kaus, dem großen Mann des Frankfurter Volkstheaters. Ein Nachruf auf den Schauspieler und Regisseur.

Hofheim
Wolfgang Kaus zeigt sein ironisches Lächeln. Foto: Renate Hoyer

Den Krankheiten, die seinen Körper in jüngsten Jahren plagten, begegnete er mit trotzigem Humor. „Ich bin noch da!“, pflegte er als erstes zu sagen, wenn wir uns trafen. Jetzt hat Wolfgang Kaus den Kampf doch verloren: Der Regisseur und Schauspieler ist nur wenige Tage vor seinem 83. Geburtstag gestorben. Über Jahrzehnte hat er weit über Frankfurt hinaus die Mundart hoch gehalten, von 1976 bis 2007 als Künstlerischer Leiter des Volkstheaters Frankfurt.

Alles beginnt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer Lehre als Industriekaufmann und der Arbeit bei Philips in der Schallplattenabteilung. Doch den jungen Mann aus Hofheim zieht es unwiderstehlich zur Bühne, und er lernt viele Theater kennen, von Memmingen bis Hamburg, von Kassel bis München. Doch seine Berufung findet er erst, als ihn 1976 Liesel Christ, die Gründerin des Frankfurter Volkstheaters, an ihr Haus holt.

Dort verwirklicht er in vielen Jahren seine Vorstellung vom volkstümlichen Theater. Das Volk sei nicht tümlich, hat Bertolt Brecht klargestellt – und genau das wird Kaus zur Maxime. Er inszeniert die Stoffe der Weltliteratur in hessischer Mundart, Shakespeare natürlich, aber auch Kleist. Und am Ende auch Brecht: Unvergessen die Inszenierung, in der Liesl Christ als Mutter Courage auf der Bühne stand. Mit dem „Urfaust“ von Goethe schafft es der Regisseur bis in die Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv. Wenn er die Menschen bewegte, sie zum Lachen brachte, aber auch zum Nachdenken, dann war der Künstlerische Leiter glücklich.

Das Publikum liebte es 

Und wenn er Schauspielerinnen und Schauspieler zu überraschenden Leistungen führte. Zum Beispiel Helmut Markwort, den damaligen Herausgeber des Magazins „Focus“, einen guten Freund, den er in der Rolle des Todes im „Jedermann“ unter freiem Himmel im Historischen Garten vor dem Frankfurter Dom besetzte. Und das Publikum liebte es. Das war im Jahre 2010, noch gar nicht so lange her.

Man muss sich das ins Gedächtnis rufen. 2007 hatte Kaus sein geliebtes Volkstheater verlassen. Und 2013 beendete Gisela Dahlem-Christ, die Tochter von Liesel Christ, die Ära dieser Bühne. Zu groß waren die künstlerischen und finanziellen Probleme geworden. Und die Stadt wollte das Volkstheater nicht mit noch mehr als jährlich 620 000 Euro unterstützen.

Zu dieser Zeit war über das volkstümliche Theater, wie Wolfgang Kaus es lebte und liebte, die Zeit ein Stück weit hinweggegangen. Der Regisseur wusste es und arbeitete dennoch weiter, als freier Künstler. Und brachte noch einmal erfolgreich Stoffe auf die Bühne, etwa „Gut gegen Nordwind“, nach dem Roman des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer. Ironischerweise geht es da um eine Liebe, die aus einer Bekanntschaft im Internet erwächst – also den sozialen Medien, die dem volkstümlichen Theater so zugesetzt hatten.

Mit Wolfgang Kaus ist wieder einer gegangen, der lange Zeit für die offene Frankfurter Stadtgesellschaft stand, ein freier Geist und ein Mann ohne Furcht. Er würde gerade jetzt gebraucht.

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