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Recycling in Frankfurt Überstunden nach Festtagen

Weihnachtlicher Verpackungsmüll sorgt in der Sortieranlage der FES für zusätzliche Arbeit. Die Anlage versorgt Papierfabriken in der ganzen Region mit neuem Rohstoff.

30.12.2016 16:55
Jöran Harders
Volker Werth wacht über den Papiermüll. Foto: Andreas Arnold

Akkurat in Ballen verpackt wartet das Altpapier am Ende der Sortieranlage auf sein zweites Leben. Einen Kubikmeter groß und rund eine Tonne schwer sind die Pakete, die von einer Maschine ausgespuckt und in Papierfabriken in der ganzen Region geliefert werden.

In einer 4000 Quadratmeter großen Halle im Fechenheimer Gewerbegebiet betreibt die Frankfurter Entsorgungs- und Service-Gesellschaft (FES) die Anlage. Darin wird das, was die Frankfurter in ihre Papiermülltonnen werfen, so sortiert, dass daraus Recycling-Papier hergestellt werden kann. Bis zu 130 000 Tonnen könnte die Altpapiersortieranlage pro Jahr verarbeiten, aktuell sind es jährlich 95 000 Tonnen. Knapp die Hälfte davon kommt aus den 75 000 Altpapiertonnen im Stadtgebiet, der Rest ist gewerblicher Abfall oder wird in anderen Kommunen, zum Beispiel in Kelsterbach oder Mühlheim, eingesammelt.

Besonders viel zu tun haben die Mitarbeiter in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Dann werden nämlich all die Verpackungen angeliefert, in denen die im Online-Versandhandel bestellten Weihnachtsgeschenke verschickt wurden. Hinzu kommen Geschenkpapier und Werbeprospekte, von denen es vor den Feiertagen ebenfalls mehr gibt als im Rest des Jahres. Zuerst wird der Papiermüll einfach von den Entsorgungsfahrzeugen der FES in die Halle gekippt und mit Radladern in die Anlage geschoben.

Volker Werth wacht an dieser Stelle darüber, dass dabei Dinge, die ganz offensichtlich kein Altpapier sind, gar nicht erst in die Sortieranlage gelangen. Nicht nur normaler Hausmüll findet sich immer wieder in den Papiermülltonnen. Die Laster laden regelmäßig auch alles Mögliche ab, was man dort wirklich nicht erwarten würde: von Fahrradrahmen über LKW-Reifen bis hin zu Tierkadavern.

Damit aus dem Papiermüll der Rohstoff Altpapier wird, der von der Industrie weiterverarbeitet werden kann, sortiert die FES das Material in Fechenheim in drei Kategorien. Für Betriebsleiter Guntram Hinse ist die Kategorie „Deinking“ die wichtigste. „Die Bezeichnung Deinking bezieht sich auf die Weiterverarbeitung des Altpapiers“, erklärt Hinse. Der Name bedeute, dass im Altpapier dieser Qualitätsstufe ausschließlich Papier enthalten sei, aus dem sich die Druckfarbe wieder herauswaschen lässt. Nur aus solchem Material kann Papier hergestellt werden, das sich seinerseits wieder bedrucken lässt und das dann beispielsweise für Zeitungen verwendet werden kann. „Deinking ist die höchste Qualitätsstufe des Altpapiers. Nur mit dieser Kategorie können wir den Profit erwirtschaften, den wir brauchen, damit sich die Anlage überhaupt rentiert“, erläutert Hinse.

Dass heute weniger Zeitung gelesen und mehr bei Versandhändlern bestellt wird als vor zehn oder zwanzig Jahren, ist daher für Unternehmen wie die FES unerfreulich. Denn dadurch wandern mehr Kartonverpackungen und Zeitungen und Zeitschriften ins Altpapier, was die Qualität mindert. Auch die Gesamtmenge des in Frankfurt jährlich anfallenden Papiermülls ist in den vergangenen Jahren weniger geworden. Waren es 1995 im Durchschnitt noch 71,3 Kilogramm pro Einwohner, kamen 2015 nur noch 57,3 Kilogramm zusammen. Schuld daran sei aber nicht etwa die mangelnde Sortiermoral der Frankfurter – im Gegenteil. „Die Altpapiertrennung in den Haushalten funktioniert sehr gut“, stellt Hinse fest. Das zeige sich schon daran, dass nur rund ein Prozent des Papiermülls aus so genannten Störstoffen bestehen, also aus Abfall, der eigentlich nicht in die Papiertonne gehört. Bei anderem Recycling-Material, etwa bei den Kunststoffen und Verpackungen, die über das Duale System eingesammelt werden, sei dieser Anteil viel höher.

In der Sortieranlage wird das angelieferte Altpapier zunächst mechanisch gesiebt. Dabei werden schon mal Kartonverpackungen, die größer als DIN A 4 sind, und Papierstücke, die weniger als zehn Zentimeter groß sind, aussortiert. Erstere kommen in den Container für Kartonagen, letztere gehören in die Kategorie Mischpapier. Mit Hilfe einer Kamera und eines Farbsensors werden anschließend neben Kartons durchgefärbtes Papier und Störstoffe herausgefiltert.

Am Schluss läuft alles über Fließbänder, an denen Mitarbeiter manuell all das herausnehmen, was die Maschinen nicht erkannt haben, vor allem Kunststofffolien oder synthetisches Papier. An einem der Bänder steht Gabriele Seipel, die beispielsweise blitzschnell Folien aufreißt, in die Prospekte eingewickelt sind. Die Prospekte bleiben auf dem Band, die Folien wirft sie in den Behälter für Restmüll. Nur der Restmüll wird schließlich in die Müllverbrennungsanlage gefahren, alles andere wird wiederverwertet. „Beim Altpapier haben wir eine Recyclingquote von 100 Prozent“, sagt FES-Sprecher Stefan Röttele. Alle Altpapierqualitäten könnten von der Industrie komplett wiederverwertet werden.

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