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Reaktion auf Kritik „Von Israelhass kann keine Rede sein“

Matthias Jochheim, Organisator der Konferenz zu „50 Jahre israelische Besatzung“ in Frankfurt, verwahrt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe.

Matthias Jochheim
Matthias Jochheim ist Sprecher von Kopi und Mitorganisator der Konferenz. Foto: privat

Herr Jochheim, hassen Sie Israel?
Nein, das weise ich entschieden zurück. Erst einmal bin ich mir der deutschen Vergangenheit bewusst und weiß, dass Israel ein Zufluchtsort war für sehr viele Menschen, die vor dem Nazi-Terror fliehen mussten. Ich habe Israel auch schon besucht. Wir haben ja auch Kontakt zu israelischen IPNNW-Kollegen und stehen im regen Austausch. Von Israelhass kann keine Rede sein.

Die Gegner Ihrer Konferenz bezeichnen Sie aber gerne mal als Israelhasser...
Sie sprechen da unter anderem von Jutta Ditfurth. Ich finde Frau Ditfurth geht da ziemlich schnell auf eine persönliche Ebene und wird beleidigend. Das bringt uns nicht weiter. Es geht doch um einen schwerwiegenden politischen Konflikt. Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Und es sind jede Menge Emotionen im Spiel. Sehen Sie, wir arbeiten mit der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden zusammen, wir arbeiten mit Moshe Zuckermann zusammen. Von sieben Rednern unserer Konferenz sind drei Israelis.

Das Thema Ihrer Konferenz lauter „50 Jahre israelische Besatzung“. Das ist ein weit gefasstes Thema. Was ist die konkrete Zielsetzung der Veranstaltung?
Erst einmal wollen wir uns den Status quo vor Augen führen und wie dieser entstanden ist. Wie kam es dazu, dass dieser unbefriedigende und unfriedliche Zustand besteht, für den es im Moment keine vernünftige Perspektive zu geben scheint. Wir denken, die Zivilgesellschaften in Israel, aber auch in Deutschland und Europa müssen aktiver werden. Dafür müssen wir eine Bestandsaufnahme machen: Was können wir tun? Wie können wir zum Beispiel verhindern, dass Deutschland immer weiter Waffen in die Region liefert?

Werden Sie auch über die Legitimität der palästinensischen Widerstandsformen debattieren? Anschläge auf Zivilisten etwa?
Die palästinensischen Vertreter, die bei uns auftreten, sind mit Sicherheit keine Befürworter von Terroranschlägen.

Majida Al Masri, ehemals Sozialministerin der Autonomiebehörde, soll Medienberichten zufolge Hamas und PLO zur Einigkeit aufgefordert haben, „um Israel zu vernichten“.
Also, ich habe noch mal einen palästinensischen Mitstreiter im Kopi-Bündnis gefragt. Er ist sich sicher, dass Frau Al Masri das nicht gesagt hat. Die Regierung, der sie angehört hat, wurde ja von der PLO getragen. Und wie Sie wissen, hat Yassir Arafat bereits 1993 die Existenz Israels anerkannt. Das war auch die Grundlage für den damaligen Friedenprozess. Davon sind die PLO und die Autonomiebehörde nie abgerückt.

Ein anderer Redner, George Rashmawi, hat immer wieder erkennen lassen, dass er die Hamas für einen Teil des legitimen bewaffneten Widerstands der Palästinenser hält.
Wir haben im Kopi-Bündnis eine Grundsatzerklärung verabschiedet, in der wir uns darauf festlegen, zivile Mittel des Widerstands zu unterstützen – und nur diese. Dazu gehört, dass wir in keiner Weise die gewaltsame Vertreibung israelischer Bürger propagieren, auch nicht aus den illegalen Siedlungen im Westjordanland und auf dem Golan. Deren Rückbau muss Ergebnis einer Verhandlungslösung sein. Und ich habe von Herrn Rashmawi noch nie Gegenteiliges gehört.

Herr Rashmawi unterstützt auch die BDS-Kampagne.
Die BDS-Kampagne orientiert sich an dem Boykott des südafrikanischen Apartheidsregimes. Damals ging es auch nicht darum, die weißen Einwohner Südafrikas zu vertreiben, sondern darum, eine bestimmte Struktur dieses Staates anzuprangern und zu bekämpfen.

Wie können Sie Israel ernsthaft als Apartheidsregime bezeichnen? Mehr als ein Fünftel der israelischen Staatsbürger sind Araber, und sie genießen die gleichen Rechte wie ihre jüdischen Mitbürger.
Erst einmal gibt es im Alltag schon eine Reihe von Diskriminierungen. Aber natürlich haben die arabischen Israelis einen anderen Status als die Palästinenser in den besetzten Gebieten. Diese haben keine politischen Rechte. Sie können die Autonomieregierung wählen, die faktisch kaum staatliche Befugnisse hat. Das ist ein kolonialer Zustand.

Am Wochenende wird es auch Proteste gegen Ihre Konferenz geben. Gibt es etwas, dass Sie der Gegenseite sagen möchten?
Uri Avnery hat gesagt, um Frieden zu schaffen, müsse man nicht mit seinen Freunden sprechen, sondern mit seinen Feinden. In Deutschland sind wir keine Feinde, sondern Gegner. Wenn unsere Tagung dazu beiträgt, dass man die unterschiedlichen Auffassungen benennt und sich damit auseinandersetzt, haben wir schon viel gewonnen.

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