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Razzia bei Demo-Fotografen Empörung über Razzia

Zehn Monate nach den M31-Krawallen in Frankfurt durchsucht die Polizei Räume von Fotografen. Das Pikante daran: Bei den Fotografen handelt es sich um Journalisten, deren Wohnungen nicht so einfach durchsucht werden dürfen. Entsprechend groß ist die Empörung bei den Gewerkschaften.

Am Allerheiligentor stehen sich am 31. März 2012 Autonome und Polizei gegenüber. Foto: Michael Schick

Zehn Monate nach den M31-Krawallen in Frankfurt durchsucht die Polizei Räume von Fotografen. Das Pikante daran: Bei den Fotografen handelt es sich um Journalisten, deren Wohnungen nicht so einfach durchsucht werden dürfen. Entsprechend groß ist die Empörung bei den Gewerkschaften.

Leuchtraketen fliegen durch die Lange Straße, in der Berliner Straße hängen Wolken von Pfefferspray in der Luft, immer wieder gibt es wüste Schlägereien zwischen Autonomen und der Polizei, am Ende stehen mehr als 100 Festnahmen: Keine Demonstration in Frankfurt hat in den vergangenen Jahren für so viel Aufsehen gesorgt wie „M31“, der von Krawallen überschattete Protestmarsch gegen den Kapitalismus am 31. März des vorigen Jahres. Nun hat „M31“ ein Nachspiel: Bei acht Fotografen in Frankfurt, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hämmern am frühen Mittwochmorgen Polizisten gegen die Tür. Sie stellen Bilder sicher, um den Überfall auf einen Kollegen bei jener Demonstration aufzuklären. Das Pikante daran: Bei den Fotografen handelt es sich um Journalisten, deren Wohnungen nicht so einfach durchsucht werden dürfen. Entsprechend groß ist die Empörung bei den Gewerkschaften.

Noch immer ist nicht klar, wie genau der Angriff auf den Polizisten an jenem März-Tag ablief. Offenbar stand der Beamte, der als Kommunikator eingesetzt war und keine Schutzkleidung trug, weitgehend alleine in der Berliner Straße, als eine Gruppe Vermummter angerannt kam, ihn niederschlug und ihm eine Chemikalie ins Gesicht sprühte. Zeitweise stand zu befürchten, der Polizist werde sein Augenlicht verlieren.

Vor allem der Überfall führte zu der Bewertung der Frankfurter Polizei, wonach „M31“ die gewalttätigste Demonstration seit vielen Jahren war. Diese Einschätzung gab wiederum den Ausschlag für das Verbot der Blockupy-Proteste keine zwei Monate später. Die Krawalle, so betonten Polizei, Landes- und Stadtregierung, dürften sich auf keinen Fall wiederholen.

Polizei wollte an Original-Fotos kommen

Nun, mehr als zehn Monate nach der Tat, sah die Staatsanwaltschaft endlich die Chance, den Angriff aufzuklären. Doch auf den Bildern, die laut Sprecherin Doris Möller-Scheu ganz in der Nähe des Tatorts entstanden sein müssen, waren sämtliche Personen unkenntlich gemacht worden. Um an die Originale zu kommen, ließ die Behörde die Wohnungen durchsuchen – und übersah dabei offenbar, dass es sich bei den Betroffenen um Pressefotografen handelt.

Christian Jäger etwa arbeitet unter anderem für den Tagesspiegel und berichtet im Gespräch mit der FR von zehn Polizisten, die am Mittwochmorgen an seine Tür geklopft hätten – mit einer Ramme im Gepäck, um die Tür zur Not aufzubrechen. Das war nicht nötig. Jäger öffnete die Tür und ließ die Polizisten gewähren.

Irritiert über das Vorgehen der Behörden ist auch Manfred Moos vom Fachbereich Medien der Gewerkschaft Verdi in Hessen. Er betonte, Journalisten seien keine Gehilfen der Staatsanwaltschaft. Die Durchsuchungen schüchterten nicht nur Reporter, sondern auch Informanten ein. Sie müssten befürchten, dass vertrauliches Material beschlagnahmt werde. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete die Razzien als „völlig überzogen“. Sie schränkten die „freie Berufsausübung der betroffenen Kollegen erheblich ein“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

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