Rassismus Totenkopf am Zaun

Ein Hauseigentümer nutzt sein Grundstück in Frankfurt, um seine rechtspopulistischen Plakate und Schriftzüge zur Schau zu stellen. Die Nachbarn sind empört. Doch sie können nichts dagegen unternehmen.

Rechtspopulistische Schriftzüge empören die Nachbarn. Fotograf:

Sie wolle nicht weiter stumm daran vorbeigehen, erklärt Maria Wolz. Nicht nach dem, was in den vergangenen Tagen ans Licht kam über den Rechtsextremismus in Deutschland. Sie sei im „höchsten Grade besorgt“ wegen der Parolen und Plakate an denen sie jeden Morgen vorbeilaufen muss. „Keine Empfindungen gegenüber Türkischem“ ist da unter anderem zu lesen. „Das ist meinem Empfinden nach überhaupt nicht o.k.“, sagt sie empört. Schon in der vergangenen Woche wandte sie sich deshalb an die Polizei.

Wolz ist nicht die einzige Anwohnerin, die sich über das Haus im Frankfurter Marbachweg 326 beschwert. Der Hauseigentümer Ingo Schäfer (Name geändert), der allein dort lebt, nutzt sein Grundstück schon seit Wochen, um seine rechtspopulistischen Plakate und Schriftzüge zur Schau zu stellen. Regelmäßig muss er die Parolen erneuern, da Unbekannte diese immer wieder entfernen oder unkenntlich machen. Am Gartentor prangt in großen Lettern: „Hayir - Türkiye“ – „Nein - Türkei“. Die meisten Parolen sind allerdings auf Deutsch niedergeschrieben, wenngleich das zum Verständnis einiger Schriftzüge wenig beiträgt. Wie zum Beispiel bei diesem: „Skandalabtreibungen können. Gegen Exokontinentales nutzen.“ Eine Passantin – wie viele, die an dem Haus vorbeigehen, will sie anonym bleiben – versteht gar nicht, was Schäfer damit sagen will. Über die Botschaften, die sie versteht, ist auch sie besorgt. „Gerade für die Türken, die hier in der Nachbarschaft wohnen, ist das kaum hinzunehmen“, sagt die Anwohnerin. Sie hofft, dass die Polizei bald einschreitet. „Die schauen ja laufend hier vorbei“, weiß sie zu berichten.

Polizeisprecher Alexander Kießling bestätigt das: „Wir schauen da sehr genau auf die Finger.“ Schon in der vergangenen Woche, nachdem Maria Wolz angerufen hatte, sei der polizeiliche Staatsschutz vor Ort gewesen und habe Fotos gemacht. Die Staatsanwaltschaft habe den Fall daraufhin geprüft und sei zum Ergebnis gelangt, das „bislang alles noch im legalen Rahmen“ sei, erklärt Kießling.

Eine weitere Anwohnerin will das nicht glauben. Sie erstattete am Montag Strafanzeige gegen Schäfer. Besonders entsetzt ist sie über ein kleines Plakat, welches an einem Baum auf dem Grundstück angebracht ist. „Ami go tot“ ist darauf zu lesen. Darunter hat Schäfer einen Totenkopf aufgemalt. Er erklärt, dass es sich dabei sehr wohl um jenes Symbol handele, das die SS-Totenkopfverbände verwendeten. Im Nationalsozialismus waren diese Verbände für die Konzentrationslager zuständig. Schäfer verweist jedoch auch darauf, dass der Totenkopf schon im Ersten Weltkrieg auf Panzern zu finden gewesen sei – und damit kein alleiniges Symbol der SS sei.

Mittlerweile ist auch der Ortsbeirat informiert und hat eine Anfrage an den Magistrat gestellt. Eine Antwort, wie mit dem Fall zu verfahren sei, steht jedoch noch aus. Schäfer gibt sich trotz aller Proteste gelassen: „So viel Aktivität ist das ja auch noch nicht“, wiegelt er ab. Was er damit genau meint, konkretisiert er nicht näher. Viele Plakate hat er von der NPD zugeschickt bekommen. Schäfer selbst ist jedoch noch kein Parteimitglied. Wieso, kann er sich nicht erklären. Schon seit einem Jahr versucht er in die Partei aufgenommen zu werden. Den letzten Antrag habe er im vergangenen Sommer gestellt – ohne eine Antwort zu bekommen.