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Rassismus Rechten Parolen Paroli bieten

Gemeinsam gegen Rassismus: Das Aktionsbündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ will „Stammtischkämpfer“ mit Argumenten ausstatten.

Parteiübergreifend will sich das Bündnis der AfD widersetzen. Foto: Renate Hoyer

"Ich verstehe nicht, warum wir Deutschen nicht stolz auf unsere Kultur sein dürfen“, klagt Luca Schirmer. „Alle anderen dürfen das doch auch.“ Dominik Danner überlegt nicht lange und entgegnet: „Man muss selbst dazu beitragen, damit man auf etwas stolz sein kann.“ Er betont: „Auf Fremdenhass darf man nicht stolz sein.“ Darauf weiß Schirmer keine Antwort: „Da fällt mir nix zu ein.“

Luca Schirmer äußert dabei nicht seine eigene Meinung. „Kugellager“ heißt die Übung, an der er und Danner am Sonntagmorgen teilnehmen – gemeinsam mit anderen Aktivisten. Mehrere Dutzend von ihnen bilden auf dem Parkplatz hinter dem DGB-Gewerkschaftshaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße einen äußeren und inneren Kreis. Die Aufgabe: rechten Parolen Paroli bieten. Solchen wie: „Deutschland wird islamisiert.“ Oder: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“

In den seltensten Fällen ist es so einfach wie im Beispiel von Dominik Danner und Luca Schirmer, sich gegen Hetze vom rechten Rand zur Wehr zu setzen. Deshalb möchte das Aktionsbündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ sogenannte Stammtischkämpfer ausbilden. Zur Teilnahme an dem überparteilichen Bündnis hatten Vertreter aus Politik, Gewerkschaften, Religionsverbänden und Zivilgesellschaft im März aufgerufen. Mehr als 17 000 Unterzeichner hat der Aufruf bislang.

Stammtischkämpfer-Workshop

Auf der Aktionskonferenz am Wochenende plant das Bündnis die Grundzüge der Kampagne. „Es geht darum, den Moment der Sprachlosigkeit zu überwinden“, erklärt Sebastian Wehrhahn aus Berlin. Das 34-jährige Mitglied der Linkspartei engagiert sich seit 15 Jahren in der politischen Bildung, wie er sagt. Er ist einer von drei Initiatoren, die am Sonntag den Stammtischkämpfer-Workshop leiten. Die anderen beiden sind Thomas Willms, Bundesgeschäftsführer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, und Luigi Wolf, Mitglied der Linken und Gewerkschaftsberater für Mobilisierungskampagnen in Berlin.

Der Saal im DGB-Haus ist proppenvoll. An den Wänden prangen Banner. „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, steht darauf. Bis Mitte nächsten Jahres will das Aktionsbündnis bis zu 10 000 Stammtischkämpferinnen und -kämpfer mit fundierten Argumenten ausstatten. „Es macht einen Unterschied, ob wir Dutzende oder Tausende ausbilden“, sagt Thomas Willms.

Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ wendet sich insbesondere gegen die Alternative für Deutschland (AfD). Im Entwurf für die Abschlusserklärung der Aktionskonferenz heißt es: „Die AfD benutzt nationalistische und völkische Ideologie, um soziale Unzufriedenheit rassistisch aufzuladen und rechte Scheinantworten zu propagieren.“ Die Partei werde zunehmend zum „Sammelbecken für Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimische Hetze“ und habe sich vielerorts „zum Zentrum der extrem Rechten entwickelt.“

Die Stammtischkämpfer sollen sich deshalb überall gegen die AfD und deren Behauptungen zur Wehr setzen. Nicht nur an klassischen Stammtischen, sondern auch am Arbeitsplatz, bei Familienfeiern und in Chatrooms. Denn: „Rassismus findet überall statt“, wie Sebastian Wehrhahn sagt. Das Aktionsbündnis möchte auch 200 „Teamer“ ausbilden, die in sechs bis acht regionalen „Clustern“ Schulungsprogramme anbieten sollen.

Auf einer Landkarte markieren die 160 Workshop-Teilnehmer am Sonntag rote Punkte. So sollen mögliche Cluster-Standorte identifiziert werden. Unter den Teilnehmern ist auch Julian Seidl aus Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis. „Es ist wichtig, klare Kante gegen die AfD zu zeigen“, findet der 19-Jährige, der bislang politisch nicht organisiert ist. Er sei gekommen, um sich zu wappnen, sagt er. „Im Eifer des Gefechts fallen einem nicht sofort gute Argumente ein, zumal ich nicht gerade ein schlagfertiger Typ bin.“

Dominik Danner, der aus Schwäbisch-Gmünd angereist ist, schüttelt die Argumente auch nicht aus dem Ärmel: „Man braucht ein, zwei Momente, um zu wissen, welche Argumente man anbringen will“, sagt der 29-Jährige, der seit Dezember Mitglied in der Linkspartei ist. Allerdings finde man „immer Fakten als Grundlage für eine Diskussion“, ergänzt er.

Auf der Konferenz dreht sich aber nicht alles um die Stammtischkämpfer. In weiteren Workshops planen die Teilnehmer Großveranstaltungen, erstellen Plakate und Aufkleber und kümmern sich um Pressearbeit. Am Nachmittag gibt es spezielle Kurse dazu, wie man sich etwa in der Schule, an der Uni und im Internet verhalten sollte. „Das Publikum ist bunt gemischt“, sagt Bünddnis-Sprecherin Ronda Kipka, die sich mit der bisherigen Veranstaltung zufrieden zeigt.

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