Lade Inhalte...

Rassismus Diskussion um „Mohren“-Apotheken

Die Kommunale Ausländervertretung in Frankfurt fordert die Umbenennung von zwei Apotheken, die „Mohr“ im Namen tragen. Die Apotheker sind erstaunt, das Denkmalamt winkt ab.

Mohren-Apotheke
Mohren-Apotheke - eine rassistische Bezeichnung, die "sofort verschwinden" soll, wenn es nach der kommunalen Ausländervertretung geht. Foto: Christoph Boeckheler

Die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) fordert die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung auf, sich dafür einzusetzen, dass rassistische Bezeichnungen und Logos „aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden“. Konkret bezieht sich die KAV auf die Eschersheimer „Mohren-Apotheke“ und die „Zeil-Apotheke zum Mohren“ nahe der Konstablerwache. Der Magistrat möge mit den beiden Unternehmen Kontakt aufnehmen und darauf hinweisen, „dass der Ausdruck ‚Mohr‘ als rassistisch angesehen wird und dass bundesweit bereits viele Bezeichnungen für Speisen, Straßen und sogar Firmenlogos geändert wurden“.

Zur Begründung führt das Gremium an, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) habe „oft dazu aufgerufen, dass in Frankfurt am Main kein Platz für Rassismus ist“. Die Stadt müsse deshalb Flagge gegen die Verwendung rassistischer Bilder und Bezeichnungen zeigen, so die KAV. „Leider muss auch im Jahre 2018 noch immer darauf hingewiesen werden, dass Wörter wie ‚Neger‘ oder ‚Mohr‘ einen rassistischen Hintergrund haben. Viel zu lange wurden sie in Deutschland weder hinterfragt noch aufgegeben.“ Durch ihre Weiterverwendung werde „Rassismus weiterhin gedankenlos verbreitet“.

Apothekerin bereit zum Dialog

Karin Schweizer, Geschäftsführerin der Eschersheimer Mohren-Apotheke, zeigte sich überrascht und bezeichnete es als „befremdlich“, dass die Migrantenvertretung sie nicht kontaktiert habe. Sie erläuterte, dass die in den 60er-Jahren gegründete Apotheke den Namen schon sehr lange trage. Es sei ein bundesweit häufiger, „traditioneller Name für Apotheken“, der ursprünglich wohl auf die Verwendung von Arzneien aus fernen Ländern zurückgehe.

Möglicherweise hätten sich Apotheker auch dem Heiligen Mauritius als Schutzpatron der Kaufleute unterstellt, der im 13. Jahrhundert oft als Schwarzer dargestellt wurde. Sie habe den Namen beibehalten, als sie die Apotheke vor knapp 20 Jahren übernommen habe und bislang keine Notwendigkeit gesehen, ihn zu ändern.

Allerdings habe es bereits Kritik am von der KAV ebenfalls beanstandeten Logo ihrer Apotheke gegeben, das den Kopf eines schwarzen Menschen mit Turban und Ohrring zeigt. „Über das Logo kann man diskutieren und wir haben es im Prinzip schon fast überall entfernt“, sagte Schweizer. Eine Namensänderung aber sei sehr aufwendig und teuer, weil ihre Betriebserlaubnis an den Namen gebunden sei. „Wenn aber ein grundsätzliches Interesse daran besteht, muss man darüber sprechen“, so die Apothekerin.

Alexander Schwartz, Inhaber der Zeil-Apotheke zum Mohren, betonte: „Wir haben viel internationale Kundschaft, die sich nicht an dem Namen stört, und werden vorerst nichts ändern.“ Er ergänzte, dass die Bezeichnung „zum Mohren“ auch in der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes eingelassen sei, in dem einst ein Hotel unter diesem Namen war. „Am Haus hat es eh gestanden, von daher habe ich mir keine Gedanken gemacht, als ich den Namen übernahm.“

Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, sagte mit Verweis auf die historische Fassade, „wir würden einer Entfernung oder Abdeckung auf keinen Fall zustimmen“. Der Begriff sei zur Bauzeit des Hauses nicht rassistisch gemeint gewesen, insofern „kann ich keinen Handlungsbedarf erkennen“.

Die KAV schreibt, die Stadt müsse „abwägen, ob die Menschenrechte nicht stärker wiegen als der Denkmalschutz“. Den Antrag in die jüngste Sitzung eingebracht hat Virginia Wangare Greiner von der „Liste Afrikanische Stimme“. Die gebürtige Kenianerin setzt sich seit Jahrzehnten für die Belange afrikanischer Migrantinnen und Migranten ein, insbesondere im Bereich Frauenrechte, Gesundheitsversorgung und Antidiskriminierung.

So initiierte sie die Selbsthilfeorganisation Maisha und unterstützt die Stadt in der Gesundheitsberatung afrikanischer Migrantinnen. Zudem engagiert sie sich in zahlreichen bundes- und europaweiten Gremien, wurde 2011 von Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) in den Bundesbeirat für Integration berufen und 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sie war am Dienstag für die FR nicht erreichbar.

Thomas Usleber, Leiter der KAV-Geschäftsstelle, betonte, dass Greiner ihren Antrag auf Anregung von Bürgerinnen und Bürgern eingebracht habe. Er sei von der KAV einstimmig beschlossen worden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum