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Radfahrer in Frankfurt Radeln im Herbst

Bahnschienen können Radler gefährlich werden, vor allem jetzt im Herbst, wenn Laub auf der Fahrbahn liegt. Doch noch hat die Stadt keine Lösung für das Problem.

Radfahren im Herbst hat seine Tücken. Foto: Andreas Arnold

Radfahrer und Straßenbahnschienen, sie werden keine Freunde mehr. „Jeder Radfahrer weiß das: Wenn man in die Schienen kommt, zerlegt es einen“, sagt Bertram Giebeler. Klagen über Unfälle sind dem verkehrspolitischen Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt mehrfach zu Ohren gekommen.

Gefährlich für Radler seien die Schweizer Straße in Sachsenhausen, die Braubachstraße in der Innenstadt und die Offenbacher Landstraße in Oberrad. Dort teilen sich Radfahrer, Autos und Straßenbahnen den engen Straßenraum. Um Unfälle zu vermeiden, rät er: „Möglichst im rechten Winkel über die Schienen fahren.“

Zwar ist die Menschheit in der Lage, Fahrzeuge auf den Mars zu schicken, aber eine technische Lösung für das Schienenproblem ist noch nicht in Sicht. Dabei hat die Stadt Zürich wegweisende Experimente gemacht.

Schon 2007 verlegten die Züricher Verkehrsbetriebe Gummi in die Rillen. Das Material zog sich auseinander, sobald eine Bahn darüberfuhr, und schloss sich danach, was Radfahrern eine sichere Überfahrt ermöglichte. Schon nach kurzer Zeit war der Effekt jedoch dahin. Das Material lag zerbröselt im Straßenraum.

Die Verkehrsbetriebe gaben nicht auf. 2013 gab es einen weiteren Versuch mit neuem Material auf einer 100-Meter-Teststrecke. Für knapp 400 000 Euro füllten die Techniker die Gleise wieder mit Gummi. „Die Teilnehmenden konnten die neuen Tramschienen viel sicherer und entspannter befahren. Sie mussten die Schienen nicht mehr im rechten Winkel überqueren“, heißt es in der Zwischenbilanz. Allerdings zeigte sich erneut, dass das Material nicht hielt. Füllstücke mussten immer wieder ersetzt und repariert werden. Das sorgte für Mehrkosten, was sich betrieblich nicht rechnete. Die Züricher gaben bis auf weiteres auf.

Die Frankfurter mit ihren 104 Kilometern Straßenbahnnetz versuchten es erst gar nicht. „Unsere Fachabteilung beobachtet die Entwicklung auf dem Markt“, sagt Karola Brack, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Aber bisher gebe es kein geeignetes Material.

Brack betont, dass die Straßenbahnschienen „auch kein Unfallschwerpunkt“ seien. In den vergangenen fünf Jahren habe es exakt null Meldungen über versicherungsrechtlich relevante Unfälle von Radfahrern gegeben, ergänzt ihre Kollegin Juliane Herzog.

Null Unfälle? „Ich habe nicht nur davon berichtet bekommen, sondern auch schon gesehen, wie es einen Radfahrer auf den Gleisen der Schweizer Straße ausgehebelt hat“, sagt Joachim Hochstein. Er leitet das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt, das die Situation für Radfahrer kontinuierlich zu verbessern sucht.

Um die „gefährliche Situation“ für Radler beim Ausweichen auf die Schienen zu umgehen, versuche die Stadt, Ausweichrouten anzubieten. Zwischen den Schienen zu fahren sei ebenfalls möglich. Allerdings nur für Hartgesottene, die es ertrügen, dass sich Autos hinter ihnen reihten. Auch könnte es helfen, „die Parksituation neu zu ordnen“, also Parkplätze wegzunehmen, um Radfahrern mehr Platz einzuräumen.

Auch Bertram Giebeler vom ADFC Frankfurt mahnt, dass sich an den Engpässen dringend etwas ändern müsse. „Die Stadt sollte die Tempodifferenz in den engen Situationen verringern“, sagt er. Die Straßen, in denen sich Radfahrer, Autos und Straßenbahnen den knappen Verkehrsraum teilen, stellten „Gefahrenlagen“ dar. „Es kann nicht sein, dass Radfahrer auf die Schienen ausweichen müssen, während sich ein Auto mit Tempo 50 nähert.“ Daher setzt sich der Radfahrexperte für Tempo 30 auf solchen Straßen ein.

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