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Radfahren in Hessen Diebe verderben Frankfurts Note

Der ADFC kürt die fahrradfreundlichsten Städte Hessens. Baunatal belegt den Spitzenplatz, Wiesbaden bleibt Schlusslicht. In Frankfurt haben Radler Angst, dass ihre Räder gestohlen werden.

Radfahren in Hessen
Wiesbaden lege den Fokus zu sehr auf Autos, monieren Kritiker. Foto: dpa

Wer mit dem Fahrrad in Hessen unterwegs ist, will nach Baunatal. Zumindest wenn es nach dem Ranking des ADFC-Fahrradklima-Tests 2016 geht. Dort belegt die Stadt in der Nähe von Kassel den Spitzenplatz. Dem Mekka der hessischen Radfreunde folgen Mörfelden-Walldorf und Kriftel auf den Plätzen zwei und drei.

„In diesen Städten wird der Radverkehr seit Jahren systematisch gefördert“, sagt Norbert Sanden, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Hessen. Außerdem sei beim Tabellenführer der Radverkehr auch Chefsache. Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub ist selbst begeisterter Alltags- und sportlicher Freizeitradler. Er gewichte das Thema entsprechend hoch. So gibt es einen Radverkehrsbeauftragten, eine Projektgruppe Radwege mit Bürgerbeteiligung und Fahrradkampagnen, verbesserte Abstellmöglichkeiten und eine neue Wegweisung.

Von solchen Aspekten könnten die Schlusslichter noch etwas lernen. Wiesbaden rangiert erneut auf dem letzten Platz. Doch auch Limburg und Bad Homburg landen nur unwesentlich davor. „In Wiesbaden wird nicht an Rad gedacht, hier liegen immer die Autos im Fokus“, kritisiert Günni Langer vom ADFC Wiesbaden. Neue Radwege seien zu schmal oder führten dicht an parkenden Autos vorbei, von einer Baustellenführung für Radfahrer scheint man in der Landeshauptstadt noch kaum etwas gehört zu haben. „Wiesbaden ist die fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands“, ordnet Langer das Ergebnis der bundesweiten Erhebung ein.

Auf dem richtigen Weg scheint laut Ranking Offenbach zu sein. Zwar landet die Stadt in Hessen nur auf dem 34. Platz von insgesamt 61, kann sich aber zu den Aufsteigern im Bundesland zählen. Diese haben sich im Vergleich zum Ranking von 2014 besonders stark verbessert (von Note 3,9 auf 3,77). „Oberbürgermeister und Bürgermeister gehen beim Radfahren mit gutem Beispiel voran“, erklärt Ulrich Lemke vom ADFC Offenbach. Dadurch seien beide Vorbilder und auch die politischen Entscheidungen würden den Radverkehr wesentlich stärken.

Der neue Radweg am Hafen und eine neue Wegweisung: Zwei Beispiele, die Offenbach diesmal zu einem Aufsteiger machen. „Aber 3,77 ist keine gute Note“, warnt Lemke. „Es ist noch eine Menge Luft nach oben.“ In Frankfurt spürt man bereits den Offenbacher Atem im Nacken. Die Mainmetropole kam ebenfalls auf eine Note von 3,77. „Frankfurt ruht sich aus“, mahnt Bertram Giebeler, Verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt. In der Auswertung 2014 kam die Stadt noch auf 3,6. Vorbildlich zeige man sich bei den öffentlichen Einbahnstraßen und der Mitnahme von Rädern im Nahverkehr.

Ganz miese Bewertungen erhält Frankfurt aber beim Fahrraddiebstahl, der Baustellenführung und dem Falschparken auf Radwegen. „Das allgemeine Sicherheitsgefühl ist dadurch nicht sehr ausgeprägt“, sagt Giebeler. Wer Angst hat, dass sein Fahrrad geklaut oder er selbst über den Haufen gefahren wird, steigt erst gar nicht auf. „Wir laufen Gefahr, unsere Erfolge mit diesen Versäumnissen zunichtezumachen“, so der Frankfurter ADFC-Sprecher.

Für seinen Test befragt der ADFC alle zwei Jahre Menschen in ganz Deutschland, wie fahrradfreundlich ihre Heimatstadt sei. 2016 wurden 120 000 Leute befragt, davon etwa 10 000 in Hessen. Jeder Teilnehmer beantwortete 30 Fragen, dabei war es nicht entscheidend, ob er selbst Fahrrad fährt oder Mitglied im ADFC ist.

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