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Radfahren in Frankfurt Abgase belasten Radler stark

Frankfurt und Wiesbaden liegen bundesweit vorn beim schädlichen NO2 in der Luft. Greenpeace fordert Schritte gegen die Autolobby.

05.10.2016 16:33
Thomas Stillbauer , Pitt von Bebenburg
Radfahrer schonen die Umwelt – und dürfen im Gegenzug den Großteil der Autoabgase schlucken. Foto: Christoph Boeckheler

Dicke Luft in Rhein-Main: Frankfurt und Wiesbaden gehören zu den Städten, in denen die Luft am stärksten mit dem gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid (NO2) belastet ist, das vor allem von Dieselmotoren ausgestoßen wird. Der Wiesbadener Bahnhofsvorplatz ist sogar bundesweit der Ort mit der höchsten Belastung. Das ist das Resultat der Messungen von Greenpeace und der Uni Heidelberg in zwölf deutschen Großstädten im Frühjahr.

Radfahrer sind in beiden Städten besonders schlechter Luft ausgesetzt. Und die Belastung ist nicht nur auf Hauptstraßen hoch, sondern auch in Bereichen mit weniger Verkehr, ergab die großangelegte Studie. Die Projektpartner hatten mit einem neuartigen mobilen Messgerät gemessen, was Zweiradfahrer abkriegen; in Frankfurt ging das weit über die EU-Grenzwerte (40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel, 200 µg/m3 in der Spitze) hinaus. Das giftige Gas Stickstoffdioxid kann Asthma, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen.

Die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) forderte erneut, bundesweit eine blaue Plakette einzuführen. Damit könnte die Einfahrt von Dieselfahrzeugen, die nicht nagelneu sind, in bestimmte Städte verboten werden. Betroffen wären Autos, die nicht über die aktuelle Euro-6-Abgasnorm verfügen.

Zu hohe NO2-Belastung sei „ein generelles, weit verbreitetes Problem in deutschen Städten“ mit „entsprechenden Gesundheitsfolgen“, urteilt Greenpeace im Abschlussbericht der Studie, der im Internet zugänglich ist. Auch in Nebenstraßen lägen die Jahresmittelwerte an mehr als der Hälfte der Messpunkte „bedenklich über dem Grenzwert“.

Die höchsten gemessenen Werte gab es an Messpunkten in Wiesbaden und Düsseldorf mit mehr als 100 µg/m3. Da kam vieles zusammen – die unmittelbare Nähe zu stark befahrenen Straßen, schlechter Luftaustausch und hohe Bebauung. Nur wenig besser als in Wiesbaden und Frankfurt sei die Situation in Mainz, wo der Grenzwert ebenfalls oft überschritten werde.

Einen Spitzenwert für Frankfurt maßen die Prüfer am Börneplatz mit rund 108 Mikrogramm. Sogar auf dem Römerberg, über den kein motorisierter Verkehr fließt, lag der Jahresmittelwert bei mehr als 40. „Das bedeutet, dass eine hohe Grundbelastung für einen großen Teil der Bevölkerung vorliegt“, resümiert Greenpeace. Die Umweltmessstationen der Stadt erfassten nicht die flächendeckend hohe Belastung auch abseits der Hauptverkehrsstraßen: „Dadurch wird das Gesundheitsrisiko hier vollständig unterschätzt.“

Für Radfahrer ist die Stickstoffdioxidbelastung gemäß Studie „generell sehr hoch“, weil sie oft mangels vernünftiger Radwege direkt hinter Kraftfahrzeugen herfahren müssten. Die Radwegeplanung sollte daher „vor allem abgelegene Fahrradwege und reine Fahrradstraßen forcieren“, rät die Umweltorganisation, damit die Nutzer von Zweirädern als klimafreundlichste Verkehrsteilnehmer nicht zugleich die Hauptleidtragenden der Verbrennungsmotoren blieben.

Ministerin Priska Hinz hegt zwar Zweifel, ob die Greenpeace-Studie mit geeigneten Methoden erarbeitet wurde – etwa weil  Jahresmittelwerte auf Basis einer halb- oder einstündigen Messung berechnet worden seien. Sie teilt aber den Schluss, dass die Stickstoffdioxid-Belastung in Städten ein großflächiges Problem darstelle, das sich „nicht nur auf einige Straßen beschränkt“.

Straßenverkehr sei der Hauptverursacher, stellt Hinz fest. Eine blaue Plakette würde „eine rechtssichere und bundeseinheitliche Festlegung von Verkehrsbeschränkungen“ ermöglichen, urteilt sie. Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) habe die Plakette jedoch abgelehnt.

Die hessische Ministerin sieht aber auch andere Wege, die sie mit den Kommunen berät. In Darmstadt werde untersucht, wie die Abluft des City-Tunnels abgesaugt und gereinigt werden könnte. Hinz nennt außerdem Einbahnstraßenregelungen, veränderte Ampelschaltungen, neue Radwegkonzepte und Durchfahrtsverbote für Lastwagen.

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