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Pulse of Europe Von der Straße in Schulen und Altersheime

Pulse of Europe will sich mit Aktionen in die Debatte um Europas Zukunft einmischen.

Pulse of Europe auf dem Goetheplatz
Bekenntnis zu Britannien und Europa. Foto: Rolf Oeser

Ein blaues Flaggenmeer, viel Applaus und gemeinsames Singen: Pulse of Europe ist am Sonntag mit rund 2000 Menschen zurück auf dem Goetheplatz. Es ist das erste Mal, seit die Koordinatoren Anfang Mai verkündet hatten, von nun an nicht mehr jede Woche, sondern nur noch am jeweils ersten Sonntag des Monats mit ihrer pro-europäischen Botschaft auf die Straße gehen zu wollen. „Wir läuten jetzt sozusagen die nächste Stufe ein“, sagt Karin Haus, Aktivistin der ersten Stunde.

Nachdem die Bewegung innerhalb weniger Monate sprunghaft gewachsen war, sei sie jetzt an einem Punkt angekommen, an dem sich die Strategie ändern müsse: „Wir haben jetzt die nötige Aufmerksamkeit, um uns mit konkreten Aktionen in die Debatte um Europas Zukunft einzumischen. Wir gehen zwar weiterhin auf die Straßen, aber eben auch in Schulen oder Altersheime“, sagt Haus. Geplant sind etwa Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen in verschiedenen Ländern und Städten – koordiniert von der Frankfurter Geschäftsstelle, in der mittlerweile zwei Festangestellte arbeiten. Außerdem hat Pulse of Europe einen offenen Brief an die Politik veröffentlicht, in dem von allen Parteien Statements zu ihren Konzepten für Europa eingefordert werden.

Ein Brite berichtet

Während Karin Haus erzählt, steht sie neben der Bühne. Dort spricht gerade Nicolas Jefcoat, der Vorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft im Rhein-Main-Gebiet, über den Brexit, mit dem er nicht gerechnet und der ihn schockiert habe. Jefcoat erzählt von seiner Familie: Er ist Brite, lebt aber mit seiner Frau, einer Österreicherin, seit langem in Frankfurt. Die Tochter hat in Wien studiert und arbeitet jetzt dort: „Wir sind also schon ziemlich europäisch.“ Die Menge klatscht und schwenkt ihre Europaflaggen.

Pulse of Europe ist oft dafür kritisiert worden, dass es vor allem beruflich erfolgreiche, meist ältere Menschen aus dem Bildungsbürgertum anzieht, die in ihrem Alltag täglich die Vorteile der europäischen Einigung spüren. Diese übersähen, dass viele Menschen durchaus ihre Gründe dafür hätten, die Europäische Union kritisch zu sehen. Karin findet das nicht ganz fair: „Nur weil eine Bewegung in einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe ihren Anfang nimmt, muss sie doch nicht schlecht sein. ’68 sind erstmal auch hauptsächlich Studenten auf die Straße gegangen.“

Doch jetzt müsse es gelingen mehr Menschen einzubinden. Immerhin engagierten sich mittlerweile immer mehr junge Menschen bei Pulse of Europe. So wie Sarah. Die 18-Jährige ist Abiturientin am Frankfurter Lessing-Gymnasium und hat an diesem Nachmittag mit zwei Freundinnen eine kleine Rede auf der Bühne gehalten. Sie sagt, als Donald Trump gewählt wurde, habe sie geweint. Über die vermeintlichen Niederlagen rechter europäischer Parteien in den vergangenen Monaten ist sie zwar erleichtert. Aber: „Das war viel zu knapp.“ Trotzdem lautet ihre Botschaft an ihre Altersgenossen jeglicher politischer Couleur: „Geht wählen.“ Die Demokratie sei ein Privileg, das zu viele nicht mehr zu schätzen wüssten.

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