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Pulse of Europe in Frankfurt Gemeinsam singen für europäischen Herzschlag

Mit einem Festakt in der Paulskirche wollen „Pulse of Europe“ und die Stadt Frankfurt ein Zeichen für Europa setzen.

Pulse of Europe-Kundgebung
Eine Frau in EU-Kleidung bei der Pulse of Europe-Kundgebung. Foto: Monika Müller

Beim letzten Refrain drehte sich der Dirigent zum Publikum um. Die finalen Takte der „Ode an die Freude“ sang nicht nur ein Chor, sondern fast der ganze Saal der Paulskirche. Mit viel Musik hatte die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ am Sonntag ihren Festakt begangen.

Auch im Anschluss, auf dem Weg zur Kundgebung auf dem Römerberg, ging es musikalisch weiter. Als die 690 Gäste, teilweise aus der gesamten Republik angereist, die Kirche am frühen Nachmittag verließen, sang für sie ein Kinderchor der Praunheimer Europaschule. Die Sieben- bis Elfjährigen intonierten „Bruder Jakob“ auf Deutsch und Französisch sowie „Somewhere over the rainbow“ und „Anders als du“.

In dem zweistündigen Festakt zuvor hatten mehrere Redner, darunter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), das Engagement der Bürgerinitiative gewürdigt, deren Anhänger seit mehr als eineinhalb Jahren regelmäßig für ein geeintes und starkes Europa auf die Straße gehen.

Im November 2016 hatte in Frankfurt erstmals eine Kundgebung von „Pulse of Europe“ stattgefunden, die von dem Anwalts-paar Sabine und Daniel Röder und dessen Freunden ins Leben gerufen worden war. Von dort aus hatte sich die Initiative in Dutzende deutsche und europäische Städte ausgebreitet. Feldmann bezeichnete sie als „Frankfurter Baby“. Er sagte: „Es macht uns stolz, Sie heute hier zu haben.“ Und weiter: „Sie haben es geschafft, ein Zeichen für Vielfalt im Haus Europa zu setzen.“

Zuvor hatte Gründungsmitglied Hansjörg Schmitt das Publikum aufgefordert, den italienischen Grandprix-Gewinnersong „Insieme: 1992“ (Zusammen) mitzusingen. Eine „Hymne auf Europa“, sagte Schmitt. Dazu stand das Publikum geschlossen auf. Einige hielten sich an den Händen, andere schwenkten EU-Flaggen oder klatschten rhythmisch im Takt der Musik – so, wie es die Teilnehmer in den Monaten zuvor bei den Kundgebungen auf dem Goetheplatz oder anderen Orten in der Frankfurter Innenstadt und weiteren Städten getan hatten. Verhalten wurde der italienische Text mitgesungen, der auf das Programm gedruckt worden war, welches vielen bei den schwülen Temperaturen in der Paulskirche auch als Fächer diente.

Die Soziologin und Bürgerrechtlerin Kathrin Mahler Walther sprach von „Gänsehautmomenten“, während des gemeinsamen Singens, was sie „enorm berührt“ habe. „Auch wir hatten Lieder, sie sind sehr wichtig“, sagte Mahler Walther, die in Leipzig Ende der 1980er für die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR gekämpft hatte. Es sei heute entscheidend, die „Vielfalt von Identitäten zu sehen und nicht gegeneinander auszuspielen, sondern für ein gemeinsames Europa zusammenzubringen“. „Pulse of Europe“-Gründer Daniel Röder sagte: „Wenn ein Zeichen von der Paulskirche ausgeht, dann, dass hier Menschen sind, die für unsere Demokratie, Menschlichkeit und Respekt aufstehen und die Geschichte nicht beobachten, sondern gestalten wollen“. Er forderte eine „europäische Öffentlichkeit“. Nur sie sei ein „tragfähiges Fundament“.

Als neues Konzept der Bürgerbeteiligung wurden die „europäischen Hausparlamente“ vorgestellt, bei denen Interessierte eingeladen seien, als Gastgeber Menschen aus ihrem Umfeld in kleinen Runden zu sich nach Hause einzuladen, um gemeinsam konkrete Fragen zur Europapolitik zu diskutieren. Die zusammengefassten Ergebnisse sollten an die „politischen Entscheidungsträger zur Aufbereitung“ weitergeleitet werden.

Barbara Brinkmann, die aus Gütersloh angereist war und sich nach dem Festakt auf den Weg zum Römerberg machte, sagte, „Pulse of Europe“ sei eine „gute Möglichkeit, politischen Pessimismus zu überwinden und selbst aktiv zu werden“. Die 70-Jährige, seit dem Beginn von „Pulse of Europe“ in Gütersloh vor mehr als einem Jahr dabei, bezeichnete den Festakt als „großartigen Impuls, um weiterzumachen“. Über die Hausparlamente wolle sie mit andersdenkenden Menschen ins Gespräch kommen.

Auf dem gut besuchten Römerberg, vor dessen Rathaus eine große Musikbühne sowie eine kleinere für Reden aufgebaut worden war, stand am Nachmittag auch Michael Prinzhorn, der mit einer Gruppe aus Karlsruhe gekommen war. Der 37-Jährige sagte, er wolle seinen Nachbarn und einen Freund zu sich einladen, die konträre Wahlwünsche geäußert hätten, um mit ihnen über EU-Politik zu diskutieren.

Bis zum späten Nachmittag wehten blaue EU-Flaggen auf dem Römerberg. Die Band „Pearls of Europe“ (Perlen Europas) spielte eigens einstudierte symbolträchtige Lieder, deren Texte zum Mitsingen auf einer Großbildleinwand eingeblendet wurden.

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