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„Pulse of Europe“ in Frankfurt Blaue Fanmeile für Europa

Bei der „Pulse of Europe“-Kundgebung wird unter anderem mehr Sachlichkeit in der Flüchtlingsfrage gefordert.

Frankfurt
Der alte Goethe schaut auf die mit blauen Europa-Fahnen ausgestatteten Teilnehmer der Kundgebung. Foto: Renate Hoyer

Die „blaue Karte“ bekommen am Sonntagnachmittag auf dem Goetheplatz symbolisch alle Gegner der Europäischen Union gezeigt. Bei der Kundgebung von „Pulse of Europe“ halten die Teilnehmer blaue Postkarten in die Luft, gegen „nationale Alleingänge“, wie Initiator Daniel Röder sagt. Dazu läuft aus den Boxen „Shiny happy people“ von R.E.M.

Seine Ansprache beginnt Röder mit Megafon, weil der Strom anfangs noch fehlt. Er steht auf der Ladefläche eines Lastwagens, nicht wie sonst auf einer Bühne. „Zurück zum alten Lasten-Lkw“, sagt er, wie in den Anfängen der Bewegung, die vor etwa eineinhalb Jahren ihren Ausgang in Frankfurt genommen hat und in zahlreichen europäischen Städten übernommen wurde.

Röder fordert mehr Sachlichkeit in der Flüchtlingspolitik. Er dankt den Teilnehmern für ihr Engagement bei der Würdigung der Stadt vor wenigen Wochen in „einer vibrierenden Paulskirche“. Nach dem Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM empfiehlt er EU-Flaggen statt Schwarz-Rot-Gold ins Fenster zu hängen.

Dirk Reinhart hat an einem Stand der Initiative gegen Spende eine der blauen Fahnen erstanden. „Wir müssen mal ein Zeichen setzen“, sagt der 47-Jährige, der mit seinem Sohn Malte per Pedale vom Frankfurter Berg in die Innenstadt gekommen ist. Im Anschluss an die Kundgebung wollen sie mit der neuen Flagge am Lenker bei der Fahrrad-Demo „critical mass“ mitstrampeln, die zweimal monatlich stattfindet und sich für die Rechte von Radfahrern stark macht.

„Ich finde es wichtig, dass Europa zusammenhält“, sagt Malte. Offene Grenzen seien für ihn selbstverständlich. Nächste Woche geht es für sie mit dem Auto nach Kroatien in den Urlaub, dann mit EU-Flagge hinter die Heckscheibe geklemmt, berichtet Dirk Reinhart.

Sein 14-Jähriger Sohn ist erstmals auf einer der proeuropäischen Kundgebungen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind“, sagt er und ergänzt: „wie eine Fanmeile für Europa“. Ein Polizist, der die Kundgebung vom Rand mit zwei Kollegen im Blick behält, schätzt die Teilnehmerzahl auf etwa 300.

Eva Reis ist ebenfalls erstmals bei Pulse of Europe. Die 20-Jährige lässt den Blick über die Versammlung mit vielen im Wind wehenden EU-Flaggen am Goetheplatz schweifen. „Europa sollte zusammenhalten, in guten wie in schlechten Zeiten“, sagt die Ober-urselerin. Reiche europäische Länder sollten ärmere Staaten unterstützen, findet sie. Die Abiturientin, mit Leistungskurs Politik und Wirtschaft, zeigt sich beeindruckt von dem Kommentar einer älteren Teilnehmerin, die als „Kriegskind“ beim Stimmenfang am „Offenen Mikrofon“ berichtete, dass ihre Eltern Nationalsozialisten gewesen seien. Die Frau sagte: „Der Rechtsruck in Europa ist sehr weit fortgeschritten“.

Sie wolle, dass „Europa im demokratischen Sinne voranschreitet“. Reis wünscht sich mehr jüngere Teilnehmer bei Pulse of Europe. Die Verantwortlichen sollten verstärkt über soziale Medien Themen der jungen Generation ansprechen.

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